Friedrichshafen Herzenswärme bei Minusgraden
In der Häfler Konditorei Weber & Weiss präsentiert Verkäuferin Heidi Feuerlein (45) die Angebote zum morgigen Valentinstag. Bild: Verena Löffler
Was hilft am besten in der kalten Jahreszeit? Genau: Frühlingsgefühle. Am morgigen Dienstag, 14. Februar, trotzen Pärchen und Verliebte traditionsgemäß den frostigen Temperaturen und schlendern Hand in Hand am Bodensee entlang. Oder etwa nicht? Wie beschenkt man seinen Partner am Tag der Liebe, wenn die Wärme der Herzen nicht reicht, um die eisigen Füße nach dem romantischen Spaziergang wieder zu spüren? Über welche Aufmerksamkeit freut sich die Herzdame besonders?
Fast jedes Geschäft in der Friedrichshafener Innenstadt lockt mit aufwendiger Herzdekoration. In der Buchhandlung Ravensbuch findet man unter der Treppe eine komplett rosafarbene Auslage. Neben kleinen Grußbüchern und Schlüsselanhängern werden auch ungewöhnliche Kleinigkeiten wie Badekonfetti in Herzform oder Liebeswürfel angeboten. Verkäuferin Johanna Nöth (28) beobachtet die Valentinstags-Einkäufe schon seit geraumer Zeit: „Bisher habe ich ausschließlich Männer gesehen, die immer ein bisschen verzweifelt nach Geschenken gesucht haben.“ Die Buchhändlerin ist sich allerdings sicher, dass sich die Mühe lohnt: „Jede Frau freut sich, wenn sie etwas geschenkt bekommt.“
Ganz besonders viel Aufwand für den Tag der Liebe betreibt die Häfler Konditorei Weber und Weiss. Die Kreationen der besonderen Art lassen jedes Schokoladenherz höher schlagen. „Unsere Preise gehen von 80 Cent für ein kleines Herz bis ungefähr 23 Euro. Da ist für jeden Geldbeutel und jeden Geschmack etwas dabei“, erklärt Heidi Feuerlein (45). Ihr besonderer Valentinstags-Tipp: Mit hausgemachten Pralinen gefüllte Schokoschalen in Herzform. „Da kann man den Inhalt und die Verpackung essen“, verkündet die 45-Jährige lächelnd mit einem Augenzwinkern in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER.
Einen auffälligen Trend bemerkte Modeschmuckverkäuferin Gabriele Dietrich (55): „Die Herzform bei Anhängern oder Silberkettchen ist immer noch beliebt. Mittlerweile schenken sich aber nicht mehr nur Verliebte sondern auch viele Freundinnen gegenseitig Armbänder.“ Deshalb gibt es dieses Jahr Rabatt auf Freundschaftsringe. „Viele kaufen einfach nur eine kleine Aufmerksamkeit. Aber der Brauch ist mehr für junge Leute“, lautet ihre These.
Wie zum Beispiel für den zwölf Jahre alten Jan-Maik Mäder: Er hat im letzten Jahr seiner Mutter eine Rose mit Luftballon und Grußkarte geschenkt. Der Siebtklässler von der Bodenseeschule St. Martin weiß genau, was der Valentinstag für ihn bedeutet: „Einfach nur zeigen, dass man einen gerne hat.“ In der Schule kann man in den Pausen jetzt schon Valentinstags-Geschenke kaufen. „Wir können sogar Rosen an Freunde verschicken – das machen Mädchen genau so oft wie Jungen“, fügt sein Klassenkamerad Fabian Kaspar (13) hinzu.
Wesentlich kritischer steht die 22-jährige Stefanie Bader zu diesem Thema: „Valentinstag ist nur Geldmacherei. Ein von der Marktwirtschaft erfundener ,Feiertag'!“
Dass das Feiern der ursprünglich britischen Tradition allerdings nicht nur ein Jugendphänomen ist, beweist die „fast 80 Jahre alte“ Pia Landis. Sie wird ihre Nachbarin beschenken. „Einfach weil sie ein lieber Mensch ist. Ich mag Blumen und jetzt, da der Frühling näher kommt, vor allem Tulpen.“
Blumenhändler Tobias Zipse richtet sich daher auch auf einen kleinen Ansturm am heutigen Montag ein. „Wir haben Gestecke mit Herzchen und werden noch viel aus frischer Ware machen. Das Problem ist nur das dieser Tage eiskalte Wetter“, so Zipse. Bei Tankstellen und Internethändlern würden die Blumen oft auf dem Weg nach Hause erfrieren.
Wer das Risiko nicht eingehen möchte, ist gut mit etwas Selbstgemachtem beraten. So sieht es auch Schreibwarenverkäuferin Sigrid Haller (64): „Es ist ein Herzenstag. Ein auf Leinwand gemaltes Herz wäre schön. Auf jeden Fall etwas Persönliches.“
So hält es auch die 19-jährige Frauke Fichtner. „Ich schreibe vor allem Briefe an meine Freunde in den USA. Wenn man dort jemanden zum Valentinstag einlädt, dann immer mit etwas Gebackenem oder etwas in Herzform – es muss nur selbstgemacht sein!“ Worüber die Studentin sich am Tag der Liebe freut? „Meine Freundin bringt mir Unterwäsche aus den Staaten mit“, sagt sie und lacht.

