Technik trifft auf Genuss: Auf ein ganz neues, bisher unbekanntes Terrain begab sich am Sonntag die Bodensee-Weinmesse, die vom angestammten Neuen Schloss in Meersburg ins Dornier-Museum nach Friedrichshafen umgezogen ist. Dass man sich gesucht und gefunden hat, darin waren sich nicht nur die insgesamt 43 Weinerzeuger einig, die an 23 Einzel- und Gemeinschaftsständen etwa 250 Weine präsentierten.„Uns gefällt's hier in diesem Umfeld.
Wein ist weitaus mehr als nur Weinbergromantik“, sagt etwa Renate Meichle-Hiller vom Vertrieb des Weingutes Markgraf von Baden und lobt die übersichtliche Weitläufigkeit und die gute Verkehrsanbindung des Ausstellungsraumes. Aber auch die zahlreichen Zuschauer waren vom neuen Ambiente der Weinmesse durchweg angetan. Mit Recht: Wann hat man schon die Gelegenheit, im Schatten zahlreicher Flugzeuglegenden sich ein Gläschen aus dem Schaffhausener Blauburgunderland, einen Grauburgunder von der Birnauer Kirchhalde, einen Johanniter vom Bermatinger Leopoldsberg, einen Chardonnay der Meersburger Sängerhalde, einen Weißburgunder vom Nonnenhorner Sonnenbichl oder zahlreiche andere edle Tröpfchen aus der Bodenseeregion zu genießen. Manch einer der Messebesucher nutzte auch die Chance, sich bei einem Sensorik-Seminar von Weinfachberaterin Brigitte Jankewics und die professionelle Weinverkostung einführen zu lassen.
„Hier ist wirklich die einzige Möglichkeit, sich einen Überblick über alle Bodensee-Weine zu verschaffen, und gleichzeitig mit den unterschiedlichen Winzern über ihren Jahrgang ins Gespräch zu kommen“, bestätigt Jürgen Dietrich, Erster Vorsitzenden des Bodensee-Wein e.V., der zusammen mit Museumdirektor Berthold Porath, der badischen Weinprinzessin Sarah Kappeler und der Bodensee-Weinprinzessin Christine Schellinger die 15. Auflage der Messe eröffnete. Dass sich der Jahrgang 2010 durch hohe Extraktwerte und schöne Säurestruktur auszeichnet und damit auch zwei bis drei Jahre länger als im Normalfall haltbar ist, wird von allen Winzern sehr positiv gewertet.
„Die aufwendige Arbeit im Keller hat sich gelohnt“, sagt etwa Oliver Schaugg vom Rebhof am Alten Torkel in Nonnenhorn. „Ein komplexer fruchtiger Seewein, der nach jedem Schluck animiert, noch einen zu trinken“, ergänzt Renate Meichle-Hiller. Gefragter Gesprächspartner war auch Ernst Haller, der aus seinem Buch „Seewein – Die Geschichte des Weinbaus in und um Friedrichshafen“ vortrug.
Trend zu mehr Restsüße
Dr. Jürgen Dietrich, Vorsitzender des Bodenseewinzer Vereins und Leiter des Staatsweinguts Meersburg im Gespräch.
Wie ist die wirtschaftliche Lage der Bodensee-Winzer?
Hier am Bodensee können wir nicht jammern. Die Hagel-Probleme des Jahrgangs 2009 haben uns zu schaffen gemacht – 2010 sieht es besser auf. Wir können frohgemut nach vorne schauen.
Welche Trends zeichnen sich ab?
In den vergangenen Jahren haben wir schon einen leichten Trend zu mehr Restsüße beobachtet. Das heißt aber nicht, dass süße Weine bevorzugt werden. Deutschlandweit steigt die Nachfrage nach Roséweinen und Weißherbst. Das kommt uns entgegen – vor allem im Spätburgunder.
Wie ist die Preisentwicklung bei den Bodenseeweinen?
Dass die Preise leicht steigend sind, hat zwei Ursachen: Zum einen wirkt der Hagel 2009 nach, zum anderen konnten wir 2010 nur 75 Prozent einer Normalernte einfahren. Mit zehn bis 15 Cent pro Flasche ist zu rechnen.
Fragen: Brigitte Geiselhart