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Friedrichshafen Lebensgefahr in zehn Kilometern Höhe

11.02.2009
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„Jetzt oder nie!“ lautete das Motto der zweiten „Filmtage Friedrichshafen“, die am vergangenen Wochenende im Kiesel des Medienhauses zu erleben waren. Diese Veranstaltung will Newcomern und Außenseitern ein Forum verschaffen – natürlich mit der Hoffnung auf wachsenden Bekanntheitsgrad und Öffentlichkeit.

Filmemacher und Regisseur Thomas Latzel strahlte beim Anblick der wohlgefüllten Zuschauerreihen im „Kiesel“. Das Motto „Jetzt oder nie“ kann in mindestens zweierlei Hinsicht auch für seinen Dokumentarfilm „Reise zum Horizont“ gelten. Zum einen ist er Latzels Erstlingswerk. Zum anderen beschreibt er den tollkühnen Entschluss einer 68-Jährigen, das Gleitschirmfliegen zu erlernen.

Nach Jahren der Fernseh-Arbeit beschloss Thomas Latzel, „beflügelt“ von seinen ersten Gleitschirmflug-Erfahrungen: Ich mache einen Film, einen abendfüllenden. Übers Gleitschirmfliegen, oder fachmännisch: Hängegleiten. Aufgehängt an individuellen Geschichten und Geschicken.

Er fand die schon sehr erfolgreiche Ewa Wisnierska. Eine junge Frau aus Polen, die nach der Wende in Deutschland Fuß gefasst, ein Café eröffnet und wieder geschlossen hatte, um sich professionell dem faszinierenden Gleiten in den Lüften zu verschreiben. Sie wiederum empfahl ihm als Antagonistin die 68-jährige Dörte Schwarz.

Die Flugaufnahmen wurden überwiegend von einem Hängegleiter aus gedreht, da die Verwirbelungen eines Hubschraubers viel zu gefährlich sind für die sensiblen Gleitschirme.

Der Film begleitet abwechselnd Etappen im Leben der beiden Frauen als Hängegleiterinnen. Die eine im bunten Trubel des internationalen Wettkampfgeschehens, die andere mit ergreifenden Erfahrungen der Frustration, des dennoch nicht ersterbenden Ehrgeizes, der am Ende durch die bestandene Prüfung belohnt wird.

Doch auch Profi Ewa wird durchaus von Ängsten, von Zweifeln oder Mutlosigkeit gebeutelt. Besonders nach einer „harten Landung“, einem Absturz, der vergleichsweise glimpflich abging. Viel erschütternder war ihr traumatisches Erlebnis in Australien. Da wurde sie während eines Gewitters in viel zu großer Höhe bewusstlos, die Handgriffe entglitten ihr, der Schirm flog weiter, wurde in 10 Kilometer Höhe hinaufgesogen. Sie kam wieder zu sich, schaffte es, die Griffe in die Hände zu bekommen und zu landen. Unten erfuhr sie zudem, dass nur 500 Meter von ihr entfernt ein chinesischer Sportskollege vom Blitz getroffen worden war.

Zwischen den Flug-Erlebnissen kommen die Frauen zu Wort. Ehrliche, bittere oder fröhliche Worte, philosophische Monologe, psychologische Erkenntnisse. Die liebenswerte Pilotin Dörte Schwarz beeindruckt durch ihre Willensstärke. Geduld hatte sie im Übermaß lernen müssen bei der jahrzehntelangen Pflege ihres behinderten Mannes. Ewa bezieht furchtbar gerne ihre Familie mit ein. Verblüffenderweise gelingt es ihr, die Mama im Tandemflug mitzunehmen ins Himmelsblau.

Auch für die Ohren ist der Film ein Erlebnis. Von ehrfürchtiger Stille bis zu betäubendem Lärm in brasilianischen Straßen, von hämmernder Musik bis zu seidigen Cello-Tönen sind die akustischen Elemente gekonnt dazu komponiert.

Diesem privat, ohne Fördergelder finanzierten Film ist von Herzen Erfolg zu wünschen, zumal er eine wenig bekannte Sportart zeigt und vor allem sehr nahe gehende menschliche Entwicklungen behutsam begleitet.

Sabine von Bellersheim

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