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Friedrichshafen Kunstfreunde glänzen mit Ironie

08.09.2008
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"Solange ich Oberbürgermeister bin, unterstütze ich den Kunstverein gerne." Dieses Bekenntnis legte Josef Büchelmeier bei der Feier zum 25. Geburtstag des Friedrichshafener Kunstvereins im Restaurant des Zeppelin-Museums ab.

Friedrichshafen - Den Wahlkampf um den OB-Stuhl wollte er damit nicht einleiten, sondern er legte ein Bekenntnis ab - und überreichte dem Vorsitzenden des Kunstvereins, Volker Westphal, zumindest verbal, einen "virtuellen Scheck". Ein Zehntel des üblichen Jahreszuschusses der Stadt machte der Oberbürgermeister dem Kunstverein zum Geschenk, und nicht nur dafür erntete er Applaus - denn Büchelmeier stellte die Qualität der im Kunstverein gezeigten Kunst heraus, indem er auf den Rest verwies: "Manches, was in der Stadt als Kunst öffentlich ausgestellt ist, gefällt mir besser, wenn es verhüllt ist."

Gut 100 Mitglieder des Kunstvereins und andere Kunstfreunde feierten das Vereinsjubiläum am Freitagabend, und es wären noch mehr gewesen, wenn der Platz ausgereicht hätte. Zum Fenster warf der Verein seine "Kunstgelder" mit dieser Feier übrigens nicht hinaus: 15 Euro Unkostenbeitrag wurde am Eingang von den Gästen kassiert; verwirrend war nur, dass der Verweis aufs Einlassgeld auf der Einladung vergessen worden war, wofür sich der Vorstand auch entschuldigte.

Der Kunstverein setzte sich bei diesem Anlass nicht etwa aufs hohe Ross der Kunst. Man feierte sich nicht selbst, sondern schuf eine zwanglose Atmosphäre.

Dinnerjazz war es gewiss nicht, was Bernd Konrad zum Abend beitrug: Der in Konstanz lebende Saxofonist und Professor für Popularmusik und Jazz an der Musikhochschule Stuttgart verband in seinem Spiel geschmeidig fließende Passagen mit extrem kurz geblasenen, perkussiven Tönen, die man vielleicht mit einem Kontrabass verbinden würde; dem gewöhnlichen Klangbild eines Saxofons sind sie jedenfalls fremd. Aufgeboten wurde mit Bernd Konrad aber nicht nur ein internationaler Spitzenjazzer - auch vom Schweizer Künstler Christoph Rütimann wurde die Musik auf die Spitze getrieben; auf die Spitze der Stacheln von Kakteen, mit denen Rütimann Musik machte. Rütimann strich und zupfte an den Stacheln, und durch Mikrofone übertragen, entstanden trappelnde, wuselnde, bis hin zu harschen Klangbildern. Fast wäre diese Kaktus-Performance übrigens ausgefallen: Der Zoll wollte Rütimann nicht erlauben, seine Kakteen, in denen die Beamten keine Instrumente, sondern nur geschützte Pflanzen erkannten, von der Schweiz nach Deutschland zu bringen. In letzter Sekunde gelang es dem Vorstand des Kunstvereins, Kakteen aus Überlingen zu organisieren.

Diese Episode war nur die aktuellste in Volker Westphals Ausführungen über "Kleine Katastrophen und andere Kuriositäten" aus der Geschichte des Kunstvereins. Da war etwa der belgische Künstler Panamarenko, der 1985 bei seiner großen Ausstellung in Friedrichshafen mit seinem Mentor Jan Hoet in Streit geriet und ihn quer durch Friedrichshafen jagte; oder jene Performance mit polnischen Künstlern, die 1998 eine aus Latten, Draht und Folie konstruierte Weltkugel durch die Stadt rollten - nur, dass die Kugel sich zunehmend auflöste und das Lattengerüst an ein Passionsspiel erinnerte; Jesus auf dem quälenden Weg nach Golgatha Westphal verklärte Kunst nicht zum Heiligtum, sondern zeigte mit Selbstironie, dass Pannen dazugehören, will man das Häfler Publikum mit Kunst "versorgen".

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