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Friedrichshafen Neue Wege fürs Lernen

26.01.2011


Friedrichshafen – Über die Schule der Zukunft hat Reformpädagoge Otto Herz gesprochen, der auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Zeller nach Friedrichshafen gekommen war. „Wann beginnt eigentlich die Zukunft“, fragte Herz und stellte zwei Thesen aus dem Jahr 2000 in den Raum: „Im Jahr 2020 werden allgemeinbildende öffentliche Schulen dank Laptop und Handy überflüssig.

Dafür gibt es Lernklöster, um der Gefahr, in einem Info-Tsunami unterzugehen, zu entkommen.“

Vermutlich werden diese Entwicklungen, ähnlich wie die Umsetzung der Erkenntnisse der Bielefelder Laborschule – für sie war Herz ab 1970 tätig –, ein paar Jahre länger dauern. „Bereits damals haben wir fünfjährige Kinder aufgenommen, ab dem dritten Schuljahr Englisch gelehrt und bis zum Ende der Sekundarstufe eins alle gemeinsam mit viel individueller Lernförderung unterrichtet“, berichtete Herz. Bis auf Deutschland und ein paar Schweizer Kantone haben alle europäischen Länder dieses Konzept umgesetzt. Österreich ist dabei. „Vielleicht schafft es auch Deutschland irgendwann, sich dieser Norm anzuschließen“, so Herz provokant.

Vier Grundformen des Lernens haben die Wissenschaftler herausgefiltert: Rückzug in Ruhe am eigenen Schreibtisch, Austausch in der Gruppe, Vortrag im Plenum mit vielen und Fertigung eines Werkstücks in einem speziellen Raum. „Für das Lernen ist es völlig verrückt, im Schnitt 25 Leute in einem viel zu kleinen Raum zusammenzupferchen“, so Herz. Auch dies sei bereits im Jahr 1970 erkannt worden. Ebenfalls kein gutes Haar ließ Herz an Klassenarbeiten: „Sie sind nichts anderes als organisierte Fallenstellerei.“ Viel sinnvoller seien Problemlösungen im Team. Ein weiterer Aspekt in Herz' Vortrag war der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft: „Nirgendwo ist die Koppelung so eng wie in Deutschland.

“ Die Ganztagsschule hält Herz für richtig, aber nicht als zeitliche Ausdehnung der Halbtagsschule. „Das würde das Problem noch verstärken.“

Den zahlreichen Besuchern, darunter vielen Lehrern, empfahl Herz einen Besuch des Häfler Schulmuseums. Hier werde deutlich, dass Obrigkeiten durch die Schule zu anpassungsbereiten Untergebenen kommen wollten. „Dies funktioniert im Grunde noch heute so.“ In einer demokratischen Schule der Zukunft müssten im Sinn einer Verantwortungsgemeinschaft Schüler, Eltern, Pädagogen und Partner im Gemeinwesen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Neue Lernfelder wie „Future Studies“, Übernahme von Verantwortung und eine intensive Beschäftigung mit den Weltreligionen sieht Herz auf dem Stundenplan von morgen.

Einigen waren Herz' Ziele und Visionen zu weit entfernt von der Realität an der Schule. „Nehmen Sie sich eine wichtige Aufgabe vor und beteiligen Sie die Kollegen“, empfahl Herz als ersten Schritt.

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