Friedrichshafen Postbote soll über 5000 Briefe unterschlagen haben
Ab die Post! 5000 Briefe soll ein Postbote in Friedrichshafen im November und Anfang Dezember 2011 unterschlagen haben. Bild: dpa
Mehr als 5000 Postsendungen haben vor Weihnachten in Friedrichshafen ihre Adressaten nicht erreicht. Ein 20-jähriger Zusteller soll die Briefe ins Altpapier geworfen oder auch auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses gesammelt haben. Die Polizei, die zunächst lediglich von 150 verschwundenen Briefen ausgegangen war, musste in der vergangenen Woche ihre schon abgeschlossenen Ermittlungen wieder aufnehmen. Der mutmaßliche Täter war auf dem Polizeirevier erschienen und hatte die Beamten zum Versteck der Briefe geführt. Die Polizei geht zwischenzeitlich davon aus, dass der Mann Briefe an 1107 Kunden nicht zugestellt hat. Schwerwiegender noch: Der Mann soll frühere Erklärungen revidiert und eingeräumt haben, eine nicht näher bezifferte Anzahl von Briefen geöffnet und eine bislang ungeklärte Summe Geldes entwendet zu haben. Gestern nun lagen bei den Kunden vermisste Briefe und Entschuldigungsschreiben der Post im Briefkasten.
Im Friedrichshafener Wohngebiet Schreienesch hatten sich im November des vergangenen Jahres Bürger über eine steigende Zahl von falschen Zustellungen beschwert. Die Post AG reagierte und nahm ihren neuen Zusteller ins Gebet. „Wir hatten den Eindruck, dass er sehr oberflächlich arbeitete und haben ihn deshalb noch einmal mit einem Kollegen mitlaufen lassen“, erklärte ein Sprecher der Post gegenüber dem SÜDKURIER. Doch die Beschwerden rissen nicht ab, so dass die Post ihren eigenen Sicherheitsdienst alarmierte, der den neuen Zusteller genauer unter die Lupe nahm. Schließlich zog die Polizei die Ermittlungen an sich und verhörte den Mann, dem die Post zwischenzeitlich gekündigt hatte.
Nach der ersten, exklusiven Berichterstattung des SÜDKURIER, meldeten sich Anfang Januar zunächst 29 Geschädigte bei der Polizei. Ihre Zahl stieg schnell auf 102 Postkunden an. Einige von ihnen erklärten, auch EC-Karten oder Bargeld zu vermissen. Schließlich summierte die Polizei die Anzahl fehlender EC-Karten auf 48. Der Beschuldigte zeigte sich in den Vernehmungen nach Angaben der Polizei „sehr kooperativ“ und überzeugte die Ermittler davon, „nicht in der Absicht gehandelt zu haben, sich zu bereichern“. Er sei offensichtlich schlichtweg „überfordert“ gewesen, hieß es im Abschlussbericht der Beamten an die Ravensburger Staatsanwaltschaft. Von den vermissten Briefen und EC-Karten, die gegen Jahresende von Geldinstituten verschickt worden waren, fehlte indes weiterhin jede Spur. Mitte Februar meldete sich der 20-Jährige erneut bei der Friedrichshafener Polizei und führte sie auf den Gemeinschaftsdachboden des auch von ihm bewohnten Mehrfamilienhauses. Dort fanden die Beamten sechs Kartons versteckt. Es handelte sich um mehr als 2500 Briefsendungen mit insgesamt 195 EC-Karten. Ebenfalls soll der 20-Jährige entgegen früherer Beteuerungen 36 Briefe geöffnet und teilweise darin enthaltenes Bargeld entwendet haben. Auch seine früheren Angaben, nach denen er 250 Briefe in den Altpapiercontainer entsorgt habe, habe der Beschuldigte korrigiert, so die Polizei. Es habe sich um eine weitaus größere Anzahl von Sendungen gehandelt.
Die Ermittler errechneten zwischenzeitlich, dass insgesamt etwa 2500 Postsendungen im Altpapier landeten, so dass davon ausgegangen werden muss, dass rund 5000 Postsendungen nicht die Empfänger erreichten und 1107 Personen im Wohngebiet betroffen sind.
