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Friedrichshafen - Klinikum zeigt Kunst von Herbert Leichtle

Große Skulpturen und Bilder des Wolfegger Künstlers sind im und um das Klinikum-Gebäude zu sehen. Die Skulptur „Bruder Martin oder der junge Luther“ hat Leichtle aus Resten des ehemaligen Altars der Häfler Nikolauskirche hergestellt

„Allein, miteinander, rostend, blutfarben, nicht immer schön, freudig, den Blick zurückgewandt, suchend, in sich gekehrt, tanzend“ – Mit diesen Worten beschreibt Herbert Leichtle seine über 20 Skulpturen, die in den nächsten Monaten in und um das Klinikum Friedrichshafen zu sehen sind. Es geht dabei um Menschenfiguren, um menschliche Werte und Bedürfnisse. „Es reicht“ – so der Titel der Ausstellung, wobei das „t“ am Ende grafisch etwas herunterfällt und somit aus der scheinbar politischen Parole „Es reicht“ das Wort „reich“ wird. Aber was ist reich? Wer ist reich? Und wann reicht es – und wann nicht?

Im Dialog mit Krankenhaus-Seelsorgerin Ulrike Hermann versuchte der Künstler bei der Vernissage am Dienstag, sich diesen Fragen zu nähern. Sehen wir, wie gut es uns geht, wie reich wir sind? Dass genug da ist? Dass es für alle reicht? Und hier in einem Krankenhaus, in dem täglich geboren und gestorben wird, in dem Freud und Leid so eng beieinander liegen: Gibt es hier womöglich eine andere Werteskala, ein anderes Verständnis von Reichsein?

Herbert Leichtles Kunst behandelt diese Themen immer wieder auch aus einer religiösen Perspektive. Biblische Gestalten tauchen auf. So recken sich Adam- und Eva-Figuren auf dem Vorplatz des Klinikums nach den „Früchten im Paradies“. Und wenige Meter weiter wendet sich die imposante Skulptur „Bruder Martin oder der junge Luther“ mit segnender Hand in Richtung Krankenhaus. Die steinerne Kutte seiner Luther-Figur hat Leichtle übrigens aus Teilen des alten Altars der Häfler Nikolauskirche gefertigt. Alle seine Skulpturen, so der 1960 in Ravensburg geborene Künstler, seien „autobiografische Figuren“. Denn immer stecke in seinen Werken auch ein Teil von ihm. „Ich kann nichts machen, was mich nicht selbst bewegt.“ Er hoffe, dass seine Figuren auch die Betrachter berühren.

Für Klinikum-Geschäftsführer Johannes Weindel ist das bereits jetzt, wenige Tage nach dem Aufbau der Skulpturen, der Fall: „Noch nie gab es so viele Reaktionen auf Exponate wie bei dieser Ausstellung.“ Weindel bezeichnete die Werke als mutig und bedankte sich bei dem Künstler, „dass er das Risiko eingegangen ist, an einem ungewöhnlichen Ort eine Ausstellung aufzubauen“. Dabei sei ein Krankenhaus durchaus ein sehr sinnvoller Platz für Kunst. So stelle er immer wieder fest, „wie heilsam, wie wertvoll der Kontakt von Patienten, Besuchern und auch Mitarbeitern mit der Kunst“ sein könne. „Ganz sicher gehört zum Wohlbefinden mehr als die Abwesenheit von Krankheit“ so der Geschäftsführer. „Und ganz sicher gehört zu Heilung mehr als gute Diagnostik, Therapie und Pflege.“

Zu Erbauung und Ruhe laden Werke wie „Sterngucker“, „Vogelfänger“ oder „Jacobs Kampf mit dem Engel“ ein, die einem rund um das Klinikum begegnen. Das wohl spektakulärste Exponat findet sich hinter der Cafeteria-Terrasse: die „Grabung“. Das große Loch in der Wiese und die ausgehobene Erde dahinter, in einem Glaskasten aufgeschichtet, machen neugierig. Der Clou: Beugt man sich etwas weiter über den Schacht, fällt der Blick des Betrachters auf einen am Boden angebrachten Spiegel – und damit auf sich selbst und auf den strahlend blauen Himmel oder auch graue Wolken im Hintergrund. Das Werk symbolisiere „die Beziehung zwischen Horizont und Himmel“, so Leichtle. Es gehe um „Leben, Sterben und Transzendenz“. Und für Klinikum-Geschäftsführer Weindel ist es „eine Auseinandersetzung mit einer anderen Dimension“.

Die Ausstellung im Außenbereich des Klinikums Friedrichshafen läuft noch bis Anfang November. Die Skulpturen und Bilder im Kapellenflur, der Mitarbeiter-Cafeteria und der Kapelle des Krankenhauses sind bis 6. Juli zu sehen.

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