Friedrichshafen Spanische Hunde illegal eingeschleust
01.03.2010
Bild: Bild: Cuko
"Lotte" heißt eigentliche "Lisa". Den fünf Monate alten Welpen holte Familie Rothärmel aus Baindt am 10. Juli 2009 aus dem Tierheim Friedrichshafen ab – für eine Schutzgebühr von 350 Euro. Ganz bewusst sollte einem Hund aus dem Tierheim ein Zuhause gegeben werden. „Lisa“ und ihre Hundeschwester seien vier Wochen vorher in die Fundbox des Tierheims gelegt worden, hatte es geheißen.
Heute wissen die Rothärmels, dass „Lisa“ am 1. Februar 2009 im spanischen Valencia geboren wurde und der Heimtier-Ausweis gefälscht ist. Das Originalpapier hatte die Polizei bei einer Durchsuchung im Spätsommer 2009 im Tierheim gefunden. „Die Polizei teilte uns das mit und riet uns zu einer Blutuntersuchung wegen Leishmaniose“, erzählt Ivonne Rothärmel. Diese Infektionskrankheit kommt bei spanischen Hunden oft vor und überträgt sich auch auf Menschen.
Diese Krankheit hatte der Welpe nicht, dafür aber Giardien. „Nach fünf Wochen Dauer-Durchfall sind wir zum Tierarzt“, sagt Ivonne Rothärmel. Die Rechnung von 165 Euro stellte sie dem Tierheim in Rechnung und „das hat anstandslos bezahlt“. „Lotte“ wolle sie nicht mehr hergeben. „Aber wir hätten nie einen Hund aus Spanien genommen. Es gibt doch hier genügend Hunde, die eine Familie brauchen“, schimpft Ivonne Rothärmel. Sie fühlt sich an der „Nase herumgeführt“.
Wie viele Hunde aus Spanien und anderen Ländern ins Tierheim eingeschleust und weitergegeben wurden, wird von der Polizei erhoben. Die ermittelt nach Auskunft von Martin Hussels von der Staatsanwaltschaft Ravensburg schon seit März 2009 unter anderem wegen Urkundenfälschung gegen derzeit zwei Personen. Nach SÜDKURIER-Recherchen hatte die frühere stellvertretende Tierheimleiterin, Katja T., mindestens ab 2006 damit begonnen, Hunde vor allem aus Spanien zu holen.
Karsten Sinz (Name geändert) war an einem Sonntag im Juli 2006 Fahrer eines solchen Transports. „Wir haben zehn bis zwölf Hunde auf einem Rasthof bei Bad Krotzingen abgeholt“, berichtet er. Stutzig sei er erst geworden, als Katja T. nach einer Autopanne immer nervöser wurde und darauf drängte, man müsse wieder im Tierheim sein, bevor der Chef die Pferde versorge. „Da wurde mir klar, dass er nicht informiert war.“ Einer dieser Hunde, die aus dem spanischen Denia stammten, war „Frieda“. Etwa eine Woche später wurde sie als Fundhund mit folgender Geschichte im Internet angeboten: „'Frieda' wurde fix und fertig in Schussenreute aufgegriffen. Sie wäre kurz darauf sicher zusammengebrochen…“ Der Hund wurde vermittelt, starb aber wenig später.
Wie viele spanische Hunde mit falschen Papieren weitergegeben wurden, wird schwer zu rekonstruieren sein. Damit kämpfen heute die Mitglieder des Vorstandes des Tierschutzvereins, der Träger des Tierheims ist. Nach der Hausdurchsuchung durch die Polizei wurde Katja T. fristlos gekündigt. „Wir wussten nichts davon“, sagt die Vereinsvorsitzende, Myriam Zanker, in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ihre Stellvertreterin, Anne Juhre, spricht von einem „absoluten Vertrauensbruch“. Beide fürchten, dass der Ruf des Tierheims beschädigt wird. Dabei gebe es eine klare Haltung: „Wir sind für die Vor-Ort-Hilfe und lehnen die Einfuhr von Tieren ab“, sagt Zanker. „Wir sind selbst Geschädigte.“

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