„Der Mammutbaum in der Schmidstraße 15 wird zunächst nicht gefällt“, teilte die Stadt Friedrichshafen am Montagnachmittag offiziell in einer Pressemitteilung ihr Einlenken mit. Die Stadt begründet den Schritt damit, dass mehrere Eigentümer des Gebäudes, bei dem das 148 Jahre Naturdenkmal steht, „Interesse an der Erhaltung des Baumes und grundsätzliche Einwände gegen seine Fällung“ angemeldet hätten. Damit sehe sie die von der Hausverwaltung erteilte Genehmigung zur Fällung als nicht mehr gegeben an. Wie berichtet, erfolgte diese Genehmigung ohne Rücksprache mit den Eigentümern – was seit Dienstag vergangener Woche bekannt war.
Bürgermeister Holger Krezer hatte nach der Bitte um ein Moratorium an Oberbürgermeister Andreas Brand Arno Kleiß, Wortführer gegen die Fällung und einer der Eigentümer, am Freitagabend ein Gespräch angeboten. Am Montagvormittag kam dies zustande. Ergebnis war, dass es bis Ende August Pflegemaßnahmen vom Baumpflegeteam Überlingen geben soll, wenn die Mehrheit der Eigentümerversammlung am Montagnachmittag zustimme. Diese Versammlung sagte die Hausverwaltung aber kurzfristig per Einwurf in den Briefkasten wieder ab. Aber Kleiß hatte bis zum Abend fünf der acht Unterschriften der Eigentümer gegen die Fällung. Wegen der Astabbrüche wird das private Gartengelände im Bereich der Kronentraufe gesperrt.
Kleiß meinte, bei der Stadt habe man inzwischen die politische Dimension verstanden, die das Vorhaben, den Baum zu fällen, ausgelöst hat. Krezer habe gesagt, dass OB Brand sich aus dem Urlaub im Hintergrund zu Wort gemeldet habe und Wert auf den Dialog mit den Bürgern lege. Wie berichtet, kamen rund 100 Menschen zu dem Protest am Samstag und 120 Unterschriften wurden gesammelt. Kleiß weist darüber hinaus darauf hin, dass das Überlinger Baumpflegeunternehmen laut seines aktuellen Pflegeanbots für das Naturdenkmal die Verkehrssicherheit (außer bei Orkanen) nach dem Entlastungsschnitt bescheinigen würde. Zudem gibt es Zweifel, ob die Stadt nach dem Gutachten im Jahr 2000 ihrer Verpflichtung zur Pflege des Baumes ausreichend und regelmäßig nachgekommen sei. Zweifel herrschen außerdem an dem Gutachten des amtlich bestellten Gutachters aus Konstanz. Dies entkräftet eines der Hauptargumente der Stadtverwaltung, die Verkehrssicherheit sei nicht gewährleistet oder nicht mehr zu gewährleisten. Kleiß ruft aber weiterhin zur Wachsamkeit auf, was zeigt, wie tief das Misstrauen gegenüber Teilen der Stadtverwaltung, öffentlich bestellten Sachverständigen und der Hausverwaltung sitzt.
Krezer erklärt in der Pressemitteilung allerdings: „Wir hatten unsere Entscheidung ausreichend geprüft und waren, basierend auf dem vorliegenden Gutachten, zu dem Ergebnis gekommen, dass der Mammutbaum gefällt werden muss.“ Dies hätte unverzüglich und zum Wohl der Bürger erfolgen müssen. Aber auch: „… uns geht es um die bestmögliche Lösung.“
