Die CDU will den Bürgern diesmal vorher deutlich sagen, welche "unangenehmen Maßnahmen" sie nach einer gewonnenen Bundestagswahl umsetzen wird. Dazu planen die Christdemokraten auch im Bodenseekreis einen "thematisch ausgerichteten" Wahlkampf, der beim Wähler Einsichten erzeugen und nicht auf Effekte setzen soll. Gleichzeitig will die Partei vermitteln, dass zwischen Landes- und Kreisverband ungeachtet dessen abweichenden Votums in der Teufel-Nachfolge bestes Klima herrscht.
Überlingen - "Wir können nicht mit angezogener Handbremse einsteigen", verdeutlicht der CDU-Kreisvorsitzende Markus Müller, dass die Partei ungeachtet der noch ausstehenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes "Vollgas" gibt. Müller, der über den aussichtsreichen Platz 12 der Landesliste kandidiert, und Andreas Schockenhoff, er strebt im Wahlkreis Bodensee erneut das Direktmandat an, trafen sich in Überlingen mit Vertretern der Ortsverbände zur Absprache der Wahlstrategie. Zuvor erläuterten sie in einer Pressekonferenz, was die CDU auf dem Weg in die Regierung im Wahlkreis Bodensee plant.
"Sensationeller öffentlicher Wahlkampfauftakt" (Müller) wird bereits in der kommenden Woche, am Donnerstag, 4. August, der Auftritt zweier Ministerpräsidenten in Friedrichshafen sein. Landesvater Günther H. Oettinger und sein bayerischer Amtskollege Edmund Stoiber werden um 17.15 Uhr erwartet. Und dann darf es gegen das sonstige Konzept auch etwas Effekt sein. Wenn die beidem MPs Schockenhoff sekundieren, steht vor dem Zeppelinmuseum "ein LKW mit einer richtigen Roadshow", freut sich Müller und erklärt: "Der Auftritt Oettingers war sein Versprechen an den Kreisverband" als "öffentliche Klarstellung der guten Atmosphäre im Landesverband", nachdem der Kreisverband Bodensee in der Frage der Teufel-Nachfolge einsam gegen Oettinger und für Annette Schavan votiert hatte. Eine parteiinterne Geste vor diesem Hintergrund war laut Müller auch, dass an diesem Abend der Generalsekretär der Landes-CDU, Thomas Strobl, nach Überlingen kam.
Was Schockenhoff und Müller presseöffentlich darlegten, durchzog auch Strobls Motivationsrede vor den Ortsverbänden: Die Wahl ist für die CDU nicht gewonnen, sie muss bis zuletzt kämpfen und bei den Wählern "Vertrauen schaffen". Einsicht erzeugen für das, was Schockenhoff mit Verweis unter anderem auf die Mehrwertsteuererhöhung "das Umsetzen einiger unangenehmer Dinge" nennt: "Wir müssen vorher ehrlich sagen was wir hinterher machen", beschrieb der Abgeordnete einen Wahlkampf, der auf "Themen statt auf Effekte" oder "parteipolitisch Polarisierung" setze.
Getreu der Vorgabe "weniger Staat, mehr Familie, mehr Eigenverantwortung" (Ströbl) soll auch im Wahlkreis Bodensee das "Werteprofil" der Christdemokraten zum Bürger transportiert werden. So wird Heiner Geißler am 9. September in Überlingen-Nußdorf darüber nachdenken, "was hält eine Gesellschaft zusammen?"
Für den "thematischen Wahlkampf" werden indes Mitglieder der Landesregierung sorgen, die dem Kreisverband in der Sommerpause so viele Termine wie nur selten vor einer Wahl zur Verfügung stellten. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (Landwirtschaftsministerium) ist am 19. August in Überlingen, Ex-Landesminister Stefan Mappus am 20. August im Ravensburger Spieleland in Meckenbeuren, Wissenschaftsminister Peter Frankenberg am 2. September im Häfler GZH und Umweltministerin Tanja Gönner am 7. September in Langenargen. Arbeits- und Sozialminister Andreas Renner besucht am 11. September den Frickinger Herbstmarkt, tags darauf ist Landwirtschaftsminister Peter Hauk in Eriskirch und Meckenbeuren sowie Finanzminister Gerhard Stratthaus in Tettnang. Weitere Termine, unter anderem mit Annette Schavan, stehen noch nicht exakt fest.
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