Rund 40 Feuerwehrleute und Angehörige verschiedener Hilfs- und Rettungsdienste trafen sich am Samstag zur Stabsübung „Sommerwind 2009“ des Kreisfeuerwehrverbands. Simuliert wurde ein Zugunglück mit drohender Explosion, bei dem virtuell 800 Einsatzkräfte koordiniert wurden.
Friedrichshafen – Morgens um 7.30 Uhr ging am Samstag der Alarm bei den Mitgliedern des Führungsstabs des Kreisfeuerwehrverbands ein. Angenommen wurde ein Zugunglück in der Nähe des Friedrichshafener Stadtbahnhofs, bei dem wegen falscher Weichenstellung ein abgestellter Güterzug mit einem Regionalexpress kollidierte. Aus zwei umgestürzten Güterwaggons liefen 50 000 Liter Benzin aus und es drohte akute Explosionsgefahr.
Ab 8 Uhr trafen die Stabsmitglieder aus dem ganzen Bodenseekreis in der Feuerwache am Flughafen zur Stabsübung mit dem poetischen Namen „Sommerwind 2009“ ein. Ruhig und konzentriert wurde das in Kisten verpackte Stabsmaterial verteilt, die EDV installiert und Karten aufgehängt. Der Leiter des Führungsstabs, Michael Fischer, gab einen ersten Überblick über die Katastrophe. „Ziel der Übung ist es, aufzudecken, an welchen Schnittstellen es hakt und den Stab entsprechend zu optimieren.“ Zu den rund 40 Stabsmitgliedern gehörten auch Vertreter von DRK, DLRG, Technischem Hilfswerk, Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr und Notfallseelsorge, ein Fachberater Chemie sowie ein Notfallmanager der Deutschen Bahn AG.
Eine Meldung nach der anderen lief über den im Hof geparkten Einsatzleitwagen ein. Sie kamen aus einem Büro der Feuerwache, von wo aus das Katastrophen-Szenario virtuell, ohne tatsächliche Fahrzeugbewegungen, inszeniert wurde. Dabei wurde das Zugunglück, zu dem Feuerwehren aus dem ganzen Bodenseekreis gerufen wurden, nicht isoliert betrachtet. Vielmehr kamen die „normalen“ Vorfälle wie zum Beispiel ein Wohnungsbrand, ein schwerer Verkehrsunfall und ein Unwetter in Überlingen hinzu, die zusätzliche Einsatzkräfte forderten. Rund 800 Helfer wurden an den verschiedenen Orten eingesetzt und koordiniert. Gebäude wurden „virtuell“ geräumt, wovon 1500 Menschen betroffen waren.
„Die ganze Übung lebt sowohl von der Erfahrung jedes einzelnen als auch von der Fantasie“, sagte Kreisbrandmeister Henning Nöh bei der Lagebesprechung sechs Stunden später. Nach einer relativ langen Chaosphase sei die Übung ganz gut gelaufen, stellte Michael Fischer bei einer ersten Einschätzung fest. Ein Übungsziel wurde nicht erreicht, nämlich ein Schichtwechsel innerhalb der einzelnen Sachgebiete. „Durch die vielen Nebenkriegsschauplätze war das in der kurzen Zeit nicht möglich.“ Herauskristallisiert habe sich bei der Übung, wie wichtig die Kommunikation zwischen den Sachgebieten und den verschiedenen Hilfsdiensten sei.