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Friedrichshafen Pastor Wolf Bruske wirft das Handtuch

Seit knapp vier Jahren ist er Pastor in Friedrichshafen. Doch jetzt gehen Wolf Bruske und die Baptistengemeinde getrennte Wege. Beide Seiten geben sich bedeckt, doch die Umstände des Abschieds lassen einen bitteren Nachgeschmack zurück – wenn auch längst nicht alle Karten auf dem Tisch liegen.

„Es waren dennoch gute Jahre.“ Ab morgen gehen Pastor Wolf Bruske und die Baptistengemeinde getrennte Wege.
„Es waren dennoch gute Jahre.“ Ab morgen gehen Pastor Wolf Bruske und die Baptistengemeinde getrennte Wege. | Bild: Geiselhart

Friedrichshafen – „Du siehst, der Wind hat sich gedreht, die falschen Freunde weggeweht und ihre Treue und ihr Versprechen!“ Noch am vergangenen Samstag hatte Pastor Bruske in der SÜDKURIER-Rubrik „Ich als Christ“ Reinhard Mey zitiert und davon gesprochen, wie sehr „Gottes Bodenpersonal“ enttäuschen könne.

„Ein gerades Rückgrat verlangt seinen Preis, aber der ist nie zu hoch, denn das Gut des aufrechten Gangs kann man kaum überschätzen“, schrieb Bruske – offenbar in Anlehnung an seine eigene derzeitige Situation. Wenn auch vieles im Unklaren ist: Fakt ist, dass der Pastor der Baptistengemeinde am Sonntag um 10 Uhr beim Gottesdienst in der Christuskirche verabschiedet wird. Unter anderem werden dazu auch Bürgermeister Peter Hauswald und ein Vertreter der Landeskirche erwartet. Fakt ist ebenfalls, dass Bruske von sich aus um einen Aufhebungsvertrag gebeten und kurz vor Ostern unterschrieben hat, wie der 54-Jährige auf eine Anfrage des SÜDKURIER bestätigt. Unsere Nachfrage ergab aber auch, dass das Verhältnis zwischen Pastor und „Ältestenkreis“ – dem Leitungsgremium der Baptistengemeinde – seit langem angespannt war. Seit einigen Monaten ist Bruske wegen eines Burn-Out-Syndroms krankgeschrieben. „Der Druck ist zu stark geworden“, sagt er.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte es Unruhe in der Gemeinde gegeben, als bekannt geworden war, dass Bruske im christlichen Nachrichtenprotal Idea.de einen Kommentar zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare veröffentlicht hatte. Auch auf der Website der „Metropolitan Community Church Köln“, einer – wie sie sich selbst nennt – „Kirche (nicht nur) für Schwule, Lesben, Transgender“ ist eine längere theologische Abhandlung Bruskes unter dem Titel „Lesbisch, schwul und fromm“ zu lesen. „Die weit verbreitete Homophobie hat bei vielen evangelikalen Christen dafür gesorgt, dass man sich mit dem Thema Homosexualität praktisch nicht auseinandersetzt, sich auch nicht auseinanderzusetzen wagt, sondern nur die übernommene Ablehnung gebetsmühlenartig mit der missbräuchlichen Anwendung der genannten Bibelstellen wiederholt“, führt Wolf Bruske dort aus. „Wie ein Mantra werden sie beschwörend homosexuellen Christen entgegengehalten – und diese unter Missbrauch der Bibel in eine Sünderecke gedrängt.“

Dass Bruskes Einstellung zu dieser brisanten Problematik eventuell ein ausschlaggebendes Argument für die Trennung sein könnte, wird von beiden Seiten nicht bestätigt. „Ich bin zwar nicht seiner Meinung, aber seine Ansichten zum Umgang mit Homosexuellen in der Kirche waren nicht der Grund“, sagt Jürgen Strobel vom Ältestenkreis. Im Übrigen sei man darin übereingekommen, zu den Gründen der Trennung in der Öffentlichkeit nichts zu sagen. Diese Aussagen werden von Beate Gallandt und Hendrik Kurzawa, beide ebenfalls Mitglied des ehrenamtlichen Leitungsgremiums, bestätigt.

Wolf Bruske ist verheiratet und hat eine 16-jährige Tochter. Nach seinem Theologiestudium in Reutlingen war er Vikar in Karlsruhe, später Pastor in Bad Kreuznach, Rendsburg und Forchheim. In Friedrichshafen traf er auf eine Gemeinde, deren Einzugsgebiet von Lindau bis nach Meckenbeuren oder Hagnau reicht. 40 Prozent der etwa 230 erwachsenen Baptisten sind Russlanddeutsche. „Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen und mit dem Herz im Himmel sein.“ Das war Bruskes Wunsch bei seiner Amtseinführung im September 2005. Diesem Ziel will er auch in Zukunft treu bleiben. Treu bleiben will er aber auch Friedrichshafen. Um eine Pastorenstelle will er sich nicht mehr bewerben. Als berufliche Neuorientierung kann er sich eine Tätigkeit als Religionslehrer, Publizist oder in einer sozialen Beratungsstelle vorstellen.

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