Carl Herzog von Württemberg, Sohn der Stadt Friedrichshafen, bleibt auch beim gestrigen Neujahrsempfang auf Schloss Altshausen seinem Ruf als unerbittlicher Mahner zu politischen Themen treu.
Er hatte Empfehlungen für das Poesiealbum von Kanzlerin Angelika Merkel bereit, ebenso wie klare Forderungen in Sachen regionalem Straßenbau an die neue grün-rote Landesregierung in Stuttgart.Der Chef des Hauses Württemberg, an seiner Seite Herzogin Diane sowie sein Sohn Friedrich mit dessen Frau Marie, richtete in seinem Begrüßungsreigen besonders herzliche Worte an Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand.
Herzog Carl erinnerte daran, dass sich Friedrichshafen im vergangenen Jahr an die Gründung der Stadt vor 200 Jahren durch König Friedrich erinnerte. „Dieses besondere Jubiläum wurde vielfältig gefeiert, so vielfältig eben, wie die Stadt selbst ist“, hob der Redner hervor. Gerne sei er Gast beim großen Festakt zu Beginn des Jubiläumsjahres gewesen. „Ebenso gern war ich Gastgeber beim Tag der offenen Tür in Schloss Friedrichshafen.“ Er habe sich über die große Resonanz aus der Bevölkerung riesig gefreut.
Mit aus seiner Sicht leisen und zurückhaltenden Tönen beschäftigte sich Carl Herzog von Württemberg mit den politischen Themen, die derzeit Deutschland, Europa und die Welt beherrschen. Er hätte den Verantwortlichen zwar gerne „den Marsch geblasen“, wolle seiner Ansprache aber Zurückhaltung auferlegen. Breiten Raum nahm dabei die Euro-Krise ein. An den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff aus Ravensburg gewandt sprach Herzog Carl von einer führenden Rolle Deutschlands in Europa. „Diese Position ist aber auch mit einer besonderen Verantwortung für die Geschicke Europas verbunden.“ Ausgehend von der Leistungsfähigkeit des Landes dürfe Deutschland durchaus eine Führungsrolle in Europa beanspruchen. „Wir sollten aber darauf achten, Partner nicht zu Gefolgsleuten zu degradieren!“ Er empfange Signale von Freunden aus dem Ausland, die die starke Position Deutschlands zwar schätzen, den Stil der Führungsrolle aber hinterfragen. Carl Herzog von Württemberg bat den Abgeordneten Schockenhoff, dieser möge doch bitte der Bundeskanzlerin behutsam folgende Gedanken in deren Poesie-Album schreiben: „Wer führen will, muss Vorbild sein, muss aber auch motivieren und mitnehmen können.“
Sowohl an den grünen Landtagsabgeordneten Manfred Lucha als auch an den früheren Verkehrsminister von der CDU Rudolf Köberle appellierte der Redner, dafür zu sorgen, dass „Baden-Württemberg auch weiterhin positive Maßstäbe setzen kann – in der Bildungspolitik, in der Wirtschaftspolitik“. Lucha, bekannt als begeisterter Bahnfahrer, wurde aufgefordert, sich weiterhin für die Elektrifizierung der Südbahn einzusetzen. Die nächste Bitte dürfte bei Lucha eher verhalten angekommen sein: „Vertreten Sie die Belange Oberschwabens ebenso, wenn es um den Bau von Straßen geht, auch von Bundesstraßen.“ „Setzen Sie sich für die Fortführung der Bundesstraße 30 südlich von Ravensburg ebenso ein, wie für den Bau der neuen Trasse der B 31 von Friedrichshafen bis Immenstaad!“