Neben Internetabzocke ist unerlaubte Telefonwerbung häufigstes Thema in der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale
Friedrichshafen (kp) Irgendwann war die Rentnerin aus Friedrichshafen bei 85 Gewinnspielen gelistet, sie wurde mit unzähligen, unerlaubten Werbeanrufen terrorisiert, durch die ihr kostenpflichtige Gewinnspiele untergeschoben wurden. In einem Monat buchten verschiedene Firmen bei der Seniorin insgesamt 5000 Euro vom Konto ab. Dann wandte sich ihr Bruder an die Verbraucherzentrale.
Dort sind solche Probleme mit dubiosen Unternehmen, die Verbrauchern mit Werbeanrufen teure Verträge oder Abonnements unterzuschieben versuchen, Alltag. „Viele denken – vor allem die ältere Generation –, dass ohne Unterschrift kein Vertrag zustande kommt“, sagt Verbraucherberaterin Sandra Bertiller, doch das sei nicht der Fall. Nach der jetzigen Gesetzeslage sei Telefonwerbung zwar verboten, aber ein Vertrag kann trotzdem rechtsgültig zustande kommen. Deshalb fordern die Verbraucherschützer die so genannte Bestätigungslösung. „Wir wollen, dass es zu den Verträgen am Telefon eine Unterschrift bedarf“, sagt Bertiller.
Denn die unlauteren Firmen werden immer dreister. „Ein neuer Trend ist, dass Verbraucher einen Brief erhalten, in dem es heißt: ‚Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen. Rufen Sie unter der kostenlosen Nummer an‘ “, erzählt Bertiller. Mit dieser Taktik umgehen Unternehmen das gesetzliche Verbot der Telefonwerbung.
Sandra Bertiller empfiehlt, „achtsamer zu sein, wenn etwas ins Haus flattert“. Zudem sollten am Telefon keinerlei persönliche Daten preisgegeben werden. Ihrer Erfahrung nach sind es meist ältere Menschen, die auf die Abzocke hereinfallen. Menschen, die kaum Kontakt zu anderen haben und sich über die Aufmerksamkeit am Telefon freuen. Falls es bereits zu spät ist und Geld abgebucht wurde, rät Bertiller den Verbrauchern, sich zu wehren, anstatt sich von Inkasso-Schreiben einschüchtern zu lassen.
Ebenfalls ein großes Thema für die Verbraucherschützer ist die Internetabzocke. „Hier ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten“, weiß Bertiller. Deshalb werden seit Jahren an Schulen Vorträge gehalten, um Jugendliche für das Problem zu sensibilisieren.
Viele Bürger nehmen die Beratung der Verbraucherzentrale in Anspruch, wenn es um Finanzberatung geht. Dabei lassen sie ihre Geldanlageverträge ausführlich von den Verbraucherschützern begutachten. Mit ernüchterndem Ergebnis: Von 120 untersuchten Beratungen sei keine dabei gewesen, die „ideal“ war, so Verbraucherberater Frank Mangler. „Bei der Hälfte stand klar der Verkauf im Vordergrund.“ Der Bedarf des Einzelnen spiele kaum eine Rolle. Die Falschberatungen würden sich durch die ganze Branche ziehen – egal, ob Banken, Versicherer oder Finanzdienstleister. Mangler empfiehlt deshalb eine unabhängige Beratung.