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Friedrichshafen Mammutbaum ist wieder verkehrssicher

29.08.2012
Friedrichshafen -  Pünktlich um 7 Uhr hat am Mittwochmorgen das Baumpflegeteam Überlingen mit dem Entlastungsschnitt des Mammutbaums in der Schmidstraße 15 begonnen. Am Abend war der Baum wieder verkehrssicher.

Die unregelmäßige Silhouette des Mammutbaums vor dem Entlastungsschnitt.

In rund 30 Meter Höhe kürzt Bernd Strasser, neunfacher Weltmeister im Baumklettern, mit der Säge überstehende Äste des Mammutbaumes ab.  Bild: Georg Wex

Marcus Pietruschinski mit einer der Astspitzen, die schnell über 50 Kilo wiegen.

Annette Neumann nimmt sich einen Ast des 35 Meter hohen Baumes vor.

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Der 148 Jahre alte Mammutbaum in der Schmidstraße 15 ist wieder verkehrssicher und bleibt stehen. „Der Mammutbaum ist nach der Sondermaßnahme Stand- und Bruchsicher“, erklärte Pressesprecherin Andrea Gärtner am Mittwochabend nach dem Entlastungsschnitt durch das Baumpflegeteam Überlingen: „Wir werden uns auf das Urteil der Experten verlassen.“

Pünktlich um 7 Uhr hatte das Baumpflegeteam am Mittwochmorgen mit dem Entlastungsschnitt an dem Naturdenkmal begonnen. Jedoch musste erst einmal der Schnitt abgewartet werden, damit das Baupflegeteam für die Verkehrssicherheit einstehen konnte. Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amts für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt, Tillmann Stottele, Leiter der Abteilung Umwelt und Naturschutz und eigentlich in Urlaub, sowie Pressesprecherin Andrea Gärtner betonten vor Ort am Morgen noch einmal, wie wichtig der Stadt das Thema ist, was Diplom-Forstwirt Marcus Pietruschinski, Chef des Baupflegeteams bestätigte.

2000 bis 3000 Bäume, davon rund 15 Mammutbäume, pflegt das Baupflegeteam im Jahr berichtete Pietruschinski. Insofern sei die Arbeit an dem Naturdenkmal im Garten des Mehrfamilienhauses auf der einen Seite Routine. Bei Mammutbäumen greife das Team auf seine Erfahrungen in der Region auf der Mainau, in Heiligenberg und Überlingen zurück. Aber auch in Freiburg, Karlsruhe und Basel war man schon im Einsatz. Auf der anderen Seite sei dieser Baum eine Herausforderung. Er habe eine sehr breite Wuchsvariante. Insofern sei es auch richtig, dass die Stadt in dem Baum ein Problem gesehen habe. Den Entlastungsschnitt könne man sich vorstellten, wie das Spitzenschneiden beim Frisör, so Pietruschinski.

Allerdings in ganz anderen Dimensionen. Ein 80 bis 100 Zentimeter langes Aststück wiege schnell mal 50 bis 80 Kilogramm. Am Ende des Schnitts steht optisch eine gleichmäßige Silhouette des Baumes, mit weniger Angriffsfläche. „Es ist super gelungen“, sagte Pietruschinski am Mittwochabend. Und Andrea Gärtner meinte verwundert: „Man sieht es dem Baum kaum an, da waren Experten am Werk.“

Weltmeister im Baumklettern packt mit an

Die Arbeiten führten gestern vier Forstwirte und Baumkletterer – Pietruschinski, Annette Neumann, Erich Fabrizius und Bernd Strasser – aus. Letzterer wurde Anfang August zum neunten Mal Weltmeister im Baumklettern in Portland in den USA. Pietruschinski und Strasser kennen sich seit der Kindheit und helfen sich gegenseitig aus.

Was man natürlich nicht garantieren könne, bei keinem Baum, seien Schäden durch einen Orkan oder schwere Schneelasten, so der Leiter des Baumpflegeteams. Mit der Stadt sei vereinbart, dass regelmäßig nach dem Mammutbaum gesehen wird. Eine Wiederholung des Entlastungsschnitts sei voraussichtlich alle fünf bis sieben Jahre nötig und normal. Dieser Mammutbaum könne bei ausreichend Wasser und Pflege noch doppelt oder dreifach so alt werden, meinte Pietruschinski.

Mammutbaum sollte am 21. August gefällt werden

Wie die Pflege in der Vergangenheit gelaufen ist, bleibt etwas im Dunkeln. Bekannt ist, dass 2000 ein Gutachten im Zusammenhang mit einer Pflegemaßnahme der Baumpflege Bodensee aus Überlingen, nicht zu verwechseln mit dem Baumpflegeteam Bodensee, zu dem Mammutbaum gab und das Naturdenkmal 2005 im Zuge der Verwaltungsreform vom Landratsamts in die Verantwortung der Stadt überging, erläuterte Stottele. Was für Pflegemaßnahmen es vor 2005 gab, sei aus den Unterlagen nicht klar zu ersehen. Bei einer routinemäßigen Kontrolle des Mammutbaums durch einen Konstanzer Gutachter im Auftrag der Stadt im Mai diesen Jahres seien Auffälligkeiten festgestellt wurden, die in einem Protokoll festgehalten wurden – kein Gutachten, so Stottele. Daraufhin sei der Verwaltungsapparat angelaufen, weil die Verkehrssicherheit durch mögliche Astabwürfe in Frage gestellt wurde.

Der Mammutbaum sollte zunächst am 21. August gefällt werden, nachdem die Hausverwaltung ohne Rückfrage bei den Eigentümern der Anfrage der Stadt zugestimmt hatte. Erst durch den von Hausbewohner Arno Kleiß angeschobenen Protest wurde der Apparat einen Tag vor dem Fälltermin gestoppt. Die Hausverwaltung hat inzwischen in einem Brief an den SÜDKURIER betont, sich an die privatrechtliche Vereinbarung zwischen ihr und den Eigentümern gehalten zu haben. Letztlich habe sich die Verwaltungsspitze entschieden, dass sich der Versuch lohnt, den Baum zu erhalten und es nicht sinnvoll sei, gegen die Mehrheit der Eigentümer zu handeln, so Stottele und Gärtner.

Zu den Vermutungen und Spekulationen, ein Baukran, der in der Nachbarschaft stand, könnte den Mammutbaum beschädigt haben, meinten Gärtner und Stottele, dafür gebe es bei der Stadt keinerlei Anhaltspunkte.

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