Friedrichshafen Segler verlieren ihr Vereinsdomizil: Idee eines Wassersportzentrums

Die Überplanung des Hinteren Hafens in Friedrichshafen trifft die Wassersportvereine SMCF und ESV. Sie haben bei der Stadt die Idee eines Wassersportzentrums eingebracht.

Egal, wie künftige Pläne für den Hinteren Hafen aussehen: Für den Segel- und Motorsportverein Friedrichshafen (SMCF) und den ESV Friedrichshafen Segeln sind sie wohl mit dem Verlust ihrer Vereinsheimstatt verbunden. „Wir sind essenziell von den Plänen der Stadt betroffen, den Hinteren Hafen zu überplanen“, erklärt SMCF-Vereinschef Carlo Bevoli. Auch wenn der Mietvertrag mit der Bodensee-Hafen-Gesellschaft – eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz, die das BSB-Gelände besitzt und vermarktet – 2015 um fünf weitere Jahre verlängert wurde, kann der Vertrag bei Bedarf vorzeitig aufgelöst werden, erklärt der Präsident des Vereins, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert. „Wir machen uns große Sorgen um unser Clubgelände und die Zukunft“, bekennt Carlo Bevoli.

Ursache dafür sind zwei Vorhaben. Erstens hat die Stadt den Hinteren Hafen zum Sanierungsgebiet erklärt. Das Areal in 1a-Lage soll ein neues Gesicht bekommen. Dafür gibt es Zuschüsse von Bund und Land aus der Städtebauförderung. Zweitens wollen die Stadtwerke Konstanz mit ihrer Tochtergesellschaft Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) die Werft am Hinteren Hafen nicht nur dauerhaft an diesem Standort betreiben, sondern haben schon Pläne für eine neue Werfthalle in der Schublade (der SÜDKURIER berichtete). Um diesen Neubau zu finanzieren, der 23 Millionen Euro kosten soll, wollen die Stadtwerke zwei Flächen am Hinteren Hafen verkaufen – darunter das komplette Vereinsareal von SMCF und ESV.

Wann das alles spruchreif wird, kann heute keiner sagen. Denn frei verkaufen können die Stadtwerke die Flächen nicht mehr, wenn das Areal als Sanierungsgebiet per Satzung offiziell ausgewiesen ist. Die Stadt Friedrichshafen hat dann ein gesetzlich verbrieftes Vorkaufsrecht. „Die Möglichkeiten zur Entwicklung der nicht betriebsnotwendigen Fläche sowie der für den Werftneubau erforderlichen Erlöse sind dadurch natürlich eingeschränkt“, erklärt Josef Siebler, Sprecher der Stadtwerke, auf Nachfrage. Will heißen: So lange Stadt und Stadtwerke Konstanz auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, macht es wenig Sinn, Pläne für den Hinteren Hafen zu entwickeln. Die „regelmäßigen und guten Gespräche“, so Siebler, die seit 2014 mit der Stadt geführt werden, würden fortgesetzt.

Diese Ungewissheit macht dem SMCF-Präsidenten allerdings zu schaffen, auch wenn etwaige Veränderungen wohl erst in ein paar Jahren anstehen dürften. Die Verantwortlichen bei der BSB und im Rathaus hätten ein offenes Ohr für die Belange der Vereine am Hinteren Hafen signalisiert, aber das sei alles unverbindlich. „Wir hätten gern Klarheit“, sagt Carlo Bevoli. So müsste die „Schussen“, die nicht nur das Vereinsheim, sondern ein Wahrzeichen der Stadt am Hinteren Hafen sei, dringend renoviert werden. Er wüsste schon gern, ob sich die Investition von einigen Tausend Euro lohnt. Wenn der Verein in fünf Jahren samt „Schussen“ das Feld räumen müsste, könne er das den Mitgliedern schwerlich vermitteln.

Den Vereinschef treibt aber noch eine andere Sorge um: Was wird überhaupt mit dem Wassersport am Hinteren Hafen? Die BSB wollen den Sportboothafen wohl weiterbetreiben, so Bevoli, wofür man auch Anlagen an Land brauche. Doch es stehe zu befürchten, dass bei einer Vergabe des Geländes an einen Investor der „kleine“ Wassersportler am Ende in die Röhre schaue. „Wir sehen die große Gefahr, zwischen den Interessen der BSB, der Stadt und einem möglichen Investor zermahlen zu werden“, erklärt der SMCF-Chef. Sein Verein setze sich deshalb für den Bau eines Wassersportzentrums ein, das die Stadt am Hinteren Hafen ja als Planungsvorgabe formulieren könne. Diese Idee habe man bei einem Gespräch mit Oberbürgermeister Andreas Brand bereits platziert.

Auch das Gelände des Rudervereins (RVF) hat die Stadt in das Sanierungsgebiet einbezogen und damit Interesse signalisiert, das Seegrundstück mit zu überplanen. Doch hier ist die Ausgangslage anders: Dem RVF gehört das Vereinsgelände. Was genau die Stadt hier vorhat, wisse er nicht, dafür sei es wohl auch noch zu früh, sagt der Vereinsvorsitzende Manuel Strauch. „Bisher hat es mit uns keine Gespräche gegeben.“ Diese stehen nun an. Wenn es konkrete Vorschläge gebe, werde man das diskutieren. Der 105 Jahre alte Verein hat rund 500 Mitglieder, die laut Strauch am Ende auch das Sagen haben werden. „Bei uns entscheiden nicht die Vorstände, sondern die Mitglieder.“

Satzungsbeschluss im April oder Mai

Die Überlegungen zur Neugestaltung des Hinteren Hafens sind noch ganz am Anfang. Wie ist der Stand der Dinge?

  • Welche Schritte stehen als nächstes an? Nach Auskunft der Stadtverwaltung soll der Gemeinderat nun die Sanierungssatzung beschließen. Das steht für die Ratssitzung im April oder Mai auf der Agenda.
  • Welche konkreten planerischen Ziele sollen im Sanierungsgebiet verfolgt werden? Die grundsätzliche Entscheidung soll der Gemeinderat mit der Sanierungssatzung treffen, wobei dieser Beschluss "noch keine vertiefende Detailschärfe haben wird", sagt Baubürgermeister Stefan Köhler. Definiert würden zunächst übergeordnete Ziele. Bei der weiteren Ausarbeitung sei natürlich auch eine erweiterte Bürgerbeteiligung vorgesehen.
  • Hat die Stadt vor, einen Investorenwettbewerb auszuschreiben? "Es ist vorgesehen, zukünftige Nutzungen über Wettbewerbsverfahren zu entwickeln", sagt Stefan Köhler, gegebenenfalls auch in verschiedenen Teilbereichen. Welche Formen dabei zur Anwendung kommen, ob man Investoren- oder städtebauliche Wettbewerbe durchführt, stehe noch nicht fest.
  • Soll das ein konkretes Thema imISEK-Prozess werden? Die spezifische Entwicklung des Sanierungsgebietes sei kein spezielles ISEK-Thema, sagt der Baubürgermeister. Möglicherweise ergebe sich ein Maßnahmenkonzept aber aus den Ergebnissen der ISEK-Beteiligung und der in diesem Zusammenhang zu führenden Zieldiskussion. (kck)

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