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Friedrichshafen Visionäres im Zeppelin-Museum: Gehört dem Luftschiff die Zukunft?

Darüber diskutierten die Besucher des World Communication Forum (WCF) am Montag. Bevor es zur Hauptveranstaltung nach Davos weitergeht, trafen sich Vertreter aus Industrie, Wirtschaft und den Medien im Friedrichshafener Zeppelin-Museum, um sich mit der Kommunikation von Wissenschaft und der Zukunft der Luftfahrt zu befassen.

Beim wöchentlichen Einkauf mit der Drohne mal kurz einen Parkplatz in der Stadt suchen? Klingt wie Zukunftsmusik, ist aber vielleicht schon bald Realität, wie bei einer Veranstaltung des World Communication Forum (WCF) am Montag im Zeppelin-Museum klar geworden ist. Das WCF mit Sitz in Davos beschäftigt sich mit Themen der Wissenschaftskommunikation und verbrachte einen Tag in Friedrichshafen, um sich mit der Zukunft der Luft- und Raumfahrt zu beschäftigen. „Die Kommunikation von Wissenschaft ist heute viel schwerer, weil wir uns nicht in einer Gesellschaft des Interesses befinden, sondern in einer der Aufmerksamkeit. Das heißt, wir müssen das Ganze in eine gute Geschichte verpacken und die Wissenschaft attraktiv präsentieren“, erklärte Kommunikationsfachmann Guntram Kaiser.
 

Es fehlt an Investoren

Rund dreißig Teilnehmer aus Industrie, Wirtschaft und Medien lauschten im Anschluss den Ausführungen von Bernd-Helmut Kröplin von der Tao-Group für neue Antriebstechnologien und Thomas Brandt, Geschäftsführer der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH. „Was verhindert, dass die Zeppelin-Marke wieder ihre einstige Stärke erreicht?“, fragte Elena Brandt vom Moskauer Institut für Physik und Technologie, die die Veranstaltung moderierte. „Vor allem das Geld. Es würde rund 200 bis 300 Millionen Euro kosten, ein neues Luftschiff, ähnlich wie die Hindenburg, zu bauen. Und bis jetzt wollte niemand so viel Geld investieren“, sagte Zeppelin-Geschäftsführer Brandt. Besonders interessant sei die Frage, warum gerade das Luftschiff nach der Hindenburg-Katastrophe im Jahre 1937 auch medial einen Absturz erlebte: „Wir fliegen auch noch mit Flugzeugen, obwohl es auch dort große Katastrophen gab“, sagte Elena Brandt und ergänzte: „Es geht hier wohl nicht um Fakten, sondern um bestimmte Wirksamkeiten.“

„Der Markt ist nicht einfach, dennoch gibt es viel Aktivität. Google arbeitet an einem Ballon und die Vereinigten Staaten arbeiteten bis zu ihrem Rückzug aus Afghanistan an dem LEMV-Projekt, welches Luftschiffe zum Gütertransport vorsah. Darin haben sie schon rund 600 Millionen Dollar investiert und das Projekt wird jetzt in Kanada weitergeführt. Auch in Großbritannien arbeitet man an einer Nutzung“, beschrieb Thomas Brandt die Aktivitäten im Sektor der Luftschiffe.

Thomas Brandt (links) und Bernd-Helmut Kröplin sprechen im Zeppelin-Museum über die Zukunft der Luftschiffe.
Thomas Brandt (links) und Bernd-Helmut Kröplin sprechen im Zeppelin-Museum über die Zukunft der Luftschiffe. | Bild: GUy Simon

Für Bernd-Helmut Kröplin hat das Luftschiff eine große Zukunft vor sich: „Lediglich die Investoren fehlen noch“, sagte er. Als Beispiel zeigte er die mögliche Nutzung eines Luftschiffes: „Anstatt der Telekommunikationsmasten auf der Erde könnte man ein Luftschiff über einer Stadt positionieren und damit diese Funktion übernehmen.“ Auch für Freizeitaktivitäten könne das Luftschiff herangezogen werden. So habe der Astronaut David Scott einen Zeppelinflug mit den Worten beschrieben: „Nur der Spaziergang auf dem Mond war schöner.“

Dass Luftschiffe ein Konzept mit Zukunftspotenzial sind, dessen war sich auch die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer sicher: „In Nordamerika gibt es Debatten über die Nutzung von Parks. Viele nutzen diese Flächen, um Ruhe zu finden, andere fliegen mit dem Hubschrauber darüber hinweg, Mit einem Luftschiff wäre das Problem ökologisch zu lösen“, bemerkte ein Zuhörer. Ein anderer zeigte sich inspiriert durch den vorherigen Museumsrundgang: „So etwas in dem Maßstab wieder zu erleben, das wäre toll.“ Einen Markt gibt es, der Rest ist jedoch „eine Frage des Geldes“, hielt Thomas Brandt abschließend fest.

