Er besitzt Mietwohnungen im Norden. Dazu eine Wochenendhütte und ein Häuschen am Lago Maggiore, Autos der Luxusklasse und einen Acker mit Scheune. Aber die Gier nach dem schnellen Geld war wohl noch größer. Denn seit heute steht der 46-jährige frühere Möbel- und Weinhändler, zuletzt wohnhaft in Friedrichshafen, wegen Mitgliedschaft in einer dreiköpfigen Bande von Drogenhändlern vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Ravensburg. Im Falle einer Verurteilung drohen den Männern langjährige Haftstrafen.
Staatsanwältin Cornelia Uhr listete insgesamt 24 Fälle zwischen Januar 2008 und November 2011 auf: In dieser Zeit soll die dreiköpfige Bande Konsumenten in der Region zwischen Ulm und Bodensee mit Marihuana und Haschisch in großen Mengen beliefert haben. Dabei soll ein Gewinn von mehr als 500 000 Euro erzielt worden sein. Und es war eine „arbeitsteilige“ Organisation des Geschäfts: Lieferant der Drogen war ein 56-jähriger Holländer, gebürtig in Surabaya auf der Insel Java, der seinen kargen Verdienst als Erzieher von psychisch behinderten Menschen in Holland dadurch aufbesserte, dass er den Bekannten im Bodenseekreis („ich hatte Vertrauen zu ihm gefasst“) mit Haschisch und Marihuana versorgte: „Wir haben das Geschäft klein angefangen“. In den vergangenen drei bis vier Jahren aber wurden jedoch alle zwei Monate acht bis zehn Kilogramm Drogen nach Deutschland transportiert. Nach der telefonischen Bestellung wurden eine Übergabezeit und der Treffpunkt vereinbart. Dann kam „der rasende Holländer“ mit einem schnellen Motorrad oder bei schlechtem Wetter mit dem Auto zur „flotten“ Übergabe.
Bis zu 50 000 Euro gegen Drogenpäckchen, in Plastik eingeschweißt. Und natürlich will der ansonsten sehr auskunftsfreudige Holländer zu seinem Hintermann keine Angaben machen.
Im Sommer 2010 kam dann der dritte Mann aus dem Landkreis Ravensburg ins Geschäft. „Ab jetzt treffen Sie den Herrn B.“ hieß es lapidar vom Nebenerwerbs- Weinhändler am Bodensee. Bei der späteren Übergaben der Drogenpakete an unterschiedlichen Plätzen waren Polizei-Ermittler aber indirekt bereits dabei: Über das satellitengestützte GPS konnten die Drogenfahnder die „Handelswege“ verfolgen. Und in der Nähe der Wochenendhütte lieferte eine Kamera belastendes Bildmaterial. Ins Rollen hatte die Ermittlungen ein verurteilter Drogendealer gebracht, der mit der Hoffnung auf Hafterleichterung „auspackte“.
Der Rest war Routine für ein Sondereinsatzkommando: Am 16. November 2011 wurden „Herr B.“ und der Holländer auf dem Parkplatz einer Rehaklinik festgenommen. In der Mulde des Reserverads fanden die Polizisten 14 Kilogramm Haschisch und Marihuana, Geldbündel mit insgesamt 50 500 Euro, säuberlich in Plastik eingepackt. Den Mann aus dem Bodenseekreis verhaftete die Polizei elf Tage später. Ende August soll ein Urteil gesprochen werden. (wr)
