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Friedrichshafen Ohne Musizierende ist ein Dirigent nichts

Ehrung für Joachim Trost im GZH – Seit 25 Jahren gibt er beim Philharmonischen Chor Friedrichshafen nicht nur den Takt an

Sentimental? Kitschig? Übertrieben? So mag es Joachim Trost gar nicht gern. Fast alle Gäste bei der Feier zu seinen Ehren im GZH waren entweder aktive oder ehemalige Sänger des Philharmonischen Chors oder ihm eng verbunden. Daher kannten ihn alle persönlich, ihn, der seit 25 Jahren diesen Chor dirigiert. Ihn und seine Qualitäten. Deswegen konnten sie alle auch die vielen Ruhmesworte nicht als sentimental, kitschig oder übertrieben empfinden. Denn er ist ein liebevoller Mensch, ein vielseitiger Musiker, ein „Geschenk des Himmels“ (1. Vorsitzender des Chors Oskar Rapp) oder eine „bedeutende Stimme in der Partitur des hiesigen Musiklebens“ (Musikschulleiterin Sabine Hermann).

Die meiste Redezeit beanspruchte Oskar Rapp. Schließlich ist er als Chorsänger am nächsten dran am aktiven Schaffen von Joachim Trost. Er ließ die Gäste teilhaben an seinen Erinnerungen, die ins Jahr 1989 zurückreichten. Der Chor war sofort begeistert von der Art der Stimmbildung, von Trosts Dirigat, seiner kompetenten Ausstrahlung, von seinem Wissen. Immer gab (und gibt) er fundierte Einführungen in das jeweilige Werk, sachkundige Kommentare. Auch beeindruckte er damit, dass er oft selbst demonstrativ eine Wendung, eine Passage vorsang. Oskar Rapp offenbarte auch einen Trick von Joachim Trost: Am Ende einer Probe lässt der die Sänger immer ein Stück singen, das sie schon gut beherrschen. So kann er sicher sein, dass jeder befriedigt nach Hause geht und sich freudig zur nächsten Singstunde einfindet. Da sie nun schon so viele Oratorien gesungen haben, wird die Literatur-Auswahl langsam schwierig, meinte Rapp stolz und schmunzelnd. Ihr Einverständnis mit dieser Laudatio bekundeten die Anwesenden mit Standing Ovations. Der 2. Vorsitzenden Andrea Wesener oblag es, das Geschenk des Chores zu präsentieren: Den Besuch eines Weingutes in Klingenmünster, damit er seinen außermusikalischen Leidenschaften frönen kann – Wein, Natur und gutes Essen.

An dieser Stelle und später noch einmal setzte sich Stéphane Bölingen an den Flügel. Mit dem ersten Anschlag versetzte er die Zuhörer in die plätschernde Romantik des „Lieds ohne Worte“ von Felix Mendelssohn. In der den Abend beschließenden Hommage an Liszt von Robert Schumann ließ Bölingen mal in der rechten, mal aber auch in der linken Hand stets die führende Stimme erkennen, trotz komplexer Umspielung. Mit ausgefeilter Dynamik gestaltete er das kleine Stück zum Kleinod. Bürgermeister Peter Hauswald (mit einem willkommenen Scheck unterm Arm) und Beat Fehlmann, Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, bekundeten ihre Glückwünsche.

Zu einem literarischen Erlebnis machte Joachim Kruschwitz als Stimme des Landratsamts seine Rede, die voller Esprit etliche wunderbare Vergleiche zog. Besonders treffend gerieten die Charakteristika der einzelnen Sänger-Typen – obwohl er selbst angeblich gar nicht singen kann. Voller Wärme waren auch die Worte der Musikschulleiterin Sabine Hermann, die weit zurück griff und noch genau erinnerte, wie der Jüngling Joachim das Schulorchester dirigierte. Sehr sympathisch kamen auch die Jugenderinnerungen des Bruders Matthias Trost an. Beinah sprachlos ob dieser Welle von Zustimmung, Dank und Lob ergriff endlich auch der Maestro selbst das Wort. Dabei bewies er, was Oskar Rapp bereits angemerkt hatte: Auch wenn er zufrieden ist – es gibt immer noch ein „ja, aber“. Verwunderlich war bei diesem Festakt, dass vom Chor kein einziger Ton erklang. Hätten sie nicht zum Beispiel aus Händels „Messias“ singen können „Sein Joch ist sanft (His yoke is easy)“?

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