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Das Kulturufer hatte schon Künstler zu Gast, denen es das Kulturbüro kaum recht machen konnte. Da wurden mehrgängige Menüs aufgefahren, und dann machte trotzdem irgendein Manager Rabatz, weil eine bestimmte Suppe nicht dabei war.

Zum Glück gibt es auch Künstler wie den Kabarettisten Frank Lüdecke, der am Freitag im großen Zelt mit seinem Programm „Verwilderung“ auftrat (Besprechung auf dieser Seite). Lüdecke ist ein Muster an Bescheidenheit. Alles was er an Verpflegung verlangt, ist ein Brötchen. Wenn's geht, ein bestrichenes. „Es gibt ja Veranstalter, die sich regelrecht überschlagen“, sagte er am Freitag während der Auftrittspause. „Die stellen acht verschiedene Brötchen hin, und dann komme ich und esse davon ein halbes.“ Die Moral von der Geschicht: Völlerei ist sein Ding nicht; ebenso wenig die Großmäuligkeit. Auf dem Weg zur zweiten Halbzeit meinte der Kabarettist lakonisch: „Mal sehen, wie groß das Publikum noch ist. Mehr als die Hälfte kommt ja regelmäßig wieder.“

Gut gelaunt und locker zeigte sich abseits der Bühne auch Konstantin Wecker: Nach dem Soundcheck im großen Zelt, an dem er am Samstag im Duett mit Hannes Wader auftrat (Besprechung auf Seite 22), ging er pfeifend und in kurzen Hosen übers Kulturufer. Er wirkte dabei so heimisch und formlos wie ein alteingesessener Camper auf dem Zeltplatz, unterwegs zum Waschraum; nur eben ohne Kulturbeutel. Nach dem Konzert ging Wecker dann mit demselben Pfeifen wieder von der Ufermeile.

Ein wenig getrieben wirkte demgegenüber zunächst der Pianist Shaun Choo bei seiner Ankunft in Friedrichshafen. Am Freitag gab er ein Konzert mit Werken von Chopin im kleinen Zelt (Besprechung auf Seite 22). Über Choos aufgeriebene Nerven brauchte man sich nicht zu wundern: Am Vorabend des Auftritts war er noch bei einem Chopin-Wettbewerb in Südfrankreich aufgetreten. Um 22 Uhr begann dort sein Beitrag, eine Stunde nach Mitternacht erhielt er die frohe Nachricht, dass er den ersten Preis gewonnen hatte, und zwei weitere Stunden später, nachts um drei Uhr, bestieg er den Zug nach Friedrichshafen. Am Tag nach seinem Kulturuferkonzert ging die Reise auch schon weiter: Shaun Choo nahm den Flug nach Warschau.

Noch einige Worte zur Straßenkunst: Es wimmelte am Wochenende nur so von Gauklern und Musikern, die man beim Kulturufer noch nie gesehen hat. Da ist etwa der lateinamerikanische Liedermacher „Arte al Paso“. Jedes Lied schmettert er zur Gitarre so herzergreifend und tiefgehend, als wäre es das letzte seines Lebens. Wer's aufs Kulturufer nicht schafft, findet auf Youtube ein paar sehenswerte Livevideos.

Klasse auch der junge Brasilianer, der in der Musikmuschel mit seinen Glaskugeln tanzte – so poetisch, akrobatisch und konzentriert, als wäre er mit ihnen verschmolzen. Oder das Duo „Unfolkkommen“ aus Dresden mit seinen drolligen Liedern, irgendwo zwischen Folklore und reiner Comedy. Die beiden haben die gute Laune mit Löffeln gefressen. Jedem der ihnen zuhört, steht nach zehn Sekunden das Grinsen im Gesicht.

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