Mein
Schlagwörter


Die gesetzlichen Krankenkassen haben mit säumigen Beitragszahlern zu kämpfen. Insgesamt 1,2 Milliarden Euro fehlten deutschlandweit Ende 2011 im Gesundheitsfonds. Wir haben uns bei den lokalen Kassen umgehört.

Die Friedrichshafener Betriebskrankenkasse (BKK) der MTU habe „keine großen Probleme“ mit säumigen Zahlern, so Ralf Hirmke, stellvertretendes Vorstandsmitglied. Da die BKK eine traditionell geschlossene Krankenkasse sei, hätte sie nur Mitglieder, die noch aktuell beim Dieselmotorenbauer MTU arbeiten oder dort beschäftigt waren. „Wir haben eigentlich recht wenig Schwierigkeiten“, schildert Hirmke.

Die Techniker-Krankenkasse (TK) hat nach eigenen Angaben einen bundesweiten Schaden von 30 Millionen Euro zu verzeichnen, der durch nicht bezahlte Beiträge entstanden ist. Bundesweit zahlten 18 400 Versicherte bisher keinen Beitrag, dies sei bei insgesamt rund acht Millionen Versicherten allerdings nur ein kleiner Anteil. „Auch bei uns gibt es diese Probleme“, so die örtliche TK-Pressereferentin Nicole Battenfeld. Sie sieht die Ursache des Problems vor allem in der gesetzlichen Neuregelung aus dem April 2007: eine allgemeine Pflicht zur Versicherung wurde eingeführt. Das heißt, dass alle bis dahin Nicht-Versicherten bei denjenigen Krankenkassen aufgenommen werden mussten, bei denen zuletzt eine Versicherung bestanden hatte. Ebenfalls neu ist, dass säumige Beitragszahler nach einem Mahnungsverfahren nicht mehr einfach gekündigt werden können, es wird lediglich ihr Leistungsanspruch eingeschränkt. Somit tragen die anderen Versicherten indirekt die Kosten für diese Personen mit.

Der Pressesprecher der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), Daniel Caroppo, sieht darin ein besonderes Problem: „Der Staat müsste mit Steuerzuschüssen einspringen“, sagte er in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER. Auch die DAK sei „in gewissem Maße betroffen“. Er sehe es allerdings nicht als außergewöhnlich an, dass den Kassen Beiträge fehlen. „Durch die Bank weg sind alle Kassen betroffen. Die Zahlungsmoral unserer Kunden ist dabei nicht besonders niedrig.“

Die Barmer GEK hat bei bundesweit 48 000 Nicht-Zahlern einen Schaden von 100 Millionen Euro zu verzeichnen. Im Vergleich zu ihren insgesamt 8,6 Millionen Versicherten machen die säumigen Beitragszahler aber auch nur einen geringen Anteil von 0,56 Prozent aus. „Wir betrachten das Problem als nicht schwerwiegend und sehen uns im Vergleich zu anderen Kassen als unterdurchschnittlich betroffen“, sagt Kai Behrens aus der Presseabteilung. Er sieht die Gründe für das Ausbleiben der Beiträge vor allem in den prekären Situationen, in denen sich die Betroffenen befänden. „Oft sind es Hartz IV-Empfänger, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden.“ Aber auch freiwillige Mitglieder, wie Selbstständige, sieht er oftmals als gefährdet an. Er ist optimistisch, was die gesetzlichen Krankenkassen angeht. „Der Verband der privaten Krankenversicherung hat mit größeren Problemen zu kämpfen.“ So seien 70 Millionen Menschen gesetzlich versichert, während nur 10 Millionen privat versichert sind, und trotzdem gäbe es dort höhere Fehlbeträge.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln