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Friedrichshafen Wenn das Leben viel zu früh beginnt: Besuch auf der Frühgeborenen-Station

30.10.2012
Friedrichshafen -  Ein Besuch auf der Frühgeborenen-Station in Friedrichshafen, wo die Kinder individuell und liebevoll betreut werden. Die Stimmung schwankt hier Tag für Tag zwischen Hoffen und Bangen.

Der kleine Leon wurde sieben Wochen zu früh geboren und wog 1720 Gramm. Im Brutkasten werden seine Atmung, Temperatur und Herztöne ständig überwacht.  Bild: Mommsen

Auf dem Überwachungsmonitor können Ärzte und Schwestern auf einen Blick sehen, wie es ihren Schützlingen geht.

Schwester Franziska mit dem kleinen Sebastian. Die 22-Jährige arbeitet schon seit zwei Jahren auf der Frühchen-Station.

In den Inkubatoren herrschen ähnliche Bedingungen wie im Mutterleib.

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Autor
Kerstin Mommsen


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Es herrscht eine seltsame Ruhe auf der Pflegestation 20 des Häfler Klinikums, nur ab und an wird sie unterbrochen von einem Piepsen oder einem Alarmsignal, das aus dem Monitor kommt, den Schwester Franziska ständig im Blick hat. Acht Frühchen sind ihre Schützlinge – alle haben sie viel zu früh das Licht der Welt erblickt und liegen in Brutkästen oder Wärmebettchen, werden beatmet oder mit Sonden ernährt. Hier auf dieser ganz besonderen Station sind Leben und Tod manchmal ganz nah beieinander. Kinder, die nur 950 Gramm bei ihrer Geburt wiegen, werden hier liebevoll aufgepäppelt.

So wie der kleine Alexander, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Sebastian schon seit Ende September hier ist. Die beiden Jungs mussten in der 30. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt werden. Für ihre Mama Heike Vass war das ein Schock. „Wenn alles normal gelaufen wäre, wären sie erst am 5. Dezember geboren worden“, sagt die 32-Jährige. Alexander wog nur 950 Gramm, sein Bruder immerhin 1350. Mit liebevollem Blick nimmt Heike Vass ihren kleinen Sohn aus seinem Wärmebettchen und kuschelt ihr winziges Sorgenkind eng an sich. „Am Anfang war es nicht leicht. Beide lagen im Brutkasten und ich konnte sie nur durch die Klappen hindurch berühren, weil sie beatmet werden mussten. Als Mutter stellt man sich natürlich etwas anderes vor“, sagt sie tapfer lächelnd. Aber die Zwillinge entwickeln sich gut und haben schon prächtig zugenommen, seit einigen Tagen müssen sie auch nicht mehr im Brutkasten sein - auch wenn sie im Vergleich zu anderen Babys immer noch winzig sind.

Heike Vass Hand umfasst Alexanders kleinen Kopf, dann gibt sie ihm ein Fläschchen mit abgepumpter Muttermilch. Heute schafft Alexander 30 Milliliter, „ein irrer Erfolg“, so seine Mutter, in den ersten Tagen schaffte er gerade einmal einen. Für die 32-Jährige und ihren Mann begann mit der Geburt ihrer Zwillinge eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Glücksgefühlen und Momenten der Angst. „Ich habe immer nur gehofft, dass die Apparate nicht anfangen zu piepsen“, gesteht die Mutter.
 

 

Die größte Gefahr für Frühgeborene sind Gehirnblutungen

Frühgeborene wie Sebastian und Alexander sind besonders gefährdet, denn sie sind empfindlich und brauchen einen Schutzraum, in dem sie sich entwickeln können. „Heute ist die Medizin so weit fortgeschritten, dass wir die Babys gut behandeln können“, weiß Oberarzt Steffen Kallsen, der die Verantwortung für seine kleinen Patienten trägt. „Wir versuchen, der Situation im Mutterleib so nah wie möglich zu kommen, im Brutkasten nähern sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit der der Gebärmutter weitestgehend an“, so Kallsen. Trotzdem bleibt ein Restrisiko, die Kinder hängen an Schläuchen, müssen manchmal künstlich beatmet werden. „Wir müssen immer ganz genau beobachten, ob der Blutdruck oder die Sauerstoffsättigung schwanken“, erklärt Kallsen. Bei manchen Frühchen ist auch die Lunge noch nicht vollständig ausgereift. Die größte Gefahr für Frühgeborene sind Gehirnblutungen, damit verbunden sind Behinderungen.

