Friedrichshafen – 2010 begeht die ihren 50. Geburtstag.
Doch ausgerechnet im viel gefeierten Jubiläumsjahr gilt es von einer lieb gewonnenen Tradition Abschied zu nehmen. Mit dem Auszug der zuletzt verbliebenen drei Schwestern aus dem Schulgebäude, das seit jeher auch als Wohnung für seinerzeit bis zu 24 Ordensfrauen diente, ist für die katholische Schule unter der Trägerschaft der Franziskanerinnen aus Sießen eine neue Zeit angebrochen – ein Umstand, der nicht zuletzt auch von vielen Anwohnern bedauert wird. „Nicht mehr so präsent in der Schule sein zu können, ist sicherlich ein schmerzlicher Vorgang“, sagt Schwester Karin Berger, Generalvikarin des Klosters Sießen, auf Nachfrage des SÜDKURIER. „Leider gibt es aber Realitäten des Lebens, auf die man reagieren muss.“
Der jetzt vollzogene Schritt war aufgrund des immer kleiner werdenden Konvents letztlich unvermeidlich. Der über insgesamt drei Stockwerke verlaufende Wohnbereich in St. Elisabeth umfasst zusammen mit der Kapelle fast 1000 Quadratmeter und war viel zu groß geworden, nachdem die Zahl der Schwestern im Haus seit April durch Umzüge und berufliche Umorientierungen von acht auf nunmehr drei zurückgegangen war. Schwester Willebirg Schwarz, Schwester Christa-Maria Günther und Schwester Baptista Ebenhoch sind Ende Oktober aus dem Konventsgebäude aus- und in eine Wohnung in der Wendelgardstraße eingezogen. Schwester Christa-Maria bleibt nach der Pensionierung der langjährigen Konrektorin Schwester Hiltrud Geiger die einzige noch unterrichtende Schwester in St. Elisabeth, Schwester Baptista und Schwester Willebirg engagieren sich für Bedürftige in der Stadt, in der Altenpastoral im Franziskuszentrum und in verschiedenen ehrenamtlichen Bereichen. An den Gottesdienstzeiten in der Kapelle von St. Elisabeth wird sich nichts ändern.
Vor einer neuen Situation steht jetzt aber auch die Mädchenrealschule. „Natürlich ist es schade, dass die Schwestern immer weniger geworden sind. Ökonomische Aspekte haben letztlich den Ausschlag für den Auszug gegeben“, betont Karin Broszat. „Wenn die Räumlichkeiten neu genutzt werden sollen, dann muss das Gebäude massiv und umfassend renoviert werden – und das wird teuer“, sagt die Schulleiterin von St. Elisabeth. Demnach liegen die letzten Sanierungsmaßnahmen in diesem Gebäudeteil schon mehrere Jahrzehnte zurück. Diskutiert werden offenbar aber auch ein Abriss und ein kompletter Neubau.
Dass der Auszug eine freie Entscheidung des Klosters war und nicht auf Druck von schulischen Notwendigkeiten zustande kam, auf diese Feststellung wird von Seiten der Schulleitung Wert gelegt. Kein Zweifel wird allerdings daran gelassen, dass die Schule aus allen Nähten platzt und der Bedarf für neue Schulräume groß ist. Für ein zukunftsweisendes Schulentwicklungskonzept werden die Möglichkeiten derzeit noch ausgelotet. „Zunächst geht es darum, die Kosten zu eruieren“, sagt Karin Broszat.
Die Herausforderungen für St. Elisabeth sind also groß. Eine neue Herausforderung sucht auch Karin Broszat. Sie wird die Schule im Sommer verlassen. Die Stelle eines Schulleiters oder einer Schulleiterin der Mädchenrealschule St. Elisabeth soll bereits in den kommenden Tagen ausgeschrieben werden.