Diese wunderschönen langen Beine sind ein Hingucker. Frauen erblassen vor Neid und Männer haben nichts davon. „Verlieben Sie sich nicht in mich!“ warnt diese die Frau auf der Bühne des kleinen Zeltes. Anziehend, verführerisch, klug und verblüffend echt ist sie doch nicht das, was sie zu sein scheint: Marlene Dietrich. Chris Kolonko zaubert eine Illusion auf die Bühne und lässt die Dietrich lebendig werden. Er nimmt das begeisterte Publikum mit auf eine Reise, die den Glamour der goldenen Zwanziger versprüht und die Tragik des Krieges nicht verschweigt. Während dieser Reise durch Marlenes Leben schlüpft Kolonko nicht nur äußerlich perfekt in die Rolle. Inspiriert durch seine Hauptrolle in dem Musical „Ich, Marlene“ begann er Ende der 1990er, sich intensiv mit Marlene Dietrich zu beschäftigen, studierte Bücher, Videos und Reportagen. Kolonko lebt die Marlene mehr als dass er sie spielt. Stundenlang könnte er Anekdoten aus ihrem Leben erzählen und ihre Lieder singen. Daher stört ihn weder der Sturm, der außerhalb des Zeltes tobt, noch der Regen. „Ich werde für Sie singen, bis dieses Wetter vorbei ist“, beruhigt er die Zuschauer. Nie um einen treffenden Kommentar verlegen und mit Marlenes Verführerblick in den Augen bezieht Kolonko das Publikum stets ins Geschehen mit ein, auch die Kinder in der ersten Reihe. Für viele junge Menschen ist der Name der Frau, die einst nicht nur Männern den Kopf verdrehte, sondern auch Hosen für Frauen salonfähig machte, kein Begriff mehr.
Kolonkos faszinierende Hommage an die Dietrich mag mithin Erinnerungen bei den Älteren wecken und ein Zuwachs an Geschichtswissen bei den Jüngeren sein. Mit Marlene Dietrich verbindet sich weitaus mehr als nur der „Mythos vom blauen Engel“. Sie, die Mann und Kind in Berlin zurückgelassen hatte, um in Hollywood ihr Glück zu suchen, wusste, was sie zu tun hatte. „Während Marlene Cowboyfilme drehte, brannte der Reichstag“, erzählt Kolonko. Eine Einladung von Himmler nach Deutschland lehnte sie ab und nahm stattdessen die amerikanische Staatsbürgerschaft an. „Manche Texte sind leider realer und aktueller als je zuvor“, kommentiert Kolonko den Song „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“. Lebensfreude und Witz kommen bei einem Marlene-Dietrich-Abend wie diesem natürlich nicht zu kurz. Mit Chansons und frechen Liedern beeindruckt er alias sie das Publikum, aber nicht nur damit. Singend wechselt Kolonko die Kleider. Während er die Lebensstationen der Dietrich Revue passieren lässt, wird er mit Marlene älter. „Quand l'amour meurt“ fehlt im Repertoire ebenso wenig wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Pianist Christian Gall hat großen Anteil daran, wenn das Publikum bei der „feschen Lola“ schier aus dem Häuschen gerät und bei getragenen Stücken gebannt dieser angenehm tiefen und weiblich klingenden Stimme lauscht.
Seit mehr als 20 Jahren bietet das älteste und schönste Zeltfestival in der Bodenseeregion im Friedrichshafener Uferpark ein Kultur- und Aktivprogramm für alle Altersstufen. Tausende Besucher zieht es Jahr um Jahr auf die Kulturmeile, wo Musik, Theater, Kabarett und mehr Programm sind.
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