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Friedrichshafen Roboter Marvin soll den Menschen helfen

Er versteht Schwäbisch und kann auf Kommando eine Packung Chips aus der Küche holen: Marvin ist ein so genannter Assistenz-Roboter, der Menschen helfen soll, deren Beweglichkeit eingeschränkt ist. Seit zwei Jahren arbeiten Wissenschaftler an der Hochschule Ravensburg-Weingarten an dem Roboter

Es surrt und Marvin bewegt sich in Richtung Tisch. Weitere kleine Motoren springen schnurrend an und helfen Marvin, seinen Arm auszurichten und die Wasserflasche auf dem Tisch zu greifen. Was wie eine alltägliche Situation klingt, gilt als Sensation, denn Marvin ist ein Roboter. Seit rund zwei Jahren arbeiten mehrere Wissenschaftler des Instituts für Künstliche Intelligenz (IKI) der Hochschule Ravensburg-Weingarten an der Maschine. „Marvin soll vor allem dabei helfen, Menschen möglichst lange die Autonomie zu erhalten“, erklären Benjamin Stähle und Benjamin Reiner, akademische Mitarbeiter am IKI. Das Alter der Nutzer spiele dabei keine Rolle: „Wir wollen uns von der Pflege-Robotik abgrenzen, daher wird Marvin bewusst als Assistenz-Roboter bezeichnet“, erläutern die Wissenschaftler und sagen: „Wir hatten kürzlich unseren ersten menschlichen Probanden hier, einen älteren Herrn mit 76 Jahren. Der ist sehr gut mit der Bedienung von Marvin zurechtgekommen.“


Gerade für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sei Marvin besonders geeignet. Er hebt Dinge mit einem Gewicht von bis zu eineinhalb Kilogramm vom Boden auf, kommt mit einer Größe von etwas über zwei Metern auch in höhere Bereiche. Über zwei Sensoren im Bereich seiner vier Räder und einem auf dem Kopf nimmt Marvin seine Umgebung wahr. Zusätzlich hat er einen optischen Sensor, vergleichbar dem aus einer Spielekonsole, mit dem er sich orientieren kann: „Er verwendet ein Projektionsbild-Verfahren zur Navigation und baut sich nach und nach eine Karte auf.“

 Besonders wichtig sei dabei auch die Objekterkennung: „Marvin kann unterscheiden, ob es sich um den Tisch oder um einen darauf befindlichen Gegenstand handelt. Er prüft dabei verschiedene Punkte, wie Farbe und Textur, gleicht das dann mit einer Objekt-Datenbank ab und erkennt so, was er vor sich hat“, erklärt Benjamin Stähle.

Nun kann Marvin nicht nur per Fernbedienung gesteuert werden, er reagiert auch auf Sprache. Sogar wenn er auf Schwäbisch angesprochen wird, kann er entsprechend reagieren. Jedoch ist auch das ein hochkomplexer Prozess: „Er benutzt eine situationsbedingte Sprache und kennt einige Sätze im Rahmen einer eigenen Grammatik“, sagen die Wissenschaftler. Mehr als 100 Software-Komponenten arbeiten in Marvin und sorgen dafür, dass er funktioniert. Um aus dem Assistenz-Roboter einen massentauglichen, marktreifen Gehilfen zu machen, wäre allerdings ein größerer finanzieller Aufwand notwendig: „Dazu bräuchte man sicher einen mehrstelligen Milliardenbetrag“, sagt Stähle und Benjamin Reiner ergänzt: „Das ist allerdings nicht unser Ziel. Es geht hierbei hauptsächlich um den Erkenntnisgewinn.“ Dies geschieht jetzt einerseits mit Probanden im Robotik-Labor, andererseits direkt in einer neuen Umgebung: So soll Marvin zwischen Mai und Juni erstmals in einer Einrichtung für Multiple Sklerose-Patienten zum Einsatz kommen. „Wir haben nicht dieselben finanziellen Rahmenbedingungen wie andere Einrichtungen oder Institute und sind daher stolz darauf, mit unserem kleinen Team dennoch mithalten zu können“, freut sich Stähle.
 

Roboter „Kate“ bei RTL

Die ältere Schwester von Marvin, Kate genannt, war 2014 Gast in der Fernsehsendung „Unschlagbar" des Senders RTL. Dort trat sie gegen einen Höhen-Darts-Spieler an, der aus zwölf Metern Höhe die kleinen Pfeile möglichst genau in die Zielpunkte warf. „Kate wurde auch von Moderatorin Sonja Zietlow gestreichelt“, erklärt Benjamin Stähler schmunzelnd. Obwohl Kate den Wettbewerb nicht für sich entscheiden konnte, versuchte sie sich bei der „Nacht der Informatik“ in Weingarten erneut im Höhen-Darts, und zwar gegen den Sieger der „Unschlagbar“-Sendung, den Blasrohrschützen Michael Speth. „Sie unterlag dem Profi allerdings nur sehr knapp“, sagt Stähler. (guy)

 

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