Mein
14.06.2012  |  von  |  0 Kommentare

Friedrichshafen OB Brand: Gutes Bäderkonzept braucht Zeit

Friedrichshafen -  Therme-Aus und die Nachwehen sind Thema in der Fischbacher Runde

Diesen Anblick dürfte es im Sommer wieder geben: das See- und Freibad Fischbach. Die Stadt Friedrichshafen will den Vertrag mit Thermalbad-Investor Kurt Eicher kündigen.  Bild: flugundbild.de/ Plessing



Nach dem Aus für das Eicher-Bad am Seeufer haben viele Fischbacher Bürger ihren Oberbürgermeister Andreas Brand dafür gelobt, „einen Knopf an die Sache“ gemacht zu haben. Er freue sich zwar über Lob, sagte das Stadtoberhaupt am Dienstag in einer Sitzung der Fischbacher Runde, andererseits solle sich niemand der Illusion hingeben, die Sache sei ausgestanden: „Die rechtliche Auseinandersetzung wird uns noch lange beschäftigen.“ Auch wer annehme, dass die Stadtverwaltung einen Plan B oder C in der Schublade habe, liege falsch.

„Das Nähzeug, mit dem der Knopf angenäht wurde, kam nicht von mir oder dem Gemeinderat, das Nähzeug hat Herr Eicher durch sein Verhalten selbst geliefert“, betonte Brand weiter. Er stellte klar: „Wir haben das Vertragsverhältnis für beendet erklärt. Unmittelbar danach gab es noch Gespräche mit Herrn Eicher und den Anwälten, danach gab es keinen Kontakt mehr in persönlicher Form.“ In der Stadtverwaltung sei man trotzdem nicht untätig gewesen. Als Erstes habe man das Fischbacher Bad wieder betriebsfähig gemacht und am 25. Mai eröffnet. Es sei jetzt so hergerichtet, dass es nicht nur für diese Saison weiter betrieben werden könne.

Die zweite Sache, mit der man sich auch aktuell beschäftigt, ist die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende rechtliche Auseinandersetzung mit Investor Kurt Eicher. „Herr Eicher hatte Ausgaben für dieses Projekt. Da ist es legitim, dass er versucht, davon so viel wie möglich von der Stadt zurückzubekommen.“ Nur weil man im Moment nichts von Eicher höre, solle niemand annehmen, dass das Thema erledigt sei. „Es geht hier um Geld – viel Geld.“ Man sei in einem Verfahren und auf dem Weg in ein weiteres.

Das dritte Thema, das die Stadtverwaltung in diesem Zusammenhang beschäftige, sei ein Bäderkonzept, das die Bedürfnisse von ganz Friedrichshafen berücksichtigen soll. „Wir hatten und haben hier weder einen Plan B noch einem Plan C in der Schublade.“ Bei der Bedarfsplanung, auch für das zu ersetzende Hallenbad, sei man bisher klar davon ausgegangen, dass die Eicher-Therme komme. „Es wäre verwegen, zu erwarten, dass wir in der kurzen Zeit seit Vertragsbeendigung vorzeigbare Alternativpläne hätten entwickeln können.“ Seriöse und verlässliche Planung sehe anders aus. Geklärt werden müsse: „Was machen wir für die Kinder und Familien, was für die Senioren, Vereine, Urlauber, was fürs Schul- und Sportschwimmen?“

Das Fischbacher Bad habe man aus gutem Grund so hergerichtet, dass es nicht nur dieses Jahr betrieben werden könne. Brand geht davon aus, dass der Badebetrieb in Fischbach auch im nächsten Jahr ohne größere Änderungen weitergeht. Das Bad sei nicht ausschließlich ein Fischbacher Thema, sondern Teil eines städtischen Bäderkonzeptes.

Der ursprüngliche, vor etwa zwölf Jahren vom Gemeinderat gefasste Beschluss gelte formal immer noch. Der besage, dass an dieser Stelle die Stadt mit einem Investor ein Bad mit Hotel bauen wolle. Der Gemeinderat müsse sich zunächst mit der Frage auseinander setzen, ob man diesen Beschluss jetzt mit einem anderen Investor umsetzen wolle. Zwei mögliche Kandidaten aus der Stadt, sowohl die Fränkel AG als auch Josef Wund, hätten bereits vorsorglich abgewinkt. Wenn der Gemeinderat den Beschluss ändern wolle, sei zunächst zu entscheiden, ob man weiterhin eine Kombilösung aus Hotel und Bad oder nur ein Bad wolle. Falls es nur auf ein Bad herauslaufe, sei zu klären: „Wollen wir ein Ganzjahresbad oder ein attraktiver gemachtes renoviertes Frei- und Seebad Fischbach?“ Erst dann könne man eine für die Zielgruppen passende Lösung wirklich planen.

Von den vier städtischen Bädern stünden bei zweien auf jeden Fall keine größeren Änderungen ins Haus, sagte Brand. Das Wellenbad Ailingen wurde vor zwei Jahren umgebaut und sei gesetzt, das Strandbad Friedrichshafen ebenfalls. Beim Hallenbad wird an einem Ersatz gearbeitet. „Was immer wir bei den Bädern machen, kostet Geld. Nicht nur meines oder das der Gemeinderäte, sondern Geld aller Friedrichshafener, teilweise auch Stiftungsgeld“, gab Brand zu bedenken. „Wir reden hier über zweistellige Millionensummen. Da dürfen Sie von uns erwarten, dass wir eine vernünftige, ruhige und abgestimmte Planung machen und nicht in Hektik verfallen.“

Brand war in den Pfingstferien privat in einigen Bädern schwimmen, um zu sichten, was der Markt bietet. Auch mit den Gemeinderäten wolle man sich umsehen. Eine vernünftige Planung setze eine vernünftige politische Diskussion und Beteiligung der Bürger voraus. Der Oberbürgermeister sprach sich dafür aus, konkrete Ideen – sobald der Gemeinderat welche entwickelt habe – den Bürgern vorzustellen und zum Beispiel in einer Bürgerversammlung über die alternativen Möglichkeiten zu diskutieren. „Was am Ende stehen wird, weiß ich nicht“, gab er offen zu.

Spätestens seit dem endgültigen Aus für die Thermalbad-Pläne in Fischbach ist klar: Friedrichshafen braucht ein neues Bäderkonzept.

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014