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Friedrichshafen Lust auf Technik schon früher wecken

Ein Kongress über die Zukunft der Mint-Berufe fand am Mittwoch in Friedrichshafen statt. Rund 240 Lehrkräfte und Erzieher kamen zu den Veranstaltungen des Arbeitgeberverbands Südwest-Metall.

Mit der Lust auf einen Beruf rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik ist das so eine Sache. Der eine hat sie, der andere nicht. Liegt das daran, dass diese Themengebiete schon in der frühkindlichen Bildung als auch in den allgemeinbildenden Schulen eher unterrepräsentiert sind? Das soll sich in Zukunft ändern – diese Absicht verfolgt der Kongress „Mint – Zukunft schaffen“, zu dem der Arbeitgeberverband Südwest-Metall gestern in Kooperation mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu Fortbildungsveranstaltungen und Workshops ins Dornier-Museum, ins Zeppelin-Museum und zu ZF eingeladen hatte.

Rund 240 Lehr- und Fachkräfte aus Schulen und Kindertageseinrichtungen aus ganz Baden-Württemberg nahmen teil. Eine nachhaltige Verankerung der frühen naturwissenschaftlichen Bildung im Kindergartenalltag und eine Unterstützung der Fachschulen für Sozialpädagogik bei der Herausbildung eines naturwissenschaftlich-technischen Profils im Rahmen des landesweiten Projekts Technik-Erzieherinnen-Akademie (TEA) soll – zunächst bis 2020 – vorangetrieben werden.

Eine entsprechende Vereinbarung wurde von Johannes Krumme (Südwestmetall), und Hildegard Rothenhäusler (Ministerialrätin im baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport) unterzeichnet. „Gerade bei Mint-Fachkräften sorgt der demografische Wandel für einen hohen Ersatzbedarf“, sagte ZF-Vorstandsmitglied Jürgen Holeksa in seiner gestrigen Grußrede. „Jedes Jahr scheiden beispielsweise etwa 40 000 Ingenieure aus dem Erwerbsleben aus.“ Hinzu kämen Tausende Mathematiker und Naturwissenschaftler. Diese aktuellen und künftigen Ruheständler müssten in Zukunft kontinuierlich ersetzt werden.

„Denken lohnt sich! Ohne die Erfindung der Glühbirne müssten wir zum Beispiel heute noch bei Kerzenlicht fernsehen!“ Das weiß nicht nur Vince Ebert, diplomierter Physiker und Moderator der ARD-Sendung „Wissen vor acht“, der seinen Vortrag im Dornier-Museum wie gewohnt humoristisch gestaltete. Zu denken, Spaß zu haben und Erfahrungen mit ganz praktischen Übungen zu machen, diese Gelegenheit gab es für Schüler aus der Region im Discover-Industry-Truck bei der ZF.

Mit einem 3D-Scanner ein virtuelles Design erstellen? Das hört sich auch für Kylie Plath, Lara Magnus und Fabienne Arnold, 16-jährige Schülerinnen der Kursstufe ein im Häfler Karl-Maybach-Gymnasium spannend an. Einen Roboter programmieren, der auf einem Brett verschiedene Punkte ansteuern kann, ohne eventuelle Hindernisse zu berühren? Genau das Richtige für Celine Kaufmann, Michelle Schmidt und Donato Dolino. „Hier bekommt man interessante Einblicke und kann ganz neue Sachen ausprobieren“, sind sie sich einig.

Ortswechsel: Beim Workshop „Alles dreht sich! Technische Bildung in Einrichtungen frühkindlicher Pädagogik“ geht es zum Beispiel um die Frage, was wäre, wenn das Rad nicht erfunden worden wäre, und um die Aufgabenstellung eine Kugel von A nach B zu befördern – gearbeitet wird mit einfachen Dingen, die im Kindergarten vorhanden sind oder leicht beschafft werden können. „Wir wollen Berührungsängste abbauen und zeigen, dass man mit Kindern forschen kann, ohne selbst ein technisches Genie zu sein“, betont Südwestmetall-Projektleiterin Christiane Huber. Mission geglückt: „Klasse Veranstaltung! Gerade das praxisbezogene Arbeiten gefällt mir sehr gut“, sagt etwa Sarah Ostwald, Erzieherin aus Weinstadt.


Was ist Mint?

Mint ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Nach aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur sind rund 7,5 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland in einem Mint-Beruf beschäftigt. 86 Prozent davon arbeiten im Bereich Technik – zum Beispiel als Elektroniker, Heizungsbauer, Schreiner. Jeder elfte Mint-Beschäftigte arbeitet in der Informatik oder Softwareentwicklung, nur etwa fünf Prozent haben ihren beruflichen Schwerpunkt in Mathematik oder Naturwissenschaften. Gut 60 Prozent der Arbeitnehmer haben eine duale oder schulische Berufsausbildung, jeder Vierte kann einen Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss vorweisen, nur rund 15 Prozent haben eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung absolviert. (ght)

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