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Friedrichshafen Partei "Die Linke" feiert zehnten Geburtstag

Bei einem Geburtstagsfest haben die Mitglieder der Partei "Die Linke" in Friedrichshafen auf den Zusammenschluss vor zehn Jahren zurückgeschaut.

Statt Torte für das Geburtstagskind gibt es Pizza und Pasta, anstelle von Kerzen dekorieren Flugblätter zu sozialer Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit den Tisch und Geschenke können die Gäste in die Spendendose werfen – die Partei "Die Linke" feiert zehnjähriges Bestehen, auch am Bodensee. Bundestagskandidatin Claudia Haydt gratulierte ihrer Partei: "Wir haben unglaublich viel Grund zu feiern. Wir sind eine Partei, die zehn Jahre überstanden hat und immer noch für ihre Ideale steht."

Am 16. Juni 2007 schlossen sich WASG (Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit) und PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) zur "Linken" zusammen. Haydt hat die Verhandlungen auf Bundesebene begleitet. Mitglied war sie in keiner der beiden Parteien, sie wurde als Vertreterin der Friedensbewegung dazu gebeten. "Es hat erstaunlich gut funktioniert", sagt sie, wenn sie an die Gespräche von damals denkt.

Dabei trafen zwei ganz unterschiedliche Bewegungen aufeinander: Die WASG entstand im Westen als Protest von Gewerkschaftern und SPD-Anhängern gegen die Sozialpolitik der Regierung Schröder. Die PDS im Osten war die geschrumpfte und reformierte Nachfolgerin der Sozialistischen Einheitspartei SED der DDR. "Es gab kulturelle Unterschiede, aber die waren nicht so schlimm. Die inhaltlichen Debatten liefen quer durch die Herkunftsparteien: welchen Stellenwert soll die Friedenspolitik haben, wie hängt das mit dem Protest gegen die Agenda 2010 zusammen", erinnert sie sich.

Am Bodensee hat "Die Linke" heute rund 80 Mitglieder. Die stellvertretende Vorsitzende Ursula Wahlert begleitete die Anfänge "als Sympathisantin", wie sie sagt. Sie engagierte sich in der Friedensbewegung und lernte dort frustrierte Gewerkschafter und enttäuschte SPDler kennen. Deren Einsatz für eine andere Sozialpolitik interessierte sie. "In der Gründungsphase gab es gewaltigen Zulauf, da waren die Räume voll. Das hing mit der Krisenstimmung zusammen, manche Leute kamen und erwarteten eine Revolution." Ursula Wahlert trat ein Jahr später ein – mit über 70 Jahren war sie zum ersten Mal in einer Partei. Ihr Ziel: nicht nur Sozialstaat in Deutschland, sondern eine gerechte Weltordnung.

Der IG-Metaller und Betriebsrat Roberto Salerno stieß 2008 zur Linken. "Nach der ersten Sitzung war ich etwas geschockt, da waren ein paar schräge Typen dabei", sagt er. Er erinnert sich an anstrengende Debatten in der jungen Partei: "Da ging es auch darum, ob wir uns überhaupt in Gemeinderat oder Kreistag engagieren wollen oder reine Opposition betreiben." Heute ist Salerno einer der beiden linken Abgeordneten im Kreistag.

Roberto Salerno hat neben Fotos vom Geburtstagskind auch Bilder von Tarifverhandlungen dabei.
Roberto Salerno hat neben Fotos vom Geburtstagskind auch Bilder von Tarifverhandlungen dabei. | Bild: Corinna Raupach

Nachdem die Partygäste Fotos vom Geburtstagskind auf ihren Handys angeguckt haben, wenden sie sich aktuellen Themen zu: der Frage, wer Plakate für den Vortrag des linken Rentenexperten im Juli klebt, wie es um Betriebsratsgründungen steht oder wie Ansätze linker Landwirtschaftspolitik aussehen könnten.

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