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Friedrichshafen Mensch und Tier kämpfen mit der Kälte

08.02.2012
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Die Obdachloseneinrichtungen in Friedrichshafen haben wegen der Kälte nicht mehr Zulauf als sonst. Enten und Schwänen machen die Eisflächen nichts aus. Beim bisher einzigen Rettungseinsatz lief ein vermeintlich festgefrorener Schwan einfach davon.

Die Eiszeit in Friedrichshafen geht weiter, doch anders als in den Werkstätten oder beim ADAC hat die Bahnhofsmission keinen größeren Ansturm als sonst. „Ich war überrascht, dass morgens um 8 Uhr nicht schon viele auf die Öffnung gewartet haben“, sagt Christa Dreer. Sie ist eine der drei hauptamtlichen Mitarbeiter. Mit ihren Kollegen, zu denen auch zehn ehrenamtliche Helfer gehören, versorgt sie Wohnungslose und Bedürftige mit Kaffee, Tee und Broten mit Marmelade oder Honig. „Tee bekommt jeder so viel er möchte. Kaffee gibt es in jeder Schicht nur eine Tasse pro Person“, erklärt sie.

Jeden Tag kommen zwischen 40 und 50 Menschen in die Bahnhofsmission. „Die meisten sind Stammgäste. Sie kommen morgens und mittags.“ Gegen Monatsende herrsche immer mehr Andrang, die extreme Kälte mache sich dagegen wenig bemerkbar. „Die Leute wärmen sich zwar gerne auf und lesen Zeitung, aber im Sommer sitzen sie auch hier“, sagt Gabriele Kuhnhäuser, die ebenfalls hauptamtlich in der Bahnhofsmission arbeitet. Bereits zu Winteranfang gebe es eine hohe Nachfrage nach Schlafsäcken, sagt Christa Dreer. Dinge wie diese oder auch Hefezopf als Ergänzung zu den Broten kommen als Spenden in die Bahnhofsmission. „Wir haben sogar eine Dame, die Socken und Handschuhe strickt.“ Ein spezielles Winterereignis gab es gestern aber doch, wie Gabriele Kuhnhäuser erzählt: „Jemand hat gefragt, ob er sich Wasserflaschen füllen darf, weil seine Leitungen daheim eingefroren sind.“

Wohnungslose, die ein Nachtlager suchen, kommen in der Herberge im Industrieweg unter. Dort gibt es zehn Schlafplätze für Männer. „Sie sind im Moment alle belegt“, sagt Peter Dammbacher, der die Einrichtung mitbetreut. Sollte es mehr Bedarf geben, wolle er sich mit seinen Kollegen in anderen Unterkünften wie dem Jakobushof in Böhringen oder Ravensburg verständigen. Die Wohnungslosen bekämen dann ein Zugticket, um dorthin zu fahren.

Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Friedrichshafen hatte bisher keine Einsätze wegen der extremen Kälte. „Wir gehen auch nicht davon aus, dass es ein verstärktes Aufkommen gibt. Gegen Ende der Woche soll es ja wieder wärmer werde“, sagt Rettungsstellenleiter Jürgen Ehinger. In den vergangenen Jahren habe es bei Minusgraden nur Kälteeinsätze wegen ortsunkundigen Obdachlosen gegeben.

Bis auf die Nahrungssuche macht die Kälte den Wasservögeln kaum zu schaffen. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und DLRG mussten bisher noch keine auf Eisflächen festgefrorenen Enten oder Blesshühner befreien. „Am Sonntag wurde uns ein Schwan gemeldet, der zwei Tage lang an derselben Stelle auf einer Eisfläche in Raderach gesessen ist“, berichtet Irmgard Späth, Pressesprecherin der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshafen. „Aber das war ein Fehlalarm. Er war gar nicht festgefroren.“ Als sich einer der Feuerwehrleute auf einem Eisschlitten genähert habe, sei der Schwan aufgestanden und einfach „abgedackelt“, erzählt sie.

Durch die zunehmenden Eisflächen in den Uferbereichen haben es allerdings einige Wasservögel schwerer, Nahrung zu finden. „Haubentaucher kommen weit runter, aber Schwäne und Stockenten suchen im Flachwasserbereich“, erklärt Gerhard Kersting, Leiter des Naturschutzzentrums Eriskirch. In der dortigen Bucht gebe es bisher erstaunlich wenig Eis am Ufer. „Das liegt am warmen Winter bis vor zwei Wochen.“ Es sei nicht so sehr die Kälte, dafür aber der Nahrungsmangel, der den Vögeln zu schaffen mache. „Singvögel finden keine Insekten und der Boden ist gefroren.“ Für die Wasservögel werde es auch knapper, da einige Arten am Bodensee und speziell im Eriskircher Ried überwintern. „200 000 Vögel kommen an den See. Vergangene Woche haben ich viele Mäusebussarde gesehen.“ Die eisigen Wassertemperaturen seien für die Vögel kein Problem. „Aber wenn sich ein Vogel mit nassen Füßen auf ein Metallgeländer setzt, dann kann er schnell festfrieren.“

Kersting rät, Singvögel mit Futter zu versorgen und Tiere bei Spaziergängen nicht zu sehr aufzuschrecken. „Tiere müssen Energie sparen. Wenn Fledermäuse oder Rehe aufgescheucht werden, können sie den Energieverlust vielleicht nicht ausgleichen und sterben.“

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