Allein 2011 wurden auf der Neonatologie im Häfler Klinikum 81 Frühgeborene behandelt, das Kleinste wog nur 850 Gramm. Auch für Oberarzt Kallsen ist sein Job nicht immer ganz einfach: „Ich bin ja auch nur ein Mensch und sehe, wie sich die Eltern dieser Babys fühlen. Für mich ist es wichtig, dass wir hier alles richtig gemacht haben. Trotzdem gibt es in manchen Fällen auch so etwas wie Schicksal, das nimmt mich dann natürlich auch mit“, gibt er zu. Doch in den meisten Fällen geht alles gut und die Frühchen kommen früher oder später nach Hause zu ihren Eltern und Geschwistern. Auf einer riesigen Pinwand auf der Station hängen Unmengen von Fotos und Dankeskarten – alle von Eltern, die sich für die Unterstützung und die liebevolle Pflege ihrer Kleinsten bei den Mitarbeitern bedanken.

Während der Oberarzt gerade mit einer Schwester spricht, klingelt sein Piepser – im Kreissaal ist eine Mutter mit Zwillingen, die per Kaiserschnitt entbunden werden müssen und Kallsens nächste Patienten werden.

Von Hektik ist auf der Station PG 20 trotzdem nichts zu spüren, ruhig informiert Kallsen die Schwestern über die erwarteten Neuzugänge. Wenige Stunden später sind sie da – klein und zerbrechlich liegen sie in den Inkubatoren. Hochkonzentriert beginnen Oberarzt Kallsen und Schwester Franziska gemeinsam, die Geschwisterchen zu versorgen, ihnen Zugänge zu legen und gleichzeitig den Vater zu beruhigen.

Schwester Franziska ist schon seit zwei Jahren hier und bezeichnet ihren Beruf als „Traumjob“, auch wenn es manches Mal Situationen gibt, die auch ihr schwer zu schaffen machen. „Aber eigentlich überwiegt die Freude. Jeden Tag sieht man die Fortschritte, die die Kleinen machen, wir arbeiten eng mit den Eltern zusammen und freuen uns darüber, wenn wir unsere Kleinen gesund und munter entlassen können“, sagt die 22-Jährige lächelnd.
 

"Känguruhen": Körperliche Nähe ist wichtig

Mama Heike Vass versucht, so oft wie möglich ihre Zwillinge zu besuchen, denn die körperliche Nähe mit den Eltern ist für die Babys besonders wichtig. Wenn genügend Zeit ist legt sie sich ihre Söhne auf die Brust – „Känguruhen“ heißt das im Fachjargon. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die wie kleine Känguruhs nahe bei ihren Eltern sind, weniger Stress haben, sich schneller entwickeln und besser schlafen. „Leider kann ich nicht dauernd hier sein“, sagt die Mama aus Markdorf. Sie wechselt sich mit ihrem Mann Uwe ab, denn auch ihre zweijährige Tochter Sara soll nicht zu kurz kommen. „Das ist manchmal wirklich eine Zerreißprobe für uns alle“, sagt Vass. Aber jetzt muss die Familie nur noch ein paar Wochen durchhalten – dann können Alexander und Sebastian nach zehn Wochen Klinikaufenthalt endlich nach Hause. „Dann werden wir alles nachholen und ganz viel kuscheln“, flüstert sie dem kleinen Alexander ins Ohr. Er hat seine Augen geschlossen und schmiegt sich an seine Mama.

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Klinikum Friedrichshafen

Um das Klinikum Friedrichshafen ist der Medizin Campus Bodensee mit Mutter-Kind-Zentrum, Psychiatrischer Klinik und weiteren Angeboten entstanden.

Frühchen zwischen hoffen und bangen!
Aber am Ende die grösste Freude.Uns ging es genau so-wir haben nur noch gebetet,dass unsere ... mehr ...
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