Friedrichshafen – Die Merian-Förderschule hat gestern zusammen mit der Mädchenrealschule St. Elisabeth ein neuartiges Schülerlotsenprojekt gestartet.
So genannte Lotsen-Tandems, bestehend aus jeweils einem Schüler der beiden Schulen, sollen die Mitschüler dazu bewegen, eine Unterführung zu nutzen.
Auf dem Weg zum Bahnhof und zur nächsten Bushaltestelle muss die stark befahrene Werastraße überquert werden. „Die Kreuzung zur Zeppelinstraße ist eine gefährliche Stelle, weil es für Autofahrer beim Abbiegen nicht eindeutig gekennzeichnet ist, dass hier eine Schule ist“, sagt Karin Broszat, Schulleiterin Mädchenrealschule St. Elisabeth. Trotzdem stürmen die Schüler nach Schulende über die Werastraße, der Weg durch die Unterführung ist ihnen zu lang. „Es ist ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist“, findet Hans-Jürgen Krebs, Schulleiter der Merian-Förderschule. Umso mehr begrüßt er das Engagement seiner Referendarin Merle Israel, die sich dem Thema Verkehrssicherheit widmet und das Schullotsen-Projekt betreut. In einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft (AG) wurden schulübergreifend elf Schüler zu Lotsen ausgebildet. Die Polizeidirektion Friedrichshafen legte mit einer zweistündigen Schulung den theoretischen Grundstock für die ehrenamtliche Arbeit der Kinder. „Die Lotsen-AG mit den kooperierenden Schulen ist in der Region ein einmaliges Projekt“, sagt Polizeihauptmeister Karl-Heinz Koß. In einem Praxisteil wurde die Strecke durch die Unterführung abgelaufen und die Zeit gemessen. Ergebnis: Der Umweg zur Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite dauert knapp eine Minute. „Verkehrssicherheit gibt es nicht umsonst“, weiß Koß.
Der Erfolg der Aktion ist noch offen. „Die Frage ist, ob die Schüler-Lotsen angenommen werden?“, sagt Schulleiter Krebs. Schließlich müssen die Lotsen aus den Klassenstufen 7 und 8 auch ältere Mitschüler anweisen. „Das ist eine Herausforderung, aber wir setzen auf die Vernunft der Schüler“, erklärt Hans-Jürgen Krebs. Am ersten Tag lief bei den jungen Lotsen noch nicht alles glatt. „Es ging gut, aber die Reaktion der anderen war manchmal komisch“, sagte beispielsweise zwölfjährige Jana. Es werde wohl noch dauern, bis sich die Mitschüler an die Lotsen gewöhnt haben. Mit neon-gelber Mütze, Überwurfweste und großer Kelle fallen sie auf alle Fälle auf.
„Es macht Spaß, aber wenn mich manche auslachen, dann mag ich das nicht“, sagt der 13-jährige Nico. Vielleicht bekommen die Lotsen bald Hilfe: Im Gespräch sind eine Ampel und ein Zebrastreifen.