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Friedrichshafen Projekt „welt_raum“: Studenten und Flüchtlinge wollen voneinander lernen

Studenten der Zeppelin-Uni haben das Projekt „welt_raum“ gegründet und verschiedene Angebote für Asylbewerber geschaffen. Einen engen Austausch gibt es über die Sprachpartnerschaften. Die Studenten bringen den Flüchtlingen Deutsch bei, im Gegenzug lernen sie die Muttersprache ihrer Sprachpartner.

Wir alle kennen die Bilder vom Krieg in Syrien oder im Irak, von Menschen, die aus Angst vor Gewalt und bewaffneten Konflikten ihr Heimatland verlassen. Die Bilder sind überall präsent und für uns dennoch weit weg. Hassan und Isaam aus Syrien sowie Fataou aus Togo sind für Patrick, Tim und Max hingegen ganz real. Während die einen in einer Flüchtlingsunterkunft in der Paulinenstraße in Friedrichshafen leben, studieren die anderen an der Zeppelin-Universität (ZU). Zusammengebracht hat sie das Studentenprojekt „welt_raum“.

„Angesichts einer weltweit prekären Flüchtlingssituation wollen wir einen Beitrag im Kleinen leisten und vor der eigenen Haustür etwas für die Menschen tun“, sagt Max Röcker. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Patrick Lühlow und Tim Schleicher hat er im Mai daher das Projekt „welt_raum“ ins Leben gerufen. „Mir geht es bei dem Projekt vor allem darum, eine Willkommenskultur zu schaffen. Bei Reisen in arabische Länder ist mir aufgefallen, wie offen man dort aufgenommen wird. Das hat mich beeindruckt und so etwas wollen wir hier auch schaffen“, so Max Röcker. Der Austausch mit anderen Menschen sei eine unglaubliche kulturelle Bereicherung. „Wir können voneinander lernen und durch die Begegnungen entstehen ganz großartige Möglichkeiten“, ergänzt Tim Schleicher. Und Patrick Lühlow betont: „Politisch wird einfach zu wenig für die Menschen getan. Ich selbst kann an der Rechtssituation zwar nichts verändern, dennoch kann ich mit dem Projekt etwas für die Asylbewerber vor Ort tun.“

Gemeinsam mit Sebastian Leidinger, Sozialarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz, der die Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in Friedrichshafen betreut, haben die Studenten überlegt, in welchem Bereich sie aktiv werden können. Bei einem ersten Treffen im Asylbewerberheim in der Paulinenstraße sind Studenten und Bewohner dann ins Gespräch gekommen. „Wir haben einen lockeren Nachmittag zusammen verbracht, haben uns unterhalten und festgestellt, dass auf beiden Seiten Interesse an einem gemeinsamen Projekt besteht“, sagt Patrick Lühlow. In den Semesterferien wurde zum Kennenlernen zunächst eine gemeinsame Fahrradtour nach Langenargen organisiert. Auch zum Fußball schauen während der Weltmeisterschaft hat man sich getroffen.

„So sind zunächst freundschaftliche Beziehungen entstanden und dann ging es daran, ein Konzept zu entwickeln, wie man Flüchtlinge in Friedrichshafen in ihrem Alltag unterstützen kann“, erklärt Lühlow. Dieses beinhaltet die sogenannten Sprachpartnerschaften oder -tandems „Dabei treffen sich jeweils ein Student und ein Asylbewerber und bringen sich gegenseitig ihre Sprache bei“, sagt Tim Schleicher. So lerne er von seinem Sprachpartner Isaam Arabisch und könne den Apotheker aus Syrien bei der Verbesserung seiner Deutschkenntnisse unterstützen. „Wichtig ist uns dabei, dass wir nicht die weißen Ritter sein wollen, die den armen Flüchtlingen etwas beibringen, sondern uns geht es darum, dass wir gegenseitig etwas voneinander lernen“, fügt Patrick Lühlow hinzu.

Auch beim Sport kommen Studenten und Asylbewerber in Friedrichshafen zusammen. „Wir treffen uns regelmäßig zum Fußballtraining“, so Tim Schleicher. Die VHS und die Musikschule haben auf Initiative der Studenten zudem kostenlose Kurse zur Verfügung gestellt. Und die Angebotspalette soll weiter wachsen. Studentin Paulina Kiekenbeck möchte schon in Kürze eine Kinderbetreuung im Asylbewerberheim in der Paulinenstraße anbieten. „Dafür möchte ich einmal die Woche einen festen Termin ansetzen, damit die Eltern Zeit für sich oder für Behördengänge haben“, erklärt sie.

Doch nicht nur die Asylbewerber profitieren vom Projekt „welt_raum“. „Ich habe in den vergangenen Monaten unglaublich viel gelernt und hatte tolle zwischenmenschliche Begegnungen“, erzählt Tim Schleicher. Immer mehr Studenten wollen sich nach Angaben von Max Röcker inzwischen für das Projekt engagieren. „Da es noch kein fertiges Konzept gibt, können alle ihre eigenen Ideen mit einzubringen. Ein Student ist beispielsweise ein Fitness-Fan und könnte sich vorstellen, gemeinsam mit einigen Asylbewerbern zu trainieren“, sagt Patrick Lühlow.

Bei der Stadt kommt das Projekt der Studenten gut an. Alexandra Eberhard von der Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement tauscht sich mit den Studenten regelmäßig über das Projekt aus und unterstützt, wo Hilfe notwendig ist. „Toll ist, dass es zwischen Studenten und Asylbewerbern keine Berührungsängste gibt. Es herrscht ein Geben und Nehmen. Die Studenten haben schon viele Aktionen angestoßen und zeigen ganz viel Eigeninitiative“, sagt sie. Auch Sebastian Leidinger ist dankbar über das Engagement der Studenten. „Die Asylbewerber leben in ihren Unterkünften doch isoliert, dürfen nicht arbeiten und bekommen damit nur schwer Kontakt zu Einheimischen. Durch das Projekt kann man ihnen deutlich machen, dass es Menschen vor Ort gibt, denen sie nicht egal sind.“

„welt_raum“ soll dabei kein reines Studentenprojekt bleiben. „Vom Schüler bis zum Rentner soll sich hier künftig jeder engagieren können“, sagt Patrick Lühlow.

Kontakt

Das Projekt „welt_raum“ wurde im Mai diesen Jahres ins Leben gerufen. Studenten der Zeppelin Universität unterstützen Asylbewerber vor Ort mit verschiedenen Angeboten. Informationen zum Projekt gibt es bei den ZU-Studenten Patrick Lühlow, Tim Schleicher und Max Röcker unter den E-Mail-Adressen:

p.luehlow@zeppelin-university.net

t.schleicher@zeppelin-university.net

m.roecker@zeppelin-university.net

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Aktuelles zur Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen: Die Zeppelin Universität (ZU), früher Zeppelin University, ist eine private, staatlich anerkannte Universität in Friedrichshafen. Die ZU erhielt im September 2011 als erste Privat-Uni in Baden-Württemberg das Promotionsrecht.
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