Friedrichshafen Wer eigentlich die Geschenke bringt
05.12.2009
Mit großen und gespannten Augen blicken die Kinder den Nikolaus an. „Woran erkennt man denn eigentlich den Nikolaus?“, fragt er die Kinder im Johannes-Brenz-Kindergarten. Kurzes Überlegen: „Weil du schon letztes Jahr da warst“, sagt ein kleines Mädchen mit einer Weihnachtsmann-Mütze.
Doch wie war das jetzt eigentlich mit dem Nikolaus, dem Weihnachtsmann und dem Christkind? „Wir müssen da schon immer viel erklären“, sagt die Leiterin Carmen Schuster. Der Grund: Kinder unterschiedlicher Nationen. „Wir merken das schon, wenn jemand aus Nordrhein-Westfalen kommt“, erklärt sie. Während hier in der Region meist das Christkind die Geschenke bringt, kommt im Norden eher der Weihnachtsmann.
„Es ist eine lange Geschichte“, erklärt Heike Vogel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zeppelin-Museums, die am Samstag, 5. Dezember, im Museum einen kostenlose Führung zu diesem Thema anbietet. Der Ursprung: der Bischof Nikolaus aus Myra in der heutigen Türkei. „Es gibt viele Legenden, die ihm gute Taten und Wunder zuschreiben. So soll er arme Leute beschenkt haben.“ Mit der Überführung der Gebeine des Bischofs nach Italien im 11. Jahrhundert seien viele Bräuche entstanden.
Luther habe diese Bräuche abgelehnt. „Der Heilige Christ wurde von ihm eingeführt. Daraus hat sich das Christkind entwickelt“, sagt Vogel. Auch das Beschenken am 24. Dezember geht auf Luther zurück. Zuvor war es Brauch, die Jungen am 6. Dezember und die Mädchen am Luziatag, 13. Dezember, zu beschenken. „Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Nikolausbrauch zur pädagogischen Geschichte“, erklärt Vogel. Sowohl Jungs als auch Mädchen werden seither am 6. Dezember beschenkt – wenn sie brav waren.
„Der Weihnachtsmann hat andere Wurzeln“, sagt Vogel. Im 19. Jahrhundert seien Figuren entstanden, die die Jahreszeiten verkörpern, wie etwa der „Herr Winter“. Dieser und der holländische Sinterklaas hätten sich durch die Einwanderer in Amerika zum „Santa Claus“ entwickelt. „Erst in den 30er Jahren erhielt der Weihnachtsmann seine leuchtend rot-weißen Farben von Coca-Cola“, sagt Heike Vogel.
Im Kindergarten Johannes-Brenz wissen die Kinder Bescheid. Den Nikolaus erkennen sie an seinem „roten Mantel“ und an dem „Hut“, der aussieht wie eine „Krone“. „Das ist eine Mitra“, erklärt der Nikolaus den Kindern. Der Weihnachtsmann hingegen hat eine Zipfelmütze, aber keinen Bischofsstab.
Stephanie Jakober