 

Der Himmelsdrache als Konzept der Zukunft

Skydragon – Himmelsdrache: So bezeichnet Bernd-Helmut Kröplin das Luftschiff der Zukunft. Der Geschäftsführer der Trans-Atmospheric Operations GmbH (Stuttgart) bescheinigt den Luftschiffen ein starkes Potenzial, bald wieder einen dominanten Platz in der Welt der Luftfahrt zu erhalten: „Luftschiffe waren schon immer Pioniere. Der Zeppelin war das erste navigierbare Fluggerät, erst im Anschluss kamen die Gebrüder Wright. Es war ein Zeppelin, der zuerst den Atlantik überquerte, dann tat es Charles Lindbergh.“

Für eine zukünftige Nutzung von Luftschiffen hat Kröplin auch schon konkrete Pläne: „Anstatt auf der Erde Telekommunikationsmasten zu bauen, könnte man das über ein Luftschiff regeln.“ Dazu, so erklärte er bei der Auftaktveranstaltung des World Communication Forum (WCF) im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen, bräuchte man lediglich ein Fluggerät, welches in 20 Kilometern Höhe, der so genannten Stratosphäre, eine feste Position beziehe. „Mit Sonnenlicht betrieben, könnte das Luftschiff drei bis vier Monate dort oben bleiben und Aufgaben der Telekommunikation übernehmen. In der Stratosphäre ist es nahezu windstill“, erläuterte Kröplin. Um in solche Höhen zu gelangen, sei jedoch eine andere Art Luftschiff notwendig: „Das funktioniert über ein System von mehreren Kammern, in denen das Helium sich in der Höhe schließlich ausbreiten kann“, erklärt der TAO-Geschäftsführer. Etwa sieben Prozent der Gesamtmasse mache das Helium oder Ethan aus, damit eine Ausdehnung der Gase in der Stratosphäre gelingen könne. Verlagert wurden auch die üblichen Stabilisatoren der klassischen Luftschiffe. Der so genannte Skydragon, der sich wie eine Schlange über den Himmel bewegt, existiert jedoch vorerst nur als Prototyp: „Wir müssen Investoren finden, dann können wir das machen“, ergänzt Kröplin und ist sich sicher: „Wir sind dabei nach Dingen zu schauen, die die Welt in Zukunft brauchen wird. Mit dem Luftschiff lässt sich da viel machen. Das Geschäft kommt dabei an zweiter Stelle. Wenn es gut ist, was wir erschaffen, dann kommt das Geschäft von ganz alleine.“ (guy)

Forum für Kommunikation

Das World Communication Forum (WCF) ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung in Davos, die sich mit Kommunikation beschäftigt. Vertreter aus Industrie, Wirtschaft und Medien diskutieren dort über die Zukunft der Entwicklung von Kommunikation und deren Rolle in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Ziel ist es, Form und Inhalt der Interaktion zwischen Geschäftswelt, Medien, Gesellschaft und dem Staat zu analysieren. Vergangenes Jahr gab es für das WCF eine Auftaktveranstaltung bei der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) in der Schweiz. Dieses Jahr haben sich die Organisatoren entschieden, den Auftakt im Friedrichshafener Zeppelin-Museum zu veranstalten. „Ich habe mich im Museum umgesehen und sofort festgestellt, dass es der richtige Platz für unsere Veranstaltung ist“, sagte Guntram Kaiser, Kommunikationsfachmann und Mitglied des WCF-Komitees. Er ergänzte: „Friedrichshafen ist einer der innovativsten Standorte in Baden-Württemberg.“ Die Moderatorin Elena Brandt betonte, wie sehr gerade Zeppelin zur Veranstaltung passe: „Es ist nicht nur eine Geschichte der Technologie, sondern auch eine der Medien.“ (guy)

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