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29.03.2008  |  0 Kommentare

Friedrichshafen "Ich bin Bushido so unendlich dankbar"

Friedrichshafen -  "Ersguterjunge"-Rapper Kay One aus Ravensburg, der vor zwei Wochen bei "The Dome 45" auf der Bühnestand, erzählt im SÜDKURIER-Interview über seinen Werdegang und seine Zukunftspläne.
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Friedrichshafen  Dome Roter Teppich_Teil1
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Friedrichshafen  The Dome roter Teppich Teil2
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Friedrichshafen  The Dome Show

Kay One (links) bei den "MTV European Music Awards" mit Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls und seinem Mentor Bushido.



Vor zwei Wochen bei "The Dome 45" in der Messe Friedrichshafen: Unter dem tosenden Gekreische tausender Jugendlicher stürmen die Berliner Rapper Bushido und Baba Saad auf die Bühne, um ihre neueste Hit-Single "Regen" zu performen. Mit von der Partie ist auch der zu Bushidos Rap-Crew "ersguterjunge" gehörende Newcomer Kay One.

Überall, wo Bushido derzeit auftaucht, findet man den aus Ravensburg stammenden Kay One an dessen Seite. Im Grunde gibt es nichts, was die beiden Rapper nicht gemeinsam machen. Der SÜDKURIER sprach mit Kay One über seinen Auftritt, seine Vergangenheit, sein Werdegang und seine Pläne für die Zukunft.

Kay, als Ravensburger ein Dome-Auftritt in Friedrichshafen. Wie war das Gefühl, quasi in alter Wirkungsstätte zu performen?

Ich war jetzt schon drei Mal beim Dome dabei und es ist immer noch alles neu für mich. Jeder Auftritt ist für mich richtig krass. Der Dome in Friedrichshafen war da natürlich etwas ganz Besonderes. Ich komme aus dem Süden und ich habe die tolle Stimmung hier selbstverständlich auch mitbekommen. Der Auftritt war für mich persönlich auch von sehr großer Bedeutung, da mein Vater mit meinem Bruder vor Ort war und zugeschaut hat. Deshalb war das für mich eine extratolle Sache.

Du lebst ja nun in Berlin - fern vom Süden. Wie sieht es da mit dem Treffen alter Bekannter und vor allem mit deiner Familie aus?

Solche Treffen sind leider eher selten. In Friedrichshafen und Ravensburg wohnen ja meine ganzen alten Freunde von früher und insbesondere natürlich meine Eltern und mein kleiner Bruder. Wenn es klappt, fliege ich alle eineinhalb Monat einmal in den Süden runter.

Fühlst du dich dem Süden dennoch verbunden?

Ich bin voll und ganz ein Schwabe. Bushido hat mit mir sein neuestes Talent aus dem "Schwabenländle" geholt und ich werde meinen Fans zeigen, dass es einer aus dem Süden von ganz unten geschafft hat. Ich bin ein Paradebeispiel für den Aufstieg der Rapper aus dem Süden. Und ich bin überzeugt, dass neue Talente von hier folgen werden - etwa mein Kumpel Adrenalin.

Wie kamst du eigentlich mit Hip-Hop in Berührung?

Angefangen habe ich mit 13. Mein Bruder hat mich damals zum Rappen gebracht. Wir waren mit einem Kumpel von ihm im Wald und der hat plötzlich angefangen, über all das zu freestylen, was wir gerade gemacht haben. Das fand ich erstaunlich.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe geübt. Die ersten drei bis vier Jahre habe ich nur Freestyles gemacht und bin auf Battles gegangen. 2001 habe ich mit 16 Jahren den größten Wettbewerb, die "Royal Rumble" in Stuttgart, gewonnen. Ich brauchte ein neues Ziel. Als ich 17 war, hatte ich meinen ersten Plattenvertrag bei "Royal Bunker" mit meinem Kumpel Jaysus in der Tasche. Wir nannten uns "Chablife". Der Plattenvertrag war für uns damals wie Weihnachten und Ostern zugleich.

Ich kann mich noch gut daran erinnern - wir waren so stolz. Unsere Wege trennten sich 2005. Wir hatten zuvor Eko Fresh kennen gelernt - er hat uns entdeckt - und mit ihm unser erstes Musikvideo gedreht. Ich bin bei Eko Freshs "German Dream"-Label eingestiegen. Mit Jaysus werde ich aber demnächst definitiv wieder etwas gemeinsam machen. Wir hatten keinen Streit, wie viele gemeint hatten.

Wie stehst du zu deinem kometenhaften Aufstieg?

Auf der "Von der Skyline zur Bühne zurück-Tour" vor so einem großen Publikum live zu rappen, das war einfach nur megacool. Da war ja jedes Konzert ausverkauft. Für mich ist das alles nicht selbstverständlich. Ganz ehrlich, ich bin Bushido so krass dankbar, dass er mich auf der Tour damals gleich dabei haben wollte. Die ganzen Auftritte und der Erfolg haben es gezeigt: Ich kann für mich persönlich behaupten, es war der richtige Weg.

Wie wurde denn Bushido auf dich aufmerksam?

