Das sind ja ganz neue Töne! Noch sind sie nicht vernehmbar, sind erste Ideen in einem Konzept. Was da auf Notenpapier im Graf-Zeppelin-Gymnasium entsteht, davon träumt wohl jeder Musikfreund: dass seine Komposition – wie immer sie auch ausfällt – von einem hochqualifizierten Orchester mit einem renommierten Dirigenten auf einer großen Bühne zur Aufführung kommt.
Und genau das passiert nächstes Jahr im Mai: In dem überregionalen Kompositionsprojekt „Klangvisionen” komponieren Schülergruppen aus Donaueschingen, Freiburg, Friedrichshafen und Kaiserslautern für das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. In kreativer Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Kompositionssprache von Helmut Lachenmann, einem der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart, der das Projekt zudem begleitet, erarbeiten die Jugendlichen Eigenkompositionen für Streichorchester.
Zum Abschluss des Projektes kommen diese vom SWR Sinfonieorchester – international eines der herausragenden Ensembles für Neue Musik – gemeinsam mit „Double” von Helmut Lachenmann für 48 Streichinstrumente und weiteren Werken an verschiedenen Standorten zur Aufführung, unter anderem im Graf-Zeppelin-Haus. Chefdirigent Sylvain Cambreling, das Orchesterkollektiv sowie die einzelnen Musikerinnen und Musiker verfügen über außergewöhnliche Kompetenz und Erfahrung in diesem Bereich.
Der Musikpädagoge Matthias Handschick, Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Klangbaustelle Waldshut” und mehrfacher Preisträger der Kulturstiftung der Länder „Kinder zum Olymp” und „teamwork! – neue musik erfinden” betreut das Projekt pädagogisch und unterstützt die mitwirkenden Schulklassen und Lehrer.
Ausgewählt wurden Schüler aus den Oberstufen-Klassen, im GZG aus dem Seminarkurs für Musik. Doch soll hier keine Elite gefördert werden. Vielmehr will man in einer Zeit, in der das Interesse für klassische und zeitgenössische Musik zunehmend verloren geht, Jugendlichen einen Zugang zur spezifischen Ästhetik Neuer Musik und deren komplexem Potenzial ermöglichen und sie diese intensiv erleben lassen. Obwohl zum Teil noch wenig Kenntnisse vorhanden sind, überraschen die Schüler durch Mut und kühne Ideen.
In diesem Musikvermittlungsprojekt arbeiten die Schülergruppen an verschiedenen Standorten, jedoch miteinander vernetzt. Klare Parameter sind zwar einzuhalten, ihrer Kreativität sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Am vergangenen Donnerstagabend brachten drei Schülergruppen im Graf-Zeppelin-Gymnasium ihre ersten Versuche unter Anwesenheit von Sylvain Cambreling, dem Projektleiter Wolfram Lamparter, Matthias Handschick sowie den Musiklehrern des GZG, Christian Cöster und Arno Kleiß, vor kritischen Ohren auf den Prüfstand. Viel Zeit und Aufmerksamkeit widmete Cambreling den Arbeiten der Schüler, ein deutliches Zeichen seiner Wertschätzung. Um ihnen auf die Sprünge zu helfen, gaben er und Handschick wertvolle Tipps und Verbesserungsvorschläge für eine aufführungsfähige Komposition, zum Beispiel die Töne nicht nur aufs Papier zu bringen, sondern sie auch mal anklingen zu lassen.
Jetzt heißt es, noch einen Zahn zulegen: Bis Januar müssen die Arbeiten in einem einigermaßen akzeptablen Zustand sein, um sie nach Fasnacht dem Orchester vorstellen zu können. Ob die Arbeiten der einzelnen Schülergruppen am Ende zusammenzuführen sind oder als einzelne Sätze bestehen bleiben, ist noch offen.
Für die Schüler ist dieses Projekt eine enorme Chance. Derart beflügelt, gehen sie hoch motiviert und mit viel Spaß ans Werk. Wie es letztendlich ausgeht, ist ungewiss. Auf jeden Fall aber bleibt es spannend bis zuletzt.
