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Friedrichshafen Kunst darf auch mal sexy sein

Diesen Freitag ist Kunstfreitag. Viele Vernissagen sind geboten, geöffnet ist von 19 Uhr bis Mitternacht

Marx triff Monroe – das Kunstvideo „After the Empire“ von Elodie Pong, zu sehen in der ZU.
Marx triff Monroe – das Kunstvideo „After the Empire“ von Elodie Pong, zu sehen in der ZU.

Vor einem Jahr sorgte das Impulsreferat von Wendelin Renn beim Friedrichshafener Kunstfreitag für Aufregung: Renn hatte sich despektierlich über Hobbykünstler geäußert. Ob das Impulsreferat an diesem Kunstfreitag, 21. Januar, um 19 Uhr im Kiesel, wieder die Reihen der Zuhörer spaltet? Christoph Bauer, Leiter des Städtischen Kunstmuseums Singen, spricht zum Thema „Kunst und Publikum“ – und er nennt seinen Vortrag eine „kleine polemische Betrachtung“.

Der Kunstfreitag geht 2011 in sein zehntes Jahr und langweilig dürfte es kaum werden: Überall ist an diesem Freitag Neues zu sehen. Im Kiesel zeigt das Kulturbüro im Anschluss an das Impulsreferat in einer Endlosschleife Kurzfilme der holländischen Initiative „Upload Cinema“ – gezeigt werden insgesamt 38 Kurzfilme von zusammen 80 Minuten Länge. Alle Videos stammen aus dem Internet und umkreisen das Thema „Icons“ – Zeichen. Ikonographische Darstellungen begleiten uns, etwa als Handlungsanleitungen, durch den Alltag. Franz Hoben vom Kulturbüro verspricht „kurzweilige, innovative und sexy Kurzfilme“ – teilweise mit 30 Nackten vor der Kamera, die sich, nur mit einem schwarzen Balken „bekleidet“, so gruppieren, dass die Balken Zeichen bilden.

Im Zeppelin-Museum ist das vergangene Woche eröffnete Bürgerprojekt „24 Stunden Friedrichshafen“ zu sehen – 20 Fotoserien von Häfler Amateurfotografen, die hinter die Kulissen der Stadt schauen. Von einigen der beteiligten Fotografen sind weitere Bilder zu sehen: Jürgen Berthold und Andreas Bänsch zeigen ihre besten Bilder als Diashow. Adam Wist, Chris Werner und Moritz Kempf zeigen ihre Arbeiten im Dialog.

Nebenan, im Grenzraum des Zeppelin-Museums, ist die neue Fotoausstellung „Laufsteg Luftschiff“ zu sehen, mit Modeaufnahmen, die die Fotografin Angelika von Braun 1937 vor der Kulisse der Hindenburg gemacht hat. Die Ausstellung wird mit Zufallsfunden aus dem Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH gestaltet – vermehrt um neue Aufnahmen der Friedrichshafener Fotografin Lena Reiner. Sie zeigen Teile einer neuen Kollektion der Häfler Modedesignerin Christine Frischmuth, die sich von den historischen Fotos zu eigenen Entwürfen anregen ließ. Die Modeaufnahmen entstanden in der Hindenburg-Rekonstruktion und vor der Kulisse des Zeppelin NT.

Im ZF-Turmatelier im Zeppelin-Museum zeigt die neue ZF-Stipendiatin Nevin Aladag Videos und Fotografien. Die in Wangen/Allgäu und Stuttgart aufgewachsene Künstlerin mit kurdisch-türkischen Wurzeln beschäftigt sich mit den Möglichkeiten einer selbstbestimmten Identitätsbildung. Aladag schreibt Identität nun aber nicht fest, sondern macht sie zum komplexen und gewitzten Spiel: So hat sie in Berlin-Kreuzberg Anwohner nach ihrem Lebensgefühl befragt – und die Tonaufnahmen wurden dann vor der Kamera von einem Schauspieler nachvollzogen, der nur die Lippen bewegte. „Ich“ ist immer ein anderer.

Ab 21 Uhr spielen im Foyer des Zeppelin-Museums die Sängerin Mia Weirich und ihre Band swingenden Jazz, Funk und Bossa Nova. Veranstaltet wird der Auftritt vom Verein Jazzport.

Im Kunstverein am Buchhornplatz ist erstmals die Ausstellung „Der elektrische Körper“ mit Performance-Videos und Fotografien von Heike Aumüller zu sehen. In ihren Selbstinszenierungen befreit sie den weiblichen Körper von gewohnten Bedeutungszuschreibungen. In nicht ungefährlichen Aktionen macht sie etwa in vor dem Abriss stehenden Häusern ihren Körper zum Teil des Raumes, bis der Leib wie ein Ding wirkt.

Die Galerie Bernd Lutze eröffnet eine Ausstellung mit afrikanischer Kunst, die sich außerhalb des sonstigen Künstlerprogramms der Galerie bewegt. Gezeigt werden selten zu sehende Mutter-Kind-Figuren, in denen es nicht, wie bei uns im Westen, um die Darstellung glücklicher Mutter-Kind-Beziehungen geht, sondern um das Überleben in einer von übernatürlichen Kräften beherrschten Welt. Die Skulpturen erbitten Fruchtbarkeit oder sollen, wenn ein Kind gestorben ist, seinem Geist als Heimstatt dienen.

In der Plattform 3/3 im Fallenbrunnen wird als Bürgerprojekt zum 200. Geburtstag Friedrichshafens um 21 Uhr die Ausstellung „Wie Friedrichshafener Künstler ihre Stadt sehen“ eröffnet. Gezeigt werden Arbeiten von Jutta Karbus, Erika Lohner, Natascha Maier, Ingrid Schmidt, Günther Schulze, Waltraud Späth, Hildegund Wendel und Erika Zehle. Auch Brigitte Meßmer beteiligt sich: Die Künstlerin und SPD-Stadträtin hat auf ihre Stadtratsitzungsvorlagen anspielungsreich „Heilige Kühe“ gemalt...

Die Zeppelin-Universität zeigt am Campus im Fallenbrunnen 18 neben bereits bekannten Arbeiten viel Neues: Andrew McNiven rückt in Fotografien die kuratorische Arbeit in den Blick – und die Frage, inwieweit der von ihr geschaffene Kontext es ist, der Kunst erst zu Kunst macht. Elodie Pong lässt in einem Video Marx auf Monroe treffen, Elvis auf Mini-Maus. Lorenz Widmaier beschäftigt sich in Fotos mit der Rolle des Okkulten in Jakarta (Indonesien), während im Foyer die größte Wandzeichnung der ehemaligen ZF-Stipendiatin Sandra Boeschenstein zu sehen ist. Ole Aselmann wiederum, der auch den Kunstbus bespielt, ist bekannt für bühnenartige Installationen, für raumgreifende Gesamtkunstwerke aus Industriemüll. Beim Kunstfreitag wird seine Installation die Eindrücke verarbeiten, die er während einer Fernwanderung nach Peking machte.

Christoph Bauer hält das Impulsreferat.
Christoph Bauer hält das Impulsreferat.
Die Galerie Lutze zeigt afrikanische Figuren.
Die Galerie Lutze zeigt afrikanische Figuren.
„Curtain House Bern“ von Nevin Aladag.
„Curtain House Bern“ von Nevin Aladag.

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