Trotz Dauerregen am Freitagabend strömten die Besucher in Scharen zur Weilermühle, um die Premiere der neuesten Musical-Produktion „Chaos im Märchenwald“ zu sehen. Stefan Wintermantel und die Hofgemeinschaft haben sich selbst übertroffen und ein fantastisches Spektakel in die Reithalle gebracht. Am Samstagabend gab es eine weitere Vorstellung. Die Zuschauer waren durchweg begeistert.
Um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse ging es in der Geschichte und darum, dass manche Lösung, die „alternativlos“ erscheint, nicht wirklich alternativlos ist. Was zunächst sehr pädagogisch klingt, wurde bunt und voller Fantasie in der großen Reithalle dargeboten. Mit toller, eigens komponierter Musik, Chor- und Solo-Gesang, Tänzern, aufwändigen Kulissen, professionell gedrehten Video-Einspielern und fantastischen Kostümen für die vielen Pferde und Reiter und das ebenso zahlreiche Fußvolk. Aber vor allem beeindruckte die Geschichte mit großen Emotionen und viel Humor, der öfter für laute Lacher sorgte.
Im Kontrast dazu standen richtig gruselige Elemente, bei denen sich die Nackenhaare stellten. Die Zahl der teilweise gleichzeitig in der Halle agierenden zwei- und vierbeinigen Akteure war bei den rasanten Actionszenen kaum zu zählen.
Diesmal nahm man für die Geschichte – wenn auch sehr frei – Anleihen bei Tolkiens „Herr der Ringe“. Die Zuschauer erfuhren von Erzähler Emil Wintermantel: „Wir befinden uns im dritten Zeitalter der Elbenzeitrechnung“. Das idyllische Dorf Weilermühle, das in der Halle errichtet wurde, wird bewohnt von Elbenkriegern mit Harnisch, blonden Zöpfchen und einer Vorliebe für Blümchen im Haar und anderen märchenhaften Gestalten von Jung bis Alt. Doch die Idylle trügt. In Vollmondnächten fallen Horden von Vampiren und Werwölfen in das Dorf ein, verschleppen Bewohner und machen sie zu Ihresgleichen. Nur mit Gold und Schätzen lassen sie sich einigermaßen besänftigen.
Aber davon ist nichts mehr übrig, so dass großes Unheil droht. Ein geheimnisvoller Fremder reitet ins Dorf und wird mit blumigen Worten vom Oberelb begrüßt. Seltsamerweise kann der Fremde „elbisch“: „Mit mir kaasch normal schwätze.“ Und so geht's auf „elbisch“ weiter.
Großspurig stellt sich der Fremde als der berühmte Vampirjäger van Helsing vor und bietet eine todsichere Waffe gegen die Untoten an. Mit seiner „Full HD“-Kristallkugel lässt er sogar einen Blick in die Zukunft und den Verlauf der bevorstehenden großen Schlacht zwischen Elben und Untoten werfen. Nur die Kinder des Dorfes durchschauen seine bösen Absichten. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Eine Zuschauerin gab nach der Premiere offen zu: „I hab richtig plerre misse“. Zu Tränen rührte die Geschichte zwar nicht alle, aber kalt ließ das Musical auch niemanden. Niemand ließ das Geschehen in der Halle aus den Augen es hat auch niemaand während der Aufführung „geschwätzt“ – ganz so, wie Stefan Wintermantel vorab im SÜDKURIER-Interview versprochen hatte.
Über dem grünen Hügel des Springplatzes auf dem Reiterhof prangt seit wenigen Wochen in großen weißen Lettern „Weilerwood“. Einige der an dem Musical Beteiligten haben den Schriftzug ohne Wissen von Stefan Wintermantel aufgestellt. Ihm gefällt's, wie man hört. Den Ehrentitel haben er und die Hofgemeinschaft der Weilermühle auch redlich verdient.
Für alle, die das Musical am Wochenende verpasst haben oder die es noch mal sehen wollen, soll es zur Fasnetszeit weitere Aufführungen geben.
