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Friedrichshafen Zeppelin Band zieht die Aufmerksamkeit auf sich

The Razorblades galten als Haupt-Act und Höhepunkt der Gitarrentage 2017, doch die Zeppelin Band stahl den Surfpunkern am Samstag im Casino die Schau. Das Doppelkonzert im Casino fand vor kleinem Publikum statt. Kulturbürgermeister Köster will für 2018 das Marketing des von Thomas Lutz organisierten Festivals verbessern, das von der Stadt finanziell gefördert wird.

Es gibt Konzerte, da wollen alle die lokale Vorband hören und die Headliner spielen zur „Afterparty“ auf. Legendär ist das Trochtelfinger Festival 1996, als Schwoißfuaß auf Revival-Tour die Hütte rockte und die Stars von Runrig danach angepisst vor halbleerem Zelt spielten.

Ähnlich lief es am Samstagabend im Kulturraum Casino. Nur: The Razorblades, geniale Surf-Punker aus Wiesbaden, waren alles andere als angepisst. Sie hatte der Häfler Gitarrist und Organisator Thomas Lutz als Höhepunkt seiner Gitarrentage 2017 engagiert. Das Publikum war aber eindeutig gekommen, um die Zeppelin Band zu sehen. Eine Amateur-Coverband, doch mit hochkarätiger Besetzung aus den Spitzen-Etagen des Baumaschinen-Konzerns.

„Ich bin ja nur special guest“, lachte Peter Gerstmann vor dem Auftritt. Dass der Vorstandsvorsitzende des Häfler Weltkonzerns gerne auf seiner Gibson Les Paul abrockt, überrascht niemanden, der die rheinische Frohnatur in ihm kennt.

Die Idee zur Zeppelin Band entstand bei einem Führungskräfte-Seminar: „Da haben wir alle entdeckt, dass jeder irgendwie ein Instrument spielt“, erzählt Gerstmann. In den sechs Jahren seither haben sie es auf acht Auftritte gebracht, „meist Weihnachtsfeiern oder so“, sagt Sänger Stephan Bäumler, Leiter Marketing und, zusammen mit Messereferent Peter Kirch am Bass, der Teil der Band mit erkennbarer Bühnenerfahrung. Schon bei Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ agierte Bäumler als cooler „Man in Black“. Überhaupt war Bluesbrothers-Look angesagt: Führungskräfte rocken im schwarzen Anzug, nur der Basser trug Pink mit Schlaghosen. Eher „Band-dienlich“, aber mit viel Spaß agierten Rhythmusgitarrist Manfred Schmaderer (Leiter IT), Schlagzeuger Staale Hansen (Leitung Produktmanagement) , Keyboarder Hans-Georg Seybold (CFO Zeppelin Rental) und Saxofonist Konrad Werkmann (Leiter Neumaschinen-Abteilung).

Das Repertoire ging quer durch die 70er und 80er. „The one I love“ von REM, „When you were mine“ von Prince, Falcos „Amadeus“, Neil Youngs „Keep on rocking“. Peter Gerstmann („Ich bin ja mit BAP aufgewachsen") sang sein Lieblingslied „Verdamp lang her“ und legte bei Billy Idols „White Wedding“ starke Heavy-Riffs und die amtlichen Steve Stevens-Fills aufs Brett. Fazit: Als die Zeppelin Band warm und locker gespielt war, so etwa ab BAP, ging’s richtig ab. Im Publikum, meist Freunde und Mitglieder der (Firmen-) Familie, schlug die Partystimmung voll durch.

The Razorblades musste da eigentlich nur noch eins draufsetzen. Und das taten sie, mit der Professionalität aus 15 Jahren Tourarbeit. Surfpunk? Nein, das hat nichts mit Beach Boy zu tun. Eher mit dem Twang-Gitarren-Pop aus den Sechzigern, wie man ihn als Soundtrack aus Tarantino-Filmen kennt. Und weil man ja wirklich alles mit Punk mischen kann, zog das Power-Trio um Gitarrero Martin Schmidt (alias Rob Razorblade) heftig ab. Schnell, dreckig, lustig. Mit dem hellen Vibrato-Sound der Fender Jaguar-Gitarre, dem Brett aus heavy-mäßig angezerrtem E-Bass und Dauer-Donner von den Drums. Meist Instrumentalstücke um die zwei Minuten. Surf-Klassiker wie „Wipe Out“ oder das „Pulp Fiction“-Thema kannte man, der Rest waren Eigenkompositionen. Das Rest-Publikum (der harte Zeppelin-Kern) tanzte wie verrückt.

Was bleibt: Ein fetziger Abend vor zu wenig Publikum, eine Zeppelin Band mit Ambitionen (fünf Konzerte in 2017 geplant) und die Ansage von Kultur-Bürgermeister Andreas Köster: „Für nächstes Jahr sollten wir das Marketing für die Gitarrentage überdenken.“ Damit es 2018 voller werde.

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