Friedrichshafen Stefan Blank liest im Häfler „Studio 17“ aus seinem Buch „Same Same – Notizen aus der Khao San Road“
05.02.2009
„War schon jemand in der Khao San Road?“ Etliche Finger gehen nach oben. „Und, war's einigermaßen realistisch?“ Wohlwollendes Kopfnicken im Kinosaal des Studio 17. Jetzt huscht ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht von Stefan Blank. Entspannt war es auch schon während der vergangenen guten Stunde. Im durchgängig flotten, unbeschwerten, zu seinem Schreibstil passenden Rhythmus aus seinem Buch „Same Same – Notizen aus der Khao San Road“ vorzutragen und damit das Interesse des Zuhörers zu wecken, mehr über jene 400 Meter lange Straße zu erfahren, die für Rucksack-Reisende, Globetrotter, Hippies und deren Enkel die gleiche Faszination ausübt wie Arenal für Neckermänner und -frauen – das ist Stefan Blank glänzend gelungen.
„Same Same – but different.“ Schon das originale T-Shirt, das der Autor trägt, lässt noch vor der ersten gesprochenen Silbe aufhorchen und die Phantasie gedankliche Sprünge machen. Die Technik spielt einen Streich. Das Mikro funktioniert nicht. „Dann improvisieren wir halt“, sagt Blank gelassen. „Das passt gut zur Khao San Road.“
„'No money, no honey' – schreit Tim in mein Ohr und demoliert mir mit der Faust die Schulter. ‚Hi Tim, Wie geht's dir, du alte Biermütze?' Die Antwort kommt schnell, aber ich bin vorbereitet: ‚Same same …' – 'but different', beende ich den Satz. Ein Spruch, den ich schon nach einem Tag nicht mehr hören kann. Schlagartig bin ich zurück in der Bangkoker Wirklichkeit. Und wo ist sie wirklicher als in der Khao San Road, mittendrin und live dabei.“ Spritzig, unterhaltsam, immer ein wenig ironisch und mit dem nötigen innerlich spitzbübischen Grinsen ausgestattet, bringt Stefan Blank den ebenfalls amüsierten Zuhörern nicht nur die Khao San Road nahe, sondern auch die Menschen, die dort ankommen und trotz oder gerade wegen der unzähligen Kneipen, Restaurants, Straßenhändlern und den mehr oder weniger versifften Guest-Houses nicht mehr davon wegkommen.
Dass er von Leo di Caprio genervt ist, das nimmt man dem Journalisten Meier, der Kommerz aufdecken will und doch der Faszination des Ortes erliegt, gerne ab. 400 mystische Meter sind viel, aber eben doch nicht alles. „Also jetzt sitzen, um 4.32 Uhr, im Schneidersitz oder halbem Lotus, je nach persönlicher Biegefähigkeit, und die Viertelstunde Lehrrede geht locker aus der Hüfte. Der Rücken ist gerade, die Muskeln gestählt, die Augen werden dank Buddhas Lehre klar, der Tag kann kommen.“ Dennoch – jeder Ausflug, sei es zum Shoppen, Thai-Boxen oder eben zur buddhistischen Meditation, führt letztlich immer wieder zum Ausgangspunkt zurück.
Übrigens: „Das Thai-Essen ist ganz bestimmt das Beste der Welt – abgesehen vom indischen.“ Wie auch immer: Ob die schmackhafte Lesung Stefan Blank Appetit gemacht hat, die Khao San Road zu besuchen, hängt sicherlich davon ab, ob man sich als Reisender der Kategorie „Traveler“ oder „Tourist“ zugehörig fühlt. Die Lust, in den 120 Seiten seines Buches zu schmökern, ist nach dieser Lesung allemal geweckt.
Brigitte Geiselhart
