Mein

Friedrichshafen Mut zeigen zur Unvorhersehbarkeit von Kunst

Zum Leuchtturmprojekt desKlufterner Ortsrundwegs gibt es offene Fragen

Andreas Zehle, Beiratsvorsitzender von Kunst in Kluftern, mit einem Modell des interaktiven Kunstprojekts.
Andreas Zehle, Beiratsvorsitzender von Kunst in Kluftern, mit einem Modell des interaktiven Kunstprojekts. | Bild: Wex

Die Plastik des Künstlers Boris Petrovsky, die voraussichtlich 2014 in der Klufterner Ortsmitte aufgestellt werden soll, wirft Fragen auf. Das zeigte sie am Mittwoch in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses, wo Kunstweg-Koordinator Gunar Seitz und Andreas Zehle das Projekt vorstellten. Über die Umsetzung hat der Klufterner Ortschaftsrat schon entschieden.

Die „mediale Plastik“ wird aus zwei Glaspaneelen bestehen, die einander zugeneigt sind. Die Fragen des Kulturausschusses galten weniger der Finanzierung – einen Großteil der Kosten von rund 80 000 Euro will die Initiative „Kunst in Kluftern“ durch Sponsoren einbringen – als der Sicherheit, der Wartung und dem Konzept der Skulptur. Hat man die Finanzierung beisammen, wird der Künstler nicht einfach ein Stück „Kunst setzen“, das unwandelbar in der Landschaft steht – sondern auf den Glassscheiben des Kunstwerks werden per Webcam schemenartige Szenen übertragen, die sich auf den Straßen von St. Gallen abspielen; im St.Gallen wurde Kluftern erstmals urkundlich erwähnt. Außerdem erhält die Plastik eine Mobilfunknummer – und Jedermann kann an sie SMS-Botschaften schicken, die Zeichen für Zeichen auf den Scheiben ablesbar sein werden. In kompakter Form werden die Sätze demnach nicht aufscheinen. Das Lesen einer längeren SMS werde mühsam, aber möglich sein, so die Auskunft.

Aber macht es Sinn, jede SMS sichtbar zu machen? Was, wenn Schweinereien geschickt werden, Beleidigungen oder politisch Radikales? Gerade diese unabsehbare Komponente des interaktiven Kunstwerks ist spannend. Gunar Seitz warb denn auch mehrmals dafür, Mut zu haben und etwas zu wagen. Fest steht: Wenn das Kunstwerk die geschickten Botschaften zügig aufzeigt und so für die Bevölkerung (die lokale, regionale, vielleicht globale) attraktiv wird, ist es vorbei mit einer Kunst, die zum übersehenen Faktotum wird, weil sie immer gleich ist. Schon jetzt Maßnahmen zur Verhinderung von Auswüchsen der Meinungsfreiheit zu erwägen, würde dem Projekt eine Zwangsjacke anlegen, die gegen sein Konzept verstößt. Fragen gab es auch zur technischen Ausführung. Die Paneele werden aus Sicherheitsglas gefertigt, das stärker ausfalle als notwendig sei, sagte Gunar Seitz – gegen mutwillige Zerstörung ist das Kunstwerk aber freilich nicht gefeit. Und wie sieht es mit der Elektronik aus? Hier muss man der Auskunft vertrauen, dass die Umsetzung von einer Firma besorgt werde, die mit solcherlei Projekten Erfahrung hat. Das Kunstwerk darf wenig störanfällig sein, weil sonst die Wartungskosten steigen (zur Übernahme laufender Kosten soll ein Firmensponsor gefunden werden). Auch update-fähig muss die interaktive Kunst sein. Wenn schon nach wenigen Jahren gar nichts mehr geht – und „wenige Jahre“ sind ein langer Zeitraum im Computerwesen – wäre die interaktive Gedanke für die Katz.

Stimmungsvolle Adventsdeko, Geschenkideen für Weihnachten und vieles mehr bei SÜDKURIER Inspirationen. Jetzt Newsletter abonnieren und 10 € Gutschein sichern!
Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ?
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen-Kluftern
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen-Ailingen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren