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Friedrichshafen Rolls-Royce Power Systems verschlankt Management

Beim Friedrichshafener Dieselmotorenbauer Rolls-Royce Power Systems (RRPS) wird weiter an der Kostenschraube gedreht. Aktuell werden im Bereich des Managements Stellen abgebaut.

Für die nähere Zukunft gibt RRPS-Chef Ulrich Dohle als Zielmarke eine zweistellige Rendite aus. Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer sieht dagegen einen Wert von rund acht Prozent, der in 2015 erreicht wurde, als ausreichend an.

Für Ulrich Dohle, den Vorstandsvorsitzenden von Rolls-Royce Power Systems (RRPS) ist das Ziel klar: Der Belegschaft des Dieselmotorenbauers mit seiner Leitmarke MTU müsse es gelingen, aus eigener Kraft zu wachsen. Dazu müssten aber die Strukturen und die Personaldecke angepasst werden. Denn die einst angesetzte Zielmarke von bis zu sechs Milliarden Euro Jahresumsatz sei aktuell nicht zu erreichen, sagte Dohle am Montag auf einer Pressekonferenz. Für die Zukunft gab er als Zielmarke eine zweistellige Rendite aus. Thomas Bittelmeyer, Chef des RRPS-Betriebsrats, hielt in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER dagegen: Die 2015 erzielte Rendite von rund acht Prozent sei ein für das Unternehmen sehr tragfähiger Wert. Mit nicht risikoreichen Anlagen könne auf dem Kapitalmarkt zurzeit nur ein Prozent an Rendite erreicht werden, fügte er hinzu.

Um die Strukturen des Unternehmens kostengünstiger zu gestalten, wurden bei RRPS bisher rund 700 Stellen abgebaut. Davon betroffen war auch das Motorenwerk im norwegischen Bergen, das früher zur britischen Mutter Rolls-Royce gehörte, sich jetzt aber unter dem Dach von RRPS findet. Vor allem der niedrige Ölpreis habe zu Auftragseinbrüchen in Bergen geführt, schilderte Dohle. Dort werden Motoren für Versorgungsschiffe gebaut, die zwischen Ölbohrplattformen auf hoher See pendeln. Diese Art des Förderns von Öl ist zurzeit teuer und deshalb kaum gefragt. Durch den Ölpreis verursachte Auftragseinbrüche treffen auch den Stammsitz in Friedrichshafen, denn hier werden auch Motoren für das unkonventionelle Fördern von Öl oder Gas gebaut. Doch dieser Markt sei beispielsweise in den USA zusammengebrochen, so Dohle.

Großaufträge erwartet

 

Einen Ausgleich schaffen aktuell mehrere Aufträge mit chinesischen Firmen, die Lokomotiven bauen. Ulrich Dohle konnte am Montag einen 30 Millionen Euro schweren Vertrag mit dem chinesischen Lokhersteller China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) bekannt geben. Daneben sind in Bälde wohl weitere Großaufträge zu erwarten, wie Dohle andeutete. Doch mehr verraten wollte er nicht. „Da muss ich mir noch etwas auf die Zunge beißen“, sagte er.

Angesichts der so gefüllten Auftragsbücher ist der RRPS-Chef relativ zuversichtlich, dass neben dem Personalabbau im oberen Management keine weiteren Stellen, etwa in der Produktion, gestrichen werden müssen. Und Betriebsratschef Bittelmeyer schließt gegenüber dem SÜDKURIER harte Maßnahmen zum Stellenabbau, wie etwa betriebsbedingte Kündigungen, kategorisch aus. Gänzlich ausschließen mochte Dohle solche am Montag nicht.

Vor dem Hintergrund, die betriebsinternen Strukturen noch kostengünstiger zu gestalten, stehen auch die Sondierungsgespräche zwischen dem RRPS-Management und dem Betriebsrat sowie der Gewerkschaft IG Metall. Thomas Bittelmeyer sieht aktuell diese Gespräche auf einem guten Kurs. Allerdings reklamiert er, dass ihm die Gesamtstrategie des RRPS-Managements noch nicht gänzlich klar sei. Möglicherweise gibt es dazu während der Sitzung des RRPS-Aufsichtsrats am Freitag einige Aussagen.

RRPS-Chef Dohle wollte am Montag keinen Termin für einen Abschluss der Sondierungsgespräche mit der Arbeitnehmer-Seite nennen. Ihm gehe es darum, so zu verhandeln, dass es keiner nachträglichen Gespräche bedürfe.

 

Ideen und Projekte am Standort

Intern sprudeln die Ideen, wie der Dieselmotorenbauer RRPS schlanker und effektiver gestaltet werden kann. Nicht ganz so rund läuft es in Sachen Abgasreinigung für die Prüfstände im Werk 2:

 

Kreativ: Begeistert berichtet Ulrich Dohle, Vorstandsvorsitzender von Rolls-Royce Power Systems, von Treffen mit jungen Mitarbeitern. Vorgabe des Managements an diese Gruppe ist es, ohne Scheuklappen Prozesse im Unternehmen unter die Lupe zu nehmen. Alle Ideen, die in diesem Kreis entwickelt und sich als tauglich erweisen würden, würden umgesetzt, sagte Dohle. Besonders freue ihn, mit welcher Offenheit Fragen gestellt und beantwortet würden. Gelegentlich komme es auch vor, dass die Frage gestellt würde, warum niemand schon vorher darauf gekommen sei. Grundsätzlich sagte Dohle, dass auf der Kostenseite bisher bereits hart gearbeitet worden sei. Ziel ist es, näher am Kunden zu sein und beispielsweise mehr Serviceleistungen verkaufen zu können. Wie Dohle sagt, soll der Anteil an Serviceleistungen von 30 auf 40 Prozent wachsen.

 

Gasantrieb für neue Fähre als Leuchtturm-Projekt: Als ein Projekt, mit dem RRPS auch in der Region punkten will, nannte Ulrich Dohle den MTU-Gasantrieb für die neue Fähre der Stadtwerke Konstanz, die zwischen Meersburg und Konstanz pendeln soll. Zunächst werde ein Dieselmotor installiert werden, da der Bau der Fähre schneller voranschreitet als die Motorenentwicklung. Aktuell liefen die neuen Motoren auf den Prüfständen. Wohl im Jahr 2019 werde einer dieser „super-sauberen“ Motoren die neue Fähre antreiben. Die neuen Gasmotoren würden die gleiche Leistung liefern wie Dieselmotoren, aber weniger Kraftstoff verbrauchen und keine Partikel ausstoßen, so Dohle.

 

Hürden für Abgasreinigung: Als schwierig gestaltet sich nach RRPS-Angaben der geplante Bau einer Abgasreinigung für die Motorenprüfstände im Werk 2 in Manzell. Die neue Anlage soll Schwarzrauch verhindern, über den sich Anwohner in der Vergangenheit beschwerten. Im Moment verhandelt RRPS noch mit zwei Herstellern. Doch das vorgelegte Lastenheft treffe noch nicht alle Erwartungen von RRPS. Mit Vertretern des Landratsamtes soll es heute, Dienstag, weitere Gespräche geben, sagte Ulrich Dohle. Das Unternehmen wolle seine Zusage erfüllen, doch teilweise werde mit einer solchen Anlage absolutes Neuland betreten. Nach der ursprünglichen Planung des Unternehmens soll die Anlage für die Abgasreinigung im Werk 2 Anfang 2017 in Betrieb gehen.

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