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Friedrichshafen Neuer Wirbel um Zustände im Tierheim

09.02.2008
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Unerklärliche Häufung von Krankheitsfällen bei Tierheimkatzen - Ehemalige Mitarbeiter erheben Vorwürfe
Sina Karbe dachte, sie würde etwas Gutes tun, als sie sich im Oktober aus dem Friedrichshafener Tierheim ein Kätzchen holte: Kiwi. Doch Kiwi musste nur vier Wochen später eingeschläfert werden. Das getigerte Kätzchen wurde im Friedrichshafener Tierheim noch vom Tierarzt untersucht, bevor Sina Karbe es mit nach hause nehmen durfte. Ihr wurde mitgeteilt, die Katze sei gesund. 90 Euro zahlte die Zahntechnikerin für Kiwi, ein Preis, den sie gerne zahlte, um die Arbeit des Tierheims zu unterstützen. Doch schon nach wenigen Tagen musste Sina Karbe mit Kiwi zum Tierarzt. Der bestätigte dann, das Tier sei krank. "Die Katze wog nur noch zwei Kilo, ihr Kreislauf war schlecht. Im Blut war der Anteil der roten Blutkörperchen gering", erinnert sich Tierärztin Anja Stark. Unklar ist, ob zum Zeitpunkt der Übergabe des Kätzchens die Krankheit bereits bekannt war. Am Ende musste das Tier eingeschläfert werden. Sina Karbe rief beim Tierheim an und verlangte die Rückgabe der 90 Euro, die sie bezahlt hatte. Dies wurde ihr allerdings verweigert, so Karbe.

Dies ist offenbar kein Einzelfall. Nach Recherchen des SÜDKURIER kauften in insgesamt acht Fällen Menschen im guten Glauben Tiere, die kurz danach krank wurden oder es vielleicht schon waren. Auch Carola Kreidler kaufte zwei kleine Kätzchen im Tierheim. Eines der Tiere war völlig verschüchtert, wollte auch nichts fressen. "Ich dachte erst, es hat Heimweh", erinnert sich die Lehrerin. Beim Tierarzt stellte sich heraus, dass die kleine Katze schwerkrank war: Leber- und Blutwerte waren nicht in Ordnung, zudem wurde FIP - eine ansteckende Bauchfellentzündung - diagnostiziert. Nach eineinhalb Wochen musste auch diese Katze eingeschläfert werden. Carola Kreidler beschwerte sich. Doch im Tierheim bot man ihr lediglich an, sie könne sich eine neue Katze holen. "Das kann doch nicht sein", regt sich Carola Kreidler auf. "Wenn ich eine Katze im Tierheim kaufe, erwarte ich, dass sie gesund ist. Ich bin enttäuscht und wütend."

Eine andere Familie, die anonym bleiben möchte, kaufte einen Kater im Tierheim. "Man garantierte mir mündlich, der Kater sei gesund, er habe nichts", erzählt die Mutter von drei Kindern. Doch kurz nachdem das Tier in der Familie war, stellte sich heraus, dass er mit einem Hautpilz befallen war, der auch auf Menschen übertragbar ist. Prompt steckten sich Mutter und Kinder an. Insgesamt zahlte sie noch Tierarztkosten in Höhe von 160 Euro. Monatelang mussten ihre drei Kinder Tabletten gegen den Hautpilz einnehmen. "Ich habe mich beschwert. Wir haben das Tier schließlich zurückgegeben."

Eine Nachbarin dieser Familie kaufte ebenfalls einen Kater im Tierheim. Kater Felix war bei den gesunden Tieren untergebracht - für die Frau ein sicheres Zeichen dafür, dass er gesund sein müsse. "Sonst hätten sie die doch isoliert, habe ich damals gedacht. Gesunde und kranke Katzen hält man doch nicht zusammen." Der Kater aber hatte FIP, wie sich kurze Zeit später herausstellte. Und musste schließlich eingeschläfert werden. Insgesamt entstanden zusätzliche Tierarztkosten in Höhe von 300 Euro. "Ich werde nie wieder ins Tierheim gehen. Ich bin stinksauer", schimpft die Frau gegenüber dem SÜDKURIER.

Die Tierheimleiterin, Doris Philipp, wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe: "Wir können eben keinen Garantieschein für die Tiere abgeben. Wir sind ein Tierheim, riesige Labortests sind nicht drin. Bei uns ist alles in bester Ordnung." Zudem vermutet sie in den Anschuldigungen negative Propaganda. "Seitdem ich das Tierheim übernommen habe, wird hier Stimmungsmache gegen mich organisiert", ereifert sich Doris Philipp.

Doch drei ehemalige Mitarbeiterinnen erheben schwere Vorwürfe gegen die Zustände im Tierheim. Nicole Mundy hatte in dem kurz vor dem Abschluss stehenden Verfahren, das zurzeit gegen die Tierheimleitung und den zuständigen Tierarzt anhängig ist (siehe Seite 19) gegen ihre ehemaligen Arbeitgeber ausgesagt. Nicole Mundy arbeitete als Tierpflegerin im Tierheim, ihre Ausbildung schloss sie mit eins ab und wurde dafür sogar von der IHK Baden-Würrttemberg ausgezeichnet. Mundy ist entsetzt über die Zustände dort und kritisiert in erster Linie, dass der zuständige Tierarzt nur sehr selten anwesend gewesen sei und sich nicht ausreichend um die Tiere gekümmert habe. Sie selbst schmuggelte manches Mal Tiere hinaus, um sie auf eigene Kosten zum Veterinär zu bringen. Eine weitere Tierpflegerin kündigte selbst - "ich habe aufgegeben", erzählt sie dem SÜDKURIER. "Wir mussten selbst entscheiden, mit welchen Medikamenten die Tiere behandelt werden. Die Unterstützung seitens des Tierarztes war meiner Meinung nach unzureichend", berichtet sie. Sie selbst möchte aus Angst nicht namentlich erwähnt werden. Auch Christine Schupp arbeitete im Tierheim. Sie war es, die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Ravensburg erstattete. Auch sie berichtet über unhaltbare Zustände im Tierheim: "Auf der Quarantänestation der Katzen geht es drunter und drüber. Frisch geimpfte Tiere kommen mit ungeimpften Katzen in Kontakt. Die Ansteckungsgefahr ist enorm", behauptet sie. "Keiner kann da noch beurteilen, ob die Tiere krank sind oder nicht", so Schupp.

Das zuständige Veterinäramt bestätigt, dass ein solcher Fall eingegangen sei. Günter Herrmann, Leiter des Veterinäramtes:"Bei den letzten beiden Kontrollen im Tierheim gab es allerdings nichts zu beanstanden. Wobei das ja immer nur Momentaufnahmen sind." Allerdings sollten Fälle wie der des Kätzchens Kiwi dem Veterinäramt mitgeteilt werden. Sina Karbe ist traurig, dass sie ihr Kätzchen einschläfern lassen musste - und wird nie wieder ein Tier aus dem Tierheim holen.

"Tiere illegal eingeschläfert", Seite 19

Tja, da haben sie wohl...
Von unbekannt
... Glück gehabt!
Meine Freundin und ich haben am Montag, den 10.
Tierheim ist sauber und ich bin damit sehr zufrieden
Von unbekannt
Ich wollt mal was dazu sagen,ich hab selbst 3 katzen aus dem Tierheim geholt,und habe keine ...
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