Friedrichshafen Kluftern steht durch immensen Zuzug vor Herausforderungen

Derzeit entstehen 275 neue Wohnungen in Kluftern. Das machte Ortsvorsteher Michael Nachbaur beim Bürgergespräch des SPD-Ortsvereins deutlich. Weil viele neue Familien in den Ort ziehen, werden momentan händeringend Lösungen für die Kinderbetreuung gesucht.

Friedrichshafen-Kluftern – Es ging um das "Scharfe Ecke", um das Traube-Areal, um die Verkehrsmediation. Aber was die Teilnehmer des SPD-Bürgergesprächs am Donnerstag in Kluftern am meisten bewegte, war eine so klare wie folgenschwere Tatsache: Die Gemeinde wächst rasant – schneller als die Infrastruktur. Stichwort: Kindergarten und Schule.

So war es kaum verwunderlich, dass unter den mehr als 30 Besuchern des Abends viele junge Eltern waren, die wissen wollten, wie die Kinderbetreuung in ein paar Jahren aussehen soll. Die Botschaft, die Ortsvorsteher Michael Nachbaur der Versammlung mitbrachte, enthielt allerdings mehr Improvisation als dauerhafte Lösung: Container sollen helfen. Immerhin müsse man in den nächsten vier Jahren mit immensem Zuzug von Familien rechnen, erklärte er.

Denn es wird überall gebaut, rechnete der Ortsvorsteher am Podiumstisch vor, an dem auch die beiden SPD-Ortschaftsräte Wolfgang Sigg und Bernd Caesar zur Verfügung standen. In Efrizweiler etwa entstünden zur Zeit etwa 90 neue Wohnungen. Nur einige davon werden in dem Baugebiet Im Winkel errichtet, bei den meisten gehe es um eine Nachverdichtung, wo es bereits Wohnhäuser gibt. Dann gibt es in Kluftern das Baugebiet Lachenäcker, wo 100 Wohnungen gebaut würden. Zusammen mit kleineren Projekten werden es im Ort 120 neue werden. Mit noch einmal 30 zusätzlichen im Weiler Lipbach kommen rund 275 neue Wohnungen zusammen, die etwa 600 Menschen in die Gemeinde bringen werden. "Das ist einerseits sehr positiv", meinte Nachbaur. Von dem Zuzug profitierten die Geschäfte. Aber die Infrastruktur insbesondere bei der Kinderbetreuung müsse erst noch geschaffen werden. Dabei sei die Voraussetzung jetzt schon problematisch: "Der Kindergarten ist voll und platzt aus allen Nähten."

Der Ortschaftsrat habe reagiert und wolle erreichen, dass Kluftern im neuen Kindergartenbedarfsplan berücksichtigt wird, wodurch zusätzlicher Platz und neue Stellen für die Betreuung geschaffen werden. Allein: Mit dem Bauen komme die Stadt nicht nach. Die Containerlösung solle als Übergangslösung dienen, bis ein Neubau Abhilfe schafft. Auch werde gerade eruiert, ob Interesse an einem Waldkindergarten nach dem Vorbild von Ailingen bei den Eltern Anklang finden würde. "Das würde gewisse Entlastung bringen." Die Eltern vernahmen die Nachricht ruhig. Angesichts der Notsituation kam aus der Versammlung auch ein ungewöhnlicher Vorschlag: Ob denn nicht der Raum der Narrenzunft im Kindergarten genutzt werden könnte. Es kam auch die Rechnung auf, dass der Kindergarten-Not eine Not in der Schule folgen könnte: Es würden wenigstens acht neue Schulräume benötigt. "Es passiert einiges bei uns", fasste der Ortsvorsteher zusammen.

Keine Zustimmung habe im Ortschaftsrat der Plan eines dreistöckigen Wohn- und Geschäftshauses auf dem Traube-Areal mitten in Kluftern erhalten, erklärte Bernd Caesar der Versammlung. "Es passt nach unserer Meinung dort nicht hin." Leichtes Schmunzeln rief ein anderes Vorhaben des Ortschaftsrats hervor: Auf dem Friedhof soll es demnächst eine Handkarren-Pfandstation geben – ähnlich wie es sie in Supermärkten bereits gibt.

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