Friedrichshafen Messerstecherei: Prozesstag bringt mehr neue Fragen als Antworten

In Prozess um eine Messerstecherei bei der Feuerwache in Friedrichshafen brachte der vierte Verhandlungstag, an dem zwei Zeugen vernommen wurden, wenig Erhellendes: Vielmehr warfen die Aussagen mehr Fragen auf, als Antworten kamen.

Im Zentrum des vierten Verhandlungstages vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg im Prozess wegen einer Messerstecherei standen zwei wichtige Zeugen. Angeklagt sind zwei Brüder im Alter von 23 und 27 Jahren sowie ein 26-jähriger Freund der beiden. Sie sollen 19. September 2016 auf einem Parkplatz gegenüber der Feuerwache Friedrichshafen unter anderem einen 24-Jährigen schwer verletzt haben.

Die Zeugen waren ein 25-Jähriger, der laut Gerüchten Beleidigungen des 24-Jährigen gegen den älteren Bruder weitergetragen und damit die Attacke angezettelt haben soll, und der 34-jährige Begleiter der beiden Opfer der Messerattacke auf dem Parkplatz. Über sechs Stunden wurden die beiden vernommen. Ihre Vernehmung warf neue Fragen auf.

Auslöser der Auseinandersetzung war angeblich, dass vor Jahren der 27-jährige Angeklagte dem 24-jährigen Opfer die Freundin ausgespannt haben soll. Dies soll sich bei einem Verwandten des 24-Jährigen wiederholt haben, berichtete der 25-jährige Zeuge. Zugetragen hatte sich dies schon Ende 2013, Anfang 2014, erzählte der Zeuge. 2015 kam es zu dem Vorfall auf der Straße: Das 24-jährige Opfer hatte erzählt, der 25-jährige Zeuge habe ihn aus dem Auto heraus angemacht. Dieser stellte jedoch den Sachverhalt genau umgekehrt dar.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 17. auf den 18. September, eskalierte dieser schwelende Streit vor und in einer Häfler Disco. Der 25-jährige Zeuge erzählte, er sei vom 24-Jährigen am Eingang angemacht worden und man sei nach draußen gegangen. Dabei habe er einen Schlag von hinten auf den Kopf bekommen. Der 24-Jährige hatte von einer Ohrfeige berichtet. Ein Verwandter des 24-jährigen Opfers, der bei dieser Auseinandersetzung dabei war, habe die Situation anschließend beruhigt. "Haben Sie Drohungen ausgesprochen?", wollte der Vorsitzende Richter Jürgen Hutterer vom 25-jährigen Zeugen wissen. "Ich? Nein!", gab dieser zur Antwort.

Ob es zu Äußerungen des 24-Jährigen zu dem Älteren der angeklagten Brüder gekommen sei? Ja, der habe "abgekotzt". Ob er anschließend mit den Brüdern Kontakt aufgenommen habe? "Null Komma Null", sagte der Zeuge. Er habe über die Beleidigungen des 24-Jährigen nicht geredet, außer mit einem Freund, der nichts weitergetragen habe. Erst drei, vier Wochen nach der Messerstecherei am Montag darauf habe er erfahren, wer die Beteiligten gewesen seien. Hutterer meinte dazu: "Wo sollen die Brüder das dann her haben? Da fallen mir im Moment nur Sie ein." Dass er vom 24-Jährigen geschlagen worden sei, habe er dem jüngeren der angeklagten Brüder aber bereits direkt nach dem Vorfall bei der Disco erzählt. Der Zeuge berichtete auch von einer späteren Auseinandersetzung in derselben Nacht in der Disco, an der die Gruppe um den 24-Jährigen, die sich "Shisha Rapper" nennt, beteiligt gewesen sei.

Der 34-jährige Zeuge wusste von insgesamt zwei weiteren Prügeleien, eine davon vermutlich mit den "Osmanen Germania", eine türkisch-nationalistische, rockerähnliche Gruppierung. Beide Male sei er zu Hilfe gerufen worden, da seien die streitenden Gruppen aber bereits getrennt gewesen. Mitglied der "Shisha Rapper" sei er nie gewesen, er habe den Namen erst später gehört.

Sonst liefen Richter, Anwälte und zuvor schon die Polizei gegen eine Wand aus Erinnerungslücken, Nichtwissen und gereizten Kommentaren zur Polizei. Der 34-jährige Zeuge berichtete zur Sache lediglich, dass er sich bemüht habe, die Gruppen auseinanderzuhalten. Hutterer machte ihn darauf aufmerksam, dass man sein Verhalten als Strafvereitelung werten könnte und seine Antworten als Falschaussage. "Ich habe heute die Wahrheit gesagt, wie alles war", antwortete der 34-Jährige. "Es reicht mir", meinte Hutterer frustriert, und an die Verteidiger gewandt: "Ich bin gespannt, was Sie rausbekommen."

Am kommenden Montag wird die Befragung des Zeugen fortgesetzt.

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