Also, Ende Dezember war ich mit einigen Kumpels in der Schweiz - wir hatten dort einen Auftritt. Da habe ich Bushido kennen gelernt. In der Schweiz haben wir gemeinsam Silvester gefeiert. Bushido und ich haben gemerkt, wie gut wir beide uns verstehen. Ich hatte ohnehin nichts zu tun und als er mich gefragt hat, ob ich mit nach Berlin kommen würde, bin ich direkt am 1. Januar 2007 dorthin zu ihm gezogen. Bis dahin habe ich noch am Bodensee bei meinen Eltern gewohnt. Der Vertrag bei "ersguterjunge" war dann selbstverständlich erst einmal wie ein richtiger Schlag ins Gesicht. Ich bin mit nichts vom Bodensee gegangen und mit nichts in Berlin angekommen.

Siehst du den Vertrag bei "ersguterjunge" als das große Sprungbrett für deine Karriere?

Oh ja, allerdings. Ich bin Bushido echt unendlich dankbar für diese riesengroße Chance. Ich meine, es dürfte weithin bekannt sein, dass ich von der Realschule geflogen bin und keinen Schulabschluss habe. Bevor ich Bushido kannte, stand ich wirklich mit leeren Händen da. Ich hatte rein gar nichts und ich wüsste nicht, was aus mir ohne diese Möglichkeit geworden wäre.

Viele meinen, ich sei nicht mehr real, weil ich nach Berlin gezogen und bei "ersguterjunge" eingestiegen bin. Ich sage mal so: Der Vertrag bei Bushido war mein letztes Ass im Ärmel. Diese Chance muss ich voll und ganz nutzen. Es ist ein so cooles Gefühl, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Ich meine - wow, er ist Bushido! Ich habe das alles, glaube ich, immer noch nicht so ganz verdaut.

Wie ist denn dein Verhältnis zu Bushido?

Ich habe bei "ersguterjunge" zunächst einmal einen Vertrag auf vier Jahre. Klar, Bushido ist mein Chef. Ich bin zurzeit seine neueste Entdeckung - der einzige Newcomer. Wir haben allerdings eine sehr, sehr freundschaftliche Beziehung zueinander. Wir sind sozusagen "Homies for life", die dicksten Kumpels. Und er kann Geschäftliches und Privates sehr gut trennen.

Du bist das "New kid on the block"? Was bedeutet das für dich?

Ich bin derzeit wie gesagt der einzige Newcomer bei Bushido. Ich vertrete den Rap aus dem Süden. Von ganz unten bin ich nach ganz oben gekommen und im vergangenen Jahr habe ich so richtig eingeschlagen. Ich habe bereits vier Mal Gold und zweimal Platin, mit Bushido hab ich den "Echo" für den besten Live Act erhalten. Ich bin derzeit so stolz, als ob ich meinen Eltern ein Zeugnis mit lauter Einsen vorgezeigt hätte.

2007 war zweifellos dein Jahr. Was folgt in diesem Jahr noch?

Im September diesen Jahres werde ich mit Bushido wieder eineinhalb Monate auf Tour sein - auch im Süden. Es wird außerdem diverse Auftritte geben. Etwa beim "Comet" oder der "Bravo Super Show", die beide im Mai stattfinden. Es stehen auch einige Videodrehs an. Mein Leistungspotential für das Jahr 2008 ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft, so viel steht fest. Im Januar 2009 kommt dann mein neues Album raus.

Was erwartet deine Fans in Bezug auf dein Soloalbum?

Meine Fans dürfen auf jeden Fall darauf gespannt sein. Das Album wird selbstverständlich wieder in Zusammenarbeit mit Bushido entstehen und sicherlich werden auch diverse andere Artists von der "ersguterjunge"-Crew dabei sein. Chakuza, DJ Stickle und Screwaholic beispielsweise und auch mein Kumpel Adrenalin aus Ravensburg. Ich verspreche, dass mein neues Album hundertprozentig wie eine Bombe einschlagen wird!

Das Gespräch führte Julian Biberger

Kay One

Am 14. März 2007 schlug für den 23-jährigen Kay One, mit bürgerlichem Namen Kenneth Glöckler, die große Sternstunde. Am besagten Tag unterschrieb der Ravensburger Rapper, geboren 1984, bei Bushido. Bereits mit 13 Jahren fing Kay One an zu rappen, damals noch unter dem Namen Lil Kay. Mit seiner 2001 gegründeten Gruppe "Chablife" (mit Jaysus) landete er zunächst beim Berliner Hip-Hop-Label "Royal Bunker". 2005 ging es dann solo bei Eko Freshs Label "German Dream" weiter, über den er Bushido kennenlernte. Es folgte im August 2007 Bushidos Album "7", an welchem Kay One mit einem Feature mitwirkte.

Auch auf der darauffolgenden Deutschlandtour und den Auftritten bei der Echoverleihung, dem Comet und den European Music Awards durfte Kay One nicht fehlen. Im Dezember des vergangenen Jahres erschienen der "ersguterjunge Sampler Vol. 3 - Alles Gute kommt von unten", auf dem Kay One auf sechs Songs zu hören war. Anfang 2009 wird sein neues Soloalbum "N. W. Kay" erscheinen. Kay One ist vor allem für seine markante Stimme und das sogenannte "Tribbeln" (Highspeed-Rap) bekannt. (jul)

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