Friedrichshafen27.11.2008
.
Stiftung kritisch aufgearbeitet [0]
Einige der Autoren und ihr Werk „Zeppelin 1908 bis 2008“ bei der gestrigen Vorstellung im Graf-Zeppelin-Haus (von links): Barbara Waibel, Roman Köster, Andrea Schneider, Christa Tholander, Hartmut Semmler, Jürgen Oellers und Christian Kleinschmidt. Das Buch ist ab sofort erhältlich.
Es war ein enormer Kraftaufwand und eine große Koordinationsleistung, das ist allen Beteiligten anzumerken, die gestern bei der Vorstellung des Buches „Zeppelin 1908 bis 2008 – Stiftung und Unternehmen“ im Graf-Zeppelin-Haus anwesend waren. Drei Jahre lang wurde an dem 360 Seiten starken, zwölf Aufsätze umfassenden Werk gearbeitet – von Autoren vor Ort wie Jürgen Oellers, Barbara Waibel, Christa Tholander und Hartmut Semmler, aber auch von auswärtigen Historikern. Entstanden ist so eine Geschichte der Zeppelin-Stiftung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart, die kritischen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sie fasst die Stiftung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: regionale, nationale, aber auch internationale Blickwinkel ergänzen sich zu einem Kaleidoskop von Nah- und Fernsichten, wodurch dem fertigen Buch ein Vorwurf sicherlich nicht gemacht werden wird: denjenigen, die Stiftung einseitig abgehandelt, größere Zusammenhänge vernachlässigt zu haben. Erschienen ist das Buch beim Piper-Verlag, und da sich diese Adresse an das große Publikum richtet, ist das Buch vom Anfangsverdacht befreit, dass es sich hier um ein nur schwer lesbares Fachbuch handeln müsse, das dem „normal Sterblichen“ wenig sagt. „Es ist ein Fachbuch, aber es ist kein Fachchinesisch und für wirklich jedermann verständlich“, sagt Andrea Schneider von der Frankfurter Gesellschaft für Unternehmensgeschichte, die gemeinsam mit dem Zeppelin-Museum das Autorenteam zusammenstellte. Für Schneider und ihr Haus war die Auseinandersetzung mit der Zeppelin-Stiftung eine neue Erfahrung, ist man doch an die einigermaßen kompakte Organisation von Unternehmen gewohnt – im Falle der Stiftung hingegen machte sie die Erfahrung einer überraschenden Vielzahl von beteiligten Akteuren und Unternehmen, und damit mit sehr vielen Gesprächspartnern, was die Arbeit an einem in sich geschlossenen Buch über die Stiftung nicht gerade leichter machte. Relativ lange Zeit stand die Stiftung in dem Ruch, eine nicht ganz transparente Angelegenheit zu sein. „Man hat die Stiftung aus dem städtischen Haushalt herausgenommen und die beiden Haushalte möglichst nicht nebeneinander auf den Tisch gelegt, um mit dem legitimen Vermögen der Stiftung nicht irgendwelche Begehrlichkeiten zu wecken“, sagt Hartmut Semmler – heute aber sei die Stiftung eine offene Angelegenheit. „Auch dieses Buch ist ein Zeichen, dass man Transparenz walten lassen will“, stimmt Jürgen Oellers zu, bei dem die „Stabsleitung“ des Projekts in Friedrichshafen zusammenlief. Nicht zu kurz kommt die Geschichte der Stiftung im Dritten Reich, womit sich Barbara Waibel und Christa Tholander auseinandersetzten. Waibel nahm den Zeppelin-Konzern in der Prägung von Hugo Eckener unter die Lupe, Tholander die Zeppelin-Stiftung und ihre Unternehmen in der Kriegswirtschaft. Christa Tholander promovierte vor acht Jahren über das Schicksal der Zwangsarbeiter in Friedrichshafen zur Zeit des Dritten Reichs. Damals stieß sie auf große Vorbehalte: „An Unterlagen wie Bilanzen wäre ich bei den Unternehmen damals nie gekommen“, sagt sie – heute dagegen schon. „Es macht gar keinen guten Eindruck mehr, die Ära des Nationalsozialismus auszulassen“, sagt Barbara Waibel über diesen erarbeiteten Klimawandel. Eine Herkulestat hat Hartmut Semmler vollbracht: Er hat die Geschichte der Zeppelin-Stiftung nach dem Zweiten Weltkrieg auf wenig mehr als 40 Seiten zusammengefasst. Eigentlich hätten zwei Aufsätze daraus werden sollen, doch dazu hat die Zeit nicht mehr gereicht. Sein Aufsatz liefert einen Überblick über die Wirkungsfelder der Stiftung unter städtischer Obhut – nicht erschöpfend, aber als fundierter Ausgangspunkt für weitergehende Forschungen. Harald Ruppert Weitere Artikel zu: Kultur, |










Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.