Friedrichshafen Im Opti übers Mittelmeer: Geschwistertraining des Württembergischen Yachtclubs

Vor Portoroz üben Geschwister der Regattakinder vom Bodensee segeln. In Slowenien trainieren sie in einem Starkwindgebiet. Neun Kinder zwischen sieben und neun Jahren sind mit dabei.

Friedrichshafen – Sieben Jahre ist sie alt und ist schon von Slowenien nach Kroatien gesegelt: „Wir waren ganz weit draußen“, erzählt Laetitia Egger begeistert und zeigt auf die Bucht vor dem slowenischen Küstenort Portoroz: „Bis über die Mitte!“ Es war ihr erster Tag auf dem Mittelmeer. Sonst segelt sie mit ihrem Optimist „Schnaggi“ auf dem Bodensee vor Seemoos, im vergangenen Sommer hat sie angefangen.

Zum ersten Mal bietet der Württembergische Yacht-Club (WYC) ein Geschwistertraining in einem Starkwindgebiet an. Neun Kinder zwischen sieben und neun Jahren sind dabei. Die Älteren trainieren nebenan für die Opti-Regatta, Laetitias große Schwester Victoria und Rubens Bruder Lukas sind dort gemeldet. Oder sie sind eine Bucht weiter auf den größeren 420ern unterwegs wie Helenes drei Schwestern.

Bis die Kinder aufs Wasser kommen, dauert es: Eltern und Kinder holen die kleinen Segelboote von den Hängern und machen sich ans Aufbauen. „Ich check das nicht – ich meine, ich weiß, wie es geht, aber ich kriege es nicht hin“, jammert die achtjährige Valentina beim Segelaufziehen. „Das kriegen wir hin“, sagt Trainer Leon Zartl. „Was soll ich mit meiner Persenning machen?“ fragt Ruben. „Zusammenlegen und in den Clubbus bringen!“ „Meine Rolle ist schon wieder weg“, stellt Helene fest. Alle helfen beim Suchen. „Stellt Euch vor, es ist Ostern und ihr sucht Eier“, empfiehlt Zartl – und muss nachher doch das Ersatzteil besorgen.

„Die Idee ist, dass die jüngeren Kinder nicht nur gelangweilt am Ufer herumsitzen. Da sollen sie lieber selber segeln“, sagt Zartl. Er will den Kindern vor allem Spaß am Segeln vermitteln, obwohl er durchaus ernsthaft mit ihnen trainiert. „So kommen sie mal weg von ihrem Heimatrevier, können neue Erfahrungen sammeln und die Angst vor Starkwind verlieren“, sagt er. In diesem Frühjahr haben die Kleinen Glück: Der Wind ist im Vergleich zu den Vorjahren eher mild. „Bei Starkwind wären wir nur mit einem Boot rausgegangen und hätten durchgetauscht.“ Zartl hat selbst auf dem Opti angefangen, jetzt absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr beim WYC. Kotrainerin Anne Mündermann kommt aus Radolfzell – ihr Sohn Nick macht auch mit, Tochter Kira segelt bei den Großen.

Laetitias Eltern haben eine Woche Urlaub genommen für den Segelausflug ihrer Töchter. „Wir sehen das als Familienurlaub“, sagt Jaqueline Egger-Bruck. An- und Abreise sind anstrengend – außer Kindern und Klamotten müssen die Boote verladen und per Hänger nach Slowenien gezogen werden. Vater Patrick Egger hält viel vom Kompakttraining: „In sechs Tagen segeln die Kinder so viel wie in der ganzen Saison auf dem Bodensee, sie bekommen ein Gefühl fürs Schiff, Wind und Wasser.“ „Im Boot sind sie auf sich gestellt, das stärkt Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung“, ist seine Frau überzeugt. Rubens Mutter Ann Voltmer hat sogar eine Konzertreise mit ihrem Chor abgesagt. „Mein Sohn kommt so ausgeglichen und entspannt vom Segeln zurück, das ist es mir wert“, sagt sie.

Hans-Peter Niedermeier steht jedes Mal bis zu den Knien im Wasser, wenn es losgeht. Nicht nur Tochter Elisabeth braucht Hilfe: Er holt Slipwägen ans Ufer und hält Boote fest, damit die Kinder einsteigen können. Seine Gleichung ist einfach: „Ich möchte Zeit mit meiner Tochter verbringen, sie will segeln, also mache ich mit.“ Schon vorher ist Einsatz gefragt. Boote verleiht der Verein, aber jedes Kind braucht Schwimmweste, Neopren- oder Trockenanzug, Schuhe und Handschuhe – für Valentinas Vater Roberto Casini eine Investition in die Zukunft. „Wenn die kleinen Geschwister auch segeln lernen, können sie mich mitnehmen.“

Für den letzen Tag haben die Trainer ein eigenes Rennen geplant, aber das fällt buchstäblich ins Wasser. Am Samstag wechseln Gewitter, Regengüsse und Flaute. „Zieht eure Segelsachen an, dann bleibt ihr trocken“, rät Trainerin Mündermann. Während ihre Eltern unter Bäumen oder in Cafés Schutz suchen, hüpfen die Kinder durch Pfützen, entdecken den Spielplatz neu oder spielen „Ninja“.

In der Woche auf dem Mittelmeer haben die kleinen Geschwister viel erlebt: Sie sind weite Strecken gesegelt, haben kentern geübt, sind gegen den Wind gekreuzt und wissen, wie Abschleppen auf dem Wasser geht. Vom Meer aus haben sie bei der Regatta der Großen zugeschaut. Fast 500 Optis aus ganz Europa waren am Start. Bei einem Ausflug auf dem Motorboot haben sie Delfine gesehen. „Erst war da nur ein Kopf, aber dann ist einer hinter uns aus dem Wasser gesprungen“, erzählt Helene. „Sie waren nur einen Meter vom Boot weg“, ergänzt Laetitia. Jetzt kann ihre Saison zu Hause losgehen – nachdem die Eltern Kinder, Optis und Motorboote wieder an den Bodensee transportiert haben.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren