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Friedrichshafen Kinderschutzbund: Kindernest auch in den Ferien gut besucht

Auch in den Ferien ist das Kindernest des Kinderschutzbunds in Friedrichshafen beliebter Anlaufpunkt für Eltern und Kinder. Die Eltern können hier ihren Nachwuchs stundenweise betreuen lassen. Auch Touristen nutzen das Angebot, um beispielsweise in Ruhe ein Museum besuchen zu können.

Das Team der Ortsgruppe Friedrichshafen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) hat auch in den Ferien viel zu tun. Bekanntestes Angebot dürfte das Kindernest in der Altstadt sein. Das Haus in der Schanzstraße 19 mit dem blauen Elefant am Giebel und dem kleinen Spielplatz davor steht am Eingang der Fußgängerzone. Der Elefant ist ein Qualitäts- und Gütesiegel, das vom DKSB nach strengen Kriterien vergeben wird. Die Ortsgruppe erhielt die Auszeichnung vor sechs Jahren als zweiter Verein in Baden-Württemberg und konnte sie bisher wiederholt verteidigen.

Das Kindernest ist ein offenes Angebot, wo ohne vorherige Anmeldung Kinder vom Babyalter bis sieben Jahren stundenweise bis ganztags betreutwerden, wenn die Eltern dringende Termine haben oder aus persönlichen Gründen ihren Nachwuchs kurzfristig unterbringen müssen. Je eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin oder Babysitterin umsorgen die kleinen Gäste. Für die geplante Zeit im Kindernest müssen Essen, Getränke, Windeln und Wechselwäsche mitgebracht werden. Erzieherin Sabine Huster erklärt: „Es ist ein reines Betreuungsangebot ohne pädagogisches Konzept, denn wir wissen ja nie, wie viele Kinder kommen, oder in welchem Alter die Kinder sind, die gebracht werden.“ Das Team agiere individuell entsprechend der Bedürfnisse.

In den Ferienzeiten von Kindergarten und Grundschule kommt es schon mal vor, dass so viele Kinder kommen, dass an der Tür das Schild „vorübergehend keine Aufnahme möglich“ hängt. Die jeweiligen Erzieherinnen entscheiden, was machbar ist. Deshalb schwankt die Gruppenstärke je nach Alter und Betreuungsaufwand zwischen zehn und 15 Kindern, und nach drei Stunden kann die Situation schon wieder ganz anders sein. Gisela Jäger Leins, eine der beiden Vorsitzenden der Ortsgruppe, berichtet: „Da kommen Kinder von Urlaubern, die in Ruhe ins Museum gehen wollen, da brauchen Eltern zweimal wöchentlich drei Stunden Zeit, um einen VHS-Kurs zu besuchen. Oder eine alleinerziehende Mutter, die wieder ins Arbeitsleben einsteigt, braucht eine Überbrückung, bis der Kindergartenplatz bereit steht. Aktuell werden auch Kinder von Asylbewerbern hier betreut, während die Eltern Behördengänge erledigen – wir haben eine bunte Mischung, die uns jeden Tag neu fordert.“

Zu der unteren Wohnung mit den Spielzimmern wurden im Lauf der Jahre zwei weitere Wohnungen im Haus angemietet. Neben einem kleinen Büro sind hier die Bereiche „Offener Kleiderschrank“ und „Begleiteter Umgang“ untergebracht. Beim begleitenden Umgang geht es um Vorträge, Beratung und Mediation für Trennungs- und Scheidungsfamilien sowie allgemeine Familienbetreuung mit pädagogischen oder psychologischen Hilfsangeboten. Das Angebot des „Kleiderschranks“ sei manchmal eine eher lästige Arbeit für die zum großen Teil ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Vereins. Im „Kleiderschrank“ können sich Eltern Kinderbekleidung und Ausstattung aus zweiter Hand eindecken.

Gisela Merath-Pfister, die zweite der beiden Vorsitzenden der Ortsgruppe, klagt: „Neben vielen ordentlichen Dingen werden immer wieder Taschen mit ungewaschener oder gar kaputter Kleidung vor unsere Tür gestellt.“ Dann müssten die Helfer schauen, wie sie den Müll loswerden. „Wir sind dankbar für alles, was sauber und in Ordnung ist, auch für Spielsachen, Kinderwagen und andere Bedarfsartikel, aber wir haben weder die Zeit noch Möglichkeiten, etwas zu waschen oder zu putzen.“ Mit einem Müllproblem haben die Mitarbeiter beim Kinderschutzbund auch auf dem Spielplatz zu tun, der zum Kindernest gehört. Immer wieder werden Flaschen, Tüten oder Zigarettenkippen über den Zaun geworfen.

Stolz berichten die Leiterinnen über das Angebot der Neugeborenen-Besuche. Die Eltern erhalten bei einem persönlichen Hausbesuch acht bis neun Wochen nach der Entlassung aus der Klinik die Häfler Kindertasche mit einem Bilderbuch, einem Waschlappen, einem Familienwegweiser und vielen Infobroschüren. Die Kindertasche enthält außerdem einen Willkommensbrief vom Oberbürgermeister und wurde in Kooperation mit der Stadt Friedrichshafen entwickelt, von der sie auch gesponsert wird. Jäger-Leins betont: „Sponsoring ist bei unseren vielfältigen Aufgaben überhaupt ein wichtiger Punkt.“ Der Kinderschutzbund erhalte finanzielle Unterstützung von der Stadt, vom Deutschen Kinderschutzbund, von Betrieben und Privatpersonen. Jäger-Leins sagt: „Wir sind aber von der Briefmarke bis zur Raummiete immer von Spenden abhängig.“

Dankbar haben die Vorsitzenden daher erst jüngst einen Scheck über 2000 Euro von „C&A“ in Friedrichshafen entgegengenommen. Mit dem Geld wird die Spülmaschine ersetzt, die ungeplant kaputt gegangen ist. Auch für Babysitter-Kurse sowie die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter wird ständig Geld benötigt.

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