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Friedrichshafen Neujahrskonzert: Philharmonie Konstanz versprüht Lebensfreude pur

Beim Neujahrskonzert liefert die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen einen mitreißend bunten Querschnitt durch die Welt der Operette. Da summt das Publikum laut mit.

Hier blitzt eine rote Fliege oder ein rotes Haarband hervor, dort ein rotes Tuch oder rot glitzerndes Muster auf einer Bluse und ganz besonders das Kleid in leuchtendem Türkis. Auch die zierliche, aber forsche Dirigentin Anna Skryleva trägt einen schwarzen Gehrock mit roter Blende. In ihrem spritzigen Neujahrskonzert a Mittwochabend peppte die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz ihre schwarze Kleidung dergestalt auf. Wie die Farbtupfer signalisieren auch die folgenden Klangfarben Lebendigkeit und pure Lebensfreude. Mit einem fröhlichen Melodienstrauß aus der Welt der Operette sprüht die Philharmonie – Garant für musikalische Genüsse – bereits in der Ouvertüre aus der Operette „Die Fledermaus“ nur so vor guter Laune. Von Anfang bis Schluss wird der Zuhörer vom flotten Tempo mitgerissen oder im seligen Walzerrhythmus hin- und hergewiegt. Doch das war erst der Auftakt, immer mehr gerät das Orchester in gewohnt blitzblankem Schliff in Fahrt. Energiegeladen schwingt Anna Skryleva den Dirigierstab, malt allerlei Klangfarben in die Luft und zeigt, wie viel Rhythmus sie im Blut hat. Hier und auch später kann sich mancher nicht zurückhalten und summt ungeniert kräftig mit.

Erfreulicherweise bereichert Intendant Beat Fehlmann dieses Jahr wieder das Konzert mit seinen humorvollen Hintergrundinformationen. Johann Strauß Sohns Zweifel am Erfolg der „Fledermaus“ – „Is des a Musik?“ – habe spätestens nach der 500. Aufführung eine Medaille zerstreut mit der Aufschrift „Is des a Musik!“. „Sind das Musiker!“, fällt einem dabei zum Orchester ein. Mit großer Musizierlust, gepaart mit ästhetischer Spielkultur und effektvoller Dynamik, glänzt dieses auch in den Auszügen aus „Die Lustige Witwe“ von Franz Lehár. Der Auftritt der jungen Solisten ist ein wahrer Höhepunkt. Die Sopranistin Mine Yücel verzaubert mit Anmut, einschmeichelnder Stimme und Höhenschimmer. Beseelt spürt sie der Sehnsucht nach dem Waldmägdelein Vilja nach, mit den Männerchören Ermatingen, Harmonie Kreuzlingen im Verbund mit den Männerstimmen des Bach-Chores Konstanz als gestandene Background-Sänger. Letztere werden anfänglich vom Orchester etwas zugedeckt und sind im Tempo nicht gleich ganz einheitlich, was sie später aber wettmachen.

Vom ersten Ton an haut einen die Bühnenpräsenz und Strahlkraft des amerikanischen Tenors Steven Ebel um. Jede Rolle, in die er schlüpft, lebt er mit Intensität und glühender Leidenschaft. Selbst den von ihm zu schmetternden Passagen gibt er eine seltene Weichheit und Geschmeidigkeit. Im Duett scheinen Mine Yücels liebreizender Charme und Steven Ebels Heldentenor wie füreinander geschaffen. Der Auszug aus „Der Wildschütz“ von Lortzing, in dem der vermeintlich geschossene Rehbock ein Esel war, bietet ebenfalls beste Unterhaltung, wo sich die Männerchöre über den munteren Jäger, den „wilden Büchsenträger“, im strammen Jagdrhythmus und viel „Trara, trara“ lustig machen.

Das Trinklied im Bettelstudent bietet ebenfalls genügend Stoff, um sich musikalisch auszuleben, und da sind Ebel und Yücel in ihrem Element.

Die Philharmonie musiziert nicht nur fabelhaft, sie erzählt auch vielerlei Geschichten, wie die vom Wienerwald von Johann Strauß Sohn, mit der ganzen, intensiv ausgekosteten Walzerseligkeit. Die an die Lieder beim Heurigen in Wien erinnernde Melodie zupft diesmal ein gewandter Zither-Spieler. Große Gefühle lässt Mine Yücel besonders im von Sehnsucht getränkten „Heia, in den Bergen“ aus der „Csardasfürstin“ sprechen. Und so klingt pure Lebensfreude: Im grandiosen Duett, „Tanzen möcht ich“ versprüht sie mit Ebel nicht nur ihr Temperament, sie dreht sich mit ihm dazu auch im Walzertakt, jetzt im leuchtend roten, schulterfreien Abendkleid. Elastisch federt die russische Dirigentin im leichtfüßigen Spiel des Orchesters mit. Johann Strauß Vater grüßt mit zwei Polkas. In der „Bauernpolka“ darf der ständig summende Besucher endlich lauthals „La la la“ mitsingen. Und „Im Krapfenwaldl“ sitzt dem Orchester beim Imitieren von Vogelstimmer der Schalk im Nacken. Auf tosenden Applaus folgt Zugabe um Zugabe, wo die Männerchöre mit einem fein und präzise gesungenen Jägerchor glänzen, und endlich auch er, der vergangenes Jahr gefehlt hatte: der beliebte Radetzky-Marsch zum Mitklatschen, die Krönung des fantastischen Neujahrskonzerts, mit impulsgebenden, inspirierenden Nebenwirkungen.

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