Jeder muss mal Urlaub machen. Weil aber in Irlands wildem Westen die Knochen vom vielen Radeln, Wandern oder Kajakfahren schmerzen und die Augen vom Bewundern der herrlichen Natur ganz erschöpft sind, tut abends Entspannung Not. Und wo kann man besser entspannen als in einem typisch irischen Pub, wo das Guinness so unvergleichlich schmeckt. Aber Achtung: Es ist EM-Zeit – auch und gerade in Irland eine absolute Ausnahmesituation.
Mittwoch, 19 Uhr Ortszeit, im beschaulichen, aber wunderschönen Städtchen Ennis. Der Weg führt zum „St. Patrick's“, vom freundlichen Hotel-Portier empfohlen. Doch der Heilige hat kurzzeitig dem neuen König Fußball weichen müssen. „Wir haben das Lokal für die Wochen der Europameisterschaft in ‚Trappatonis‘ umbenannt“, sagt Barkeeper Gavin selbstbewusst. „Schließlich haben wir es ihm zu verdanken, dass wir zum ersten Mal seit 1988 wieder bei der EM dabei sind.“
Das Lokal ist gut gefüllt, auch wenn die eigene Mannschaft heute spielfrei hat. „Deutschland gegen Holland ist ein echter Klassiker. Klar, dass wir dabei sind“, sagen Jimmy und John, die wie fast alle anderen Anwesenden zu den Stammkunden gehören. Logisch, dass in diesen Tagen der Fußballeuphorie Gavin das Guinness noch schneller zapfen muss als sonst. Auch Colm, genannt „Red“, ist ein ausgewiesener Fan des Spiels um das runde Leder. „Ich trainiere selbst einige Jugend-Mannschaften“, plaudert er munter drauf los. „Ich hoffe in erster Linie auf ein gutes Spiel.
“ Julian outet sich hingegen mutig, „keine Ahnung“ von Fußball zu haben, und sich im Grunde nur wegen seines Kumpels Mike das ganze Spektakel anzuschauen. Mike mag Messi – aber besonders auch die Deutschen und ihre Eigenschaften als Turniermannschaft. Eddie bleibt ganz stoisch, aber nicht lange. Höchste Zeit für die ersten Tor-Schreie, nachdem Gomez bereits zweimal für Deutschland eingelocht hat. Wie es um die eigene Mannschaft steht, will die neugierige Fragestellerin aus Deutschland natürlich auch wissen. „No chance“, glaubt der eine. „Wir müssen Spanien schlagen, dann ist alles noch drin.“ „Wunder gibt es immer wieder“, hofft der andere.
Was, schon Halbzeit? Welche Biersorten es in Deutschland gibt und was es mit dem Reinheitsgebot so auf sich hat – auch darum geht es in dieser launigen deutsch-irischen Runde. Zeit auch, um über erste Urlaubserlebnisse zu sprechen. Gut, eine deutsche Flagge mitgebracht zu haben – sie geht mittlerweile durch alle Reihen. Fast schade, dass das Spiel nach 90 Minuten schon vorbei ist. Nicht vergessen, die E-Mail-Adressen mit den neuen „best friends“ auszutauschen.
Fazit: Spiel gewonnen, jede Menge Spaß gehabt. Für jemanden, der sich mit Fußball eigentlich nicht so recht auskennt, hat es kaum jemals einen schöneren Fußballabend gegeben. Und morgen schaue ich das Spiel Irland gegen Spanien an – und drücke alle Daumen für die Iren. Versprochen.
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