Friedrichshafen Spanner auf Seehasenfest: Ermittler überprüfen von Parlamentarier behaupteten Diplomatenstatus

Ein 56 Jahre alter Abgeordneter aus Osteuropa hat am Sonntag gegen 18.30 Uhr auf dem Seehasenfest in Friedrichshafen einer 26-Jährigen von hinten ein Handy unter ihren Rock gehalten. Strafrechtliche Konsequenzen werden derzeit überprüft. Hierfür muss geklärt werden, ob der Beschuldigte tatsächlich diplomatische Immunität beanspruchen kann, wie er am Sonntagabend behauptet hat.

Eine 26-jährige Seehasenfestbesucherin bemerkte am Sonntagabend, wie ihr ein Handy unter den Rock gehalten wurde. Laut Auskunft der Polizei verfolgte die 26-Jährige mit ihrem Freund den Verdächtigen. In einem Café an der Uferstraße wurde der 56-jährige Mann gestellt und die Polizei hinzugerufen. Einen direkten Körperkontakt wie beispielsweise grapschen oder anfassen hat es laut Ermittlungsstand der Polizei nicht gegeben.

Die Polizisten sicherten mehrere Video-Clips und Bilder vom Handy des Mannes, seine Personalien wurden aufgenommen. Auf den Tatvorwurf angesprochen, behauptete der 56-Jährige, er sei Diplomat und genieße Immunität. "Zu jenem Zeitpunkt wurde diese Behauptung als glaubhaft eingestuft", erklärt Polizeisprecher Fritz Bezikofer. Nach Rücksprache mit dem Bereitschaftsstaatsanwalt verzichteten die Polizisten zunächst auf weitere strafprozessuale Maßnahmen.

Unklarheiten rund um den Parlamentarier

Inzwischen haben Recherchen der Polizei ergeben, dass der tatverdächtige 56-jährige Parlamentarier eines baltischen Staates ist. "Stand jetzt liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor, dass der Mann Diplomatenstatus hat, er konnte keinen Diplomatenpass vorweisen", erklärt Wolfgang Angster, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ravensburg am Dienstag im Telefonat mit dem SÜDKURIER. Allein Parlamentarier zu sein, begründe noch keinen Immunitätsstatus. Zu klassischen Diplomaten zählen laut Angster beispielsweise Botschafter oder Konsulatsangehörige, die im Auftrag ihres Staates in Deutschland tätig sind.

Wolfgang Angster bezeichnet die juristische Bewertung des Falles nach derzeitigem Erkenntnisstand als schwierig. "Es liegt keine schwere Straftat vor, es hat keinen Körperkontakt wie etwa grapschen oder anfassen gegeben." Somit könne nicht von sexueller Belästigung ausgegangen werden. Auf jeden Fall liege eine Ordnungswidrigkeit wegen Belästigung in der Öffentlichkeit vor. Und es komme der Tatbestand der Beleidigung in Betracht.

Laut Polizeisprecher Fritz Bezikofer wird derzeit ermittelt, ob der Tatverdächtige tatsächlich mit diplomatischem Auftrag in Deutschland war.

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