Mein
 

Friedrichshafen Liebeserklärung ans Ried

„Patiencestunde“ – Ilse Klauke aus Eriskirch hat unter Pseudonym einen Roman geschrieben

Ilse Klauke lebt seit über 30 Jahren mit ihrer Familie in Eriskirch. Sie ist gelernte Kindergärtnerin, hat später Museumsführungen gemacht und übersetzt immer wieder aus dem Italienischen. Nun hat sie – unter dem Pseudonym Ilse Simondet – den Roman „Patiencestunde“ vorgelegt. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Eriskircher Ried.

Müsste Janne, die Hauptfigur, ihr Lebensgefühl beschreiben, würde sie sagen: „Eine Randerscheinung. Auftauchen und wieder verschwinden, sich rar machen, vergessen machen.“

Für Janne bedeutet Patience „eine Alternative zum Leben in der Verharrung.“ Es ist das ideale Hilfsprogramm des Bewusstseins, nimmt jedoch einen größeren Raum ein, „weil es im Leben sehr viel mehr zu verdrängen als anzunehmen gibt“. Patiencen legen um das Leben bewältigen zu können, für Janne bedeutet das, „in jeder Anarchie eine Gesetzmäßigkeit (zu) finden“. Ein großes Versprechen, ja sogar ein großer Trost spricht aus diesen Zeilen. Ilse Simonet scheint diese Ordnungsfindung mittels ihres Sprachvermögens hinreichend zu gelingen; auf jeden Fall so, dass man ihren Roman mit anhaltender Spannung und Freude liest.

Feinsinnige Dialoge und Überlegungen zu weltanschaulichen Fragen wie Marxismus-Sozialismus, Religion oder Behinderung, in denen die Autorin ihre biographischen Daten verarbeitet, werden in einer schwebenden Sprache in farbig transparenten Bildern gesponnen.

Da ist zunächst Cosima, die Großmutter Jannes. Sie ist auch diejenige, von der das Mädchen Janne das Spiel abgeschaut und gelernt hat. „Cosimas Hände waren voller Landschaften und Geschichten. Sie erzählen vom Leben eines Bauernmädchens, das sich in die Stadt verlief.“ So fädelt die Autorin die Geschichte ihrer Ahnen auf, der Herkunft ihres Vaters als uneheliches Kind, das Leben ihrer Großmutter an der Seite eines Uhrmachers, der sie mit ihrem unehelichen Kind heiratete und den ihre Patienceleidenschaft nicht störte. Alle Fragen des Mädchens Janne, nach den Herzdamen, den Königinnen und Buben, wie sie sind und wie sie zueinander finden, wusste die Großmutter Cosima geduldig zu beantworten. „Für das Kind Janne waren die Karten zu Menschen aus ihrer Familie geworden, zu solchen, denen sie eine besondere Bedeutung zuschrieb.“

Ein weiteres wichtiges Element diese Romans sind die Gänge im Ried. Diese Gänge durchziehen das Buch wie Wasseradern oder auch wie Rituale, die sich fest in den Lauf der Tage einbinden. Vor allem sind es die Singschwäne, die es Janne angetan haben. Sie versammeln sich im Ried, zunächst im Winter, und sind nur sehr schwer zu sehen. Aber dort findet die Hauptfigur die Loslösung ihrer Alltagsprobleme, erfindet neue Möglichkeiten, macht Entwürfe für ein neues und anderes Leben nach ihrer Scheidung. Im Ried findet ihr Schauen fast kein Ende, dort findet sie die nötige Abgeschiedenheit und Gelöstheit ihrer Gedanken und ihrer Nöte: „Wenn Janne am Ufer steht und hinter wandernden Nebeln den See sucht, ist sie allein, aber nicht einsam.

Geräusche dringen an ihr Ohr, sie mischen sich mit lauten, wie in Watte gepackten Töne, ein welkes Blatt das knisternd den Boden berührt, ein Flügelschlag, ein Vogelruf, das ferne Quietschen eines Krans, der die letzten Boote aus dem Wasser hievt. Der See entledigt sich der lauten Spuren des Sommers.“

Kein Buch ohne Liebesbeziehung! Janne lernt bei ihren Spaziergängen Georg kennen, einen leidenschaftlichen Ornithologen, dem sie nach und nach immer mehr zu einer Begleiterin wird. Auch in diesem Punkt bleibt dieses Buch eine Randerscheinung – die Liebesbeziehung bleibt platonisch. Auf amüsante und humorvolle Weise beschreibt die Autorin die Annäherungen, Anziehungen und Überlegungen. Sie will – und meint dies auch zu müssen – ihrer behinderten Schwester Lale treu bleiben, denn Lale kann nicht alleine leben. Ebenso bleibt sie ihrer Nachbarin, der „Kümmerling“, eine fürsorgliche Freundin. Sie wird ihre Begleiterin bei deren Klosterbesuch und ihre Gesprächspartnerin in ihrem Entscheidungsprozess eines Klostereintritts. Janne versucht ihre Liebeskraft gleichmäßig zu verteilen.

Eine erstaunliche Ausgewogenheit spiegelt sich schließlich in der Sprache dieses Romans, der es an Metaphorik nicht mangelt.

Ilse Simondet: Patiencestunde, herausgegeben von Dodo Wartmann – GamY, 16 Euro, ISBN 978-3-8442-22264-7

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Wahre See-Liebe – Neue SEEStücke auf SